Lenkräder aus Biomüll vorstellbar

25. Februar 2013, 15:38
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Noch stecken Bioraffinerien in den Kinderschuhen - Bioscience-Tag am Dienstag in Wien

Wien - Biomasse zu vergasen, zu verbrennen oder Biosprit daraus herzustellen, um Wärme und Strom zu gewinnen oder in den Urlaub zu fahren, davon ist Christoph Herwig vom Institut für Verfahrenstechnik Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der Technischen Universität (TU) Wien wenig begeistert. Denn aus Biomasse könne man in "Bioraffinerien" auch die Bestandteile für hochwertige Produkte erzeugen. Dazu bräuchte man allerdings noch zu viel Energie, außerdem gezielte Förderungen, erklärte er anlässlich des "Bioscience Technologies Day" zum Thema "Bioraffinerien für hochwertige Produkte", der am Dienstag in Wien stattfindet.

So wie in einer Erdölraffinerie Rohöl in unterschiedliche Inhaltsstoffe aufgeteilt wird, sollen in einer Bioraffinerie verschiedene Bestandteile aus Biomasse gewonnen werden, etwa Zellulose, Hemizellulose und Lignin. "Es gibt mittlerweile Lenkräder aus Lignin und Asphalt mit Ligninanteil", sagte Herwig. Andererseits könne man aus Biomasse auch Grundstoffe für die chemische Industrie herstellen. "Am Endprodukt sieht man nicht, ob es von einem Bio- oder Erdölrohstoff kommt", erklärte er. Sogar Biomüll sei eine mögliche Quelle für Biorohstoffe.

Einsatz von Enzymen

Es wäre allerdings bei Biomasse schwieriger als bei Erdöl, an die gewünschten Bestandteile zu kommen. Die Trennung der "unglaublich vielen verschiedenen Stoffe" sei sehr energieaufwendig. Man versucht deshalb, nicht nur die üblichen technischen Prozessschritte anzuwenden, sondern auch biotechnologische Helferleins einzusetzen, erklärte Herwig. Das heißt, statt Schwefelsäure und 170 Grad Celsius einzusetzen, könnte man Enzyme den Job bei 80 Grad machen lassen.

Derzeit stecken Bioraffinerien noch in den Kinderschuhen, es gäbe keine "signifikanten Umsatzzahlen solcher Produkte", so Herwig. Biomasseprodukte hätten zwar das Potenzial, jene aus Erdöl zu ersetzen, der Prozess müsse aber ökonomischer und umweltfreundlicher gemacht werden.

Keine "Teller-Tank-Diskussion"

Eine "Teller-Tank-Diskussion" wie bei Biotreibstoffen, wo man sich mokiert, dass die einen mit dem Biosprit auf Urlaub fahren, während andere Menschen hungern, schließt der Experte bei Bioraffinerien aus. "Die Biomasse, die hier benutzt wird, kann man nicht essen", sagte er. Man würde zum Beispiel Stroh verwenden.

Österreich sei bei Bioraffinerien in der Forschung "sehr weit vorne". Damit dies so bleibt, brauche es gezielte Förderungen, meint Herwig. Die TU Wien, die Universität für Bodenkultur Wien und die TU Graz organisieren einen "Bioscience Technologies Day" zum Thema "Bioraffinerien für hochwertige Produkte" an der TU Wien. Damit wolle man zeigen, dass das Thema Zukunftspotenzial habe und gefördert werden muss, sagte er. (APA, 25.2.2013)

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