Japans neuer Notenbank-Chef steht wohl fest

25. Februar 2013, 18:02
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Die Finanzmärkte freuen sich über den Favoriten für den Spitzenposten der japanischen Notenbank. Sie erwarten sich von der neuen Geldpolitik einen deutlich schwächeren Yen

Tokio/Wien - Haruhiko Kuroda soll die Deflation in Japan bezwingen. Im Rennen um die neue Spitze der japanischen Notenbank (BoJ) zeichnet sich eine Entscheidung ab. Kuroda, zuletzt der Chef der asiatischen Entwicklungsbank, ist für Japans neue Regierung ein guter Kandidat. " Kuroda ist ein Fan des schwächeren Yens", sagt Kit Juckes, ein Stratege von Société Générale. Denn als Vize-Finanzminister befürwortete er in der Vergangenheit Interventionen, um den Yen zu schwächen, und war vier Jahre für die Währungspolitik verantwortlich.

Ein schwächerer Yen ist das erklärte Ziel der japanischen Regierung. Regierungschef Shinzo Abe hatte von der Zentralbank eine Reihe von Maßnahmen gefordert, um die wirtschaftliche Stagnation, in der das Land seit zwei Jahrzehnten steckt, zu überwinden. Diese Woche will er und seine regierende Partei der Liberaldemokraten ihre Kandidaten für die wichtigsten Zentralbank-Posten vorstellen. Sie sollen die politischen Vorgaben, etwa das Erreichen des neuen Inflationsziels von zwei Prozent, in den kommenden Quartalen umsetzen.

Die Neubesetzung der BoJ-Spitze ist nötig, weil der geldpolitisch relativ gemäßigte BoJ-Chef Masaaki Shirakawa am 19. März abtritt. Er hatte sich zunächst gegen die politischen Begehrlichkeiten gewehrt und die Unabhängigkeit der Zentralbank betont. Die neue Notenbank-Spitze hingegen ist auf Linie mit den politischen Vorgaben und hat bereits in der Vergangenheit den Kurs der BoJ kritisiert.

Erste Erfolge sichtbar

In den vergangenen sechs Monaten hat Japans Währung über 25 Prozent gegen den Euro und knapp 20 Prozent gegen den US-Dollar abgewertet. Die Aussicht auf einen BoJ-Chef namens Kuroda hat den Yen am Montag weiter gedrückt. Gegen den US-Dollar wertete die japanische Währung knapp einen Prozent ab. Der günstigere Yen soll die Wettbewerbsfähigkeit für Japans Exportwirtschaft wiederherstellen. Laut den Analysten der Citigroup hat die Exportwirtschaft im Jänner bereits einen Impuls bekommen, die Wachstumsprognosen haben die Ökonomen deshalb bereits angehoben.

Doch mit der Schwächung des Yen hat Japan auch Kritik aus dem Ausland auf sich gezogen. Beim jüngsten Treffen der G-20-Finanzminister verurteilten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer jeden Versuch, mit der künstlichen Schwächung von Währungen zu wachsen.

Für Japans Aktienmärkte hat die Politik des schwachen Yen eine deutliche Erholung gebracht. Der Leitindex Nikkei hat in den vergangenen drei Monaten über 20 Prozent zugelegt, angeführt von Exportunternehmen wie Sony. Am Montag ist die Börse auf den höchsten Stand seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 gestiegen.

Damit diese Kursgewinne gerechtfertigt sind, muss die japanische Notenbank aber noch liefern, mahnen Analysten. So blicken etwa die Ökonomen der britischen Bank Barclays gespannt auf das Treffen der BoJ am 26. April. Dann sollen die japanischen Notenbanker neue Maßnahmen ankündigen, um die Wirtschaft zu stützen. "Eine Ausweitung der Staatsanleihenkäufe und die Ausweitung der Laufzeiten" erwarten sich die Barclays-Experten. (sulu, DER STANDARD, 26.2.2013)

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    Ein schwächerer Yen soll Japans Exportwirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen.

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