Cochlea-Implantat: Musiktherapie hilft in der Frührehabilitation

Musiktherapeutisches Training soll Hörenlernen nach Cochlea-Implantation verbessern

Heidelberg - Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass die Musiktherapie für Träger des Cochlea-Implantats (CI) in kurzer Zeit sehr hilfreich sein kann. Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut, DZM) in Heidelberg hat nun die deutschlandweit erste Pilotstudie zur Optimierung des Hör- und Sprachtrainings durch Musiktherapie für CI-Träger abgeschlossen.

Ein Cochlea-Implantat ist eine elektronische Hörschnecken-Prothese, die Menschen mit Schädigungen des Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Das CI übernimmt die ausgefallenen Funktionen des Innenohres. Es leitet elektrische Reize direkt an den Hörnerv weiter.

In dem jetzt abgeschlossenen Projekt wurde ein musiktherapeutisches Training entwickelt, das auf spielerische Weise - analog zum frühen, vorsprachlichen Dialog bei Kleinkindern - das Hörenlernen nach der CI-Implantation verbessern soll. Das modularisierte musiktherapeutische Training fand in der Regel im Rahmen von zehn Einzelsitzungen (à 50 Minuten) in wöchentlichem Abstand statt.

Am Projekt nahmen zehn Personen teil, die postlingual (d. h. nach dem Spracherwerb) ertaubt sind und erst vor kurzem einseitig implantiert wurden. Die Musiktherapie erfolgte unmittelbar auf die medizinische Erstanpassung des CI.

Die Ergebnisse belegen, dass die Musiktherapie besonders in vier Bereichen sehr hilfreich sein kann:

• Differenziertere Hörfähigkeit von Klängen und Geräuschen im Alltag (Musik hören, Radio hören, Fernsehfilme und -nachrichten verstehen, Unterhaltung in größeren Menschengruppen etc.)
• Zufriedenstellende akustische Orientierung in Alltagsumgebungen und Räumen (öffentliche Verkehrsmittel, Kirchen, Straßenverkehr etc.)
• Emotionaler Ausdruck in der Sprache (sogenannte emotional unterlegte Prosodie)
• Schnelle und emotional stabile Akzeptanz des CI (Aussehen, sich behindert fühlen etc.)

Der Vergleich der Ergebnisse von subjektiver Probandeneinschätzung und objektiver Messungen vor und nach der Therapie zeigt eine sehr hohe Therapieeffizienz sowie eine große Zufriedenheit der Teilnehmer mit den erreichten Fortschritten in allen Bereichen des Hörens sowie mit der relativ kurzen Gesamtdauer des Angebotes.

Großangelegte Studie

Derzeit laufen die Vorbreitungsarbeiten zur Durchführung einer großen, repräsentativen Studie, zu der dann auch bundesweit CI-Träger zugelassen werden sollen. Hierfür soll das Therapiekonzept angepasst werden, um sog. Kompaktwochen zu ermöglichen.

Die größte Hürde bei der Vorbereitung einer wissenschaftlichen Hauptstudie im Bereich "Cochlea-Implantat" wird nach Aussage des geschäftsführenden Vorstandes des DZM, Hans Volker Bolay, jedoch sein, "dass mögliche Geldgeber, Vertreter von Stiftungen als normal Hörende sich kaum vorstellen können, wie sehr ihre eigene Lebensqualität von ihrem derzeit (noch) gesunden Gehör abhängt". (red, derStandard.at, 25.2.2013)

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