Wachsende Verarmung der Italiener wurde im gehässigen Wahlkampf ausgespart

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24. Februar 2013, 21:30

Die Gehälter sind auf den Stand von 1986 zurückgefallen, der Konsum auf den Stand von 1950. Acht Millionen leben an der Armutsgrenze - Tendenz steigend

Maurizio ist 54 Jahre alt und leitete bis vor drei Jahren eine Baustelle mit 70 Beschäftigten. Auch seine Frau hatte einen guten Arbeitsplatz in Mailand. Beide hatten ihr Erspartes in den Kauf einer Wohnung investiert - das entsprechende Darlehen zahlten sie in Monatsraten ab. Dann verlor Maurizio seinen Arbeitsplatz, weil die Baufirma keine Aufträge mehr hatte. Wenig später wurde auch seine Frau entlassen. Sechs Monate konnten sie das Darlehen weiterzahlen. Dann wurde
ihre Wohnung von der Bank versteigert. Nach einigen Gelegenheitsarbeiten waren die beiden gezwungen, in ihrem Auto zu leben - bis der PKW von der Polizei beschlagnahmt wurde, weil die Verkehrssteuer nicht bezahlt worden war. Maurizios Frau war gezwungen, zu ihrer alten Mutter zu ziehen, er selbst lebte in einem kleinen Zelt am Stadtrand von Mailand. Beklemmende Armutsgeschichten dieser Art lassen sich etwa auf der Webseite der sozialen Stiftung Condividere dutzendfach nachlesen.

Sie belegen ein Phänomen, das im Wahlkampf kein Thema war: die wachsende Armut und den sozialen Kahlschlag in Italien. 8,2 Millionen Italiener sind von Armut betroffen, davon sind 3,4 Millionen nach Angaben des Zentralinstituts für Statistik "absolut arm". Das Einkommen der Bevölkerung ist auf den Stand von 1986 zurückgefallen. Pro Woche werden bis zu 1000 Wohnungen versteigert, deren Besitzer ihre Darlehen nicht mehr bezahlen können. Eine Prognose des Ökonomen Alberto Quadrio Curzio veranschaulicht die Dramatik der Lage: Bis 2017 wird das Bruttosozialprodukt Italiens bestenfalls auf den Stand von 2007 klettern. 86 Prozent der Familien sind zur Kürzung ihrer Ausgaben gezwungen, 41 Prozent schaffen es kaum bis zum Monatsende. Die Rezession hält auch 2013 an, die Anzahl der Arbeitslosen steigt auf 12 Prozent. Jeder dritten Jugendliche ist arbeitslos. Der Konsum der Familien ist im abgelaufenen Jahr um 3,2 Prozent gefallen - auf der Stand der Nachkriegsjahre. 364.000 Betriebe wurden 2012 zur Schließung gezwungen - tausend pro Tag. Bizarr genug, daß Italien in dieser Situation 13 Milliarden Euro für
den Kauf von F35-Kampfflugzeugen ausgeben kann.

 

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es nützt halt alles nix: wenn der markt einmal eingebrochen ist, sind potenzielle kunden woanders, sind auch viele industrien woanders, das ist seit jahren so. es nützt nix. und wenn der norden jammert, dass er soviel zum süden beiträgt, dann stimmt das vom volumen her nicht. da bekommt der norden wesentlich mehr leistungen, da die einkommen höher sind. dennoch bleibt was übrig, und was übrig bleibt, ist wesentlich mehr, als es in österreich z.b. der fall ist, da tragen alle bei. die frage ist die der verteilung und absicherung der menschen, http://www.oecd-ilibrary.org/sites/reg... cessItemId

Und Silvio der für das Desaster verantwortlich ist, hat gleichzeitig alle an der Nase rumgeführt und denkt "Hab ich die Leut in diesem Scheissland schön verarscht und bin dafür nicht mal hinter Gitter gekommen..dafür gibts morgen Bunga!"

Gefängnisvermeidung als Regierungs-Raison

Anders herum wird ein Schuh draus: Berlusconi musste nicht ins Gefängnis, WEIL er an der Regierung war.

Man munkelt ja, dass er überhaupt nur in die Regierung ist in den 90er Jahren, um nicht damals schon verurteilt zu werden....

mir ist schon klar, neben normaler korruption, misswirtschaft, gönnt sich italien auch noch ein paar 100 mrd wohlstandsverlust durch die mafia et al., aber das mit dem jahr 1950 kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. klingt halt schön.
übrigens auch 3,4 mio absolut arme ist nicht wirklich viel (3,4/60 =5,7%), die EU sieht das übrigens ernster, da ist die quote 11,2%.
ist eine quote mit der man bei den besten "glücklichsten" europas dabei ist.

"Die Gehälter sind auf den Stand von 1986 zurückgefallen,"

Na, dann müsste ja der Export florieren. Wenn ich unsere Wirtschaftsexperten wie "whatsoever1", "jahn petrov" u.a. lese, dann ist ja der Exporterfolg anderer EU-Staaten eine unmittelbare und ausschließliche Funktion einer angeblich desaströsen Gehaltsentwicklung. Da hätte dann Italien ja jetzt beste Bedingungen!

Dann werden ja jetzt Fiat, Olivetti (erinnert ich noch jemand?) oder Benelli jetzt den Weltmarkt fluten!

Oder sollte es doch komplizierter sein?

Abwertung nötig!!

Die Crux ist wohl, dass Italien nicht mehr einfach die Währung abwerten kann, dann bleibt nur übrig, die Gehälter zu kürzen wie in Deutschland oder aber vor die Hunde zu gehen wie GR, Italien, Spanien und nund mgl. auch Frankreich...

olivetti-schreibmaschinen :-))) das waren doch die mit den kugelköpfen, bei denen immer mal wieder eine zacke ausgebrochen ist ... und diese unseligen tippp-ex-papierln.
aber ich schwöre: es wurde auf und mit ihnen geschichte geschrieben.

erst mal die flut an dacias abwarten

ein konkurrenzloses nischenprodukt,dessen (selbstzerstörerisches) potential leider bislang unerkannt blieb.

Wenn das Geld ausgeht dann kommt hervor wie Produktiv und fortschrittlich ein Land wirklich ist. Manche könne mit Geld ungehen und ein fuktionierendes System aufbauen, andere sind dazu nicht willens bzw es fehlt die Intelligenz dafür. Italien war arm und wird es nun wieder. Jedoch sollte die Wirtschaftskrise Anreize geben wieder Produktiv zu werden anstatt sich wie früher dauernd nur zu verschulden und die Lira ab werten.

Die Bürger sind ja unmündig zu wählen!

Es gab in der 2. Republik nur eine Partei die sich um die menschen gekümmert hat und dass war NUR die SPÖ!
Jetzt wählt man 17 Parteien und aus Protest statt sie wieder zu stärken damit sie auch arbeiten können und diese braune Flut endlich wegbringen bevor es zu spät ist und alle Sozialleistungen gestrichen werden.
Man sieht es ja in allen Ländern wo sie regieren, überall das gleiche, Lüge, ja sogar Mord und Selbstbereicherung.
Und die, die statt auf der Strasse im Gemeindebau sitzen und Sozialleistungen kassieren, haben ganz einfach vergessen woher sie dass alles haben und geben aus Protest und weil sie sich gerne belügen lassen, die Stimmen irgend einer Partei und wir zahlen dass dann eh!
Euer Peppe Grillo
PS War nur Spass ich regiere net

Sozialdemokraten

gibt es seit 30 Jahren nicht mehr. Ebenso wie Christdemokraten. Es gibt nur gierige Funktionäre und goscherte Populisten. Also nur grausliges Zeugs zu wählen.

Die SPÖ...

... aus der Funktionäre wie der Cap kommen. Oh was für ein Glück haben wir Österreicher, dass es die Sozis gibt. :)

... in der sind (so funktionäre wie ...), nicht aus der kommen - so viel zeit muss sein.

und wie ändert man was an dieser situation?

indem man denn monti-kurs des sozialen kahlschlags, der einsparungen, deregulierungen und erhöhung der massensteuern fortsetzt?

das ist ja ganu das rezept, das uns unter der rubrik "reformen" verkauft wird, und das zu höherer arbeitslosigkeit, sinkendem wachstum und setigender staatssverschuldung und verelendung weiter kreise geführt hat.

jetzt soll more of the same die rettung sein? wie widersinnig! italien bräcuhte wie ganz europa einen wirtschftspolit. kurswechsel.

Man muss an mehreren Stellen ansetzen

Das Sozialsystem muss angepasst werden, damit Europa zukunftsfest wird. Daran fuehrt kein Weg vorbei. Extreme Haertefaelle sind moeglichst zu vermeiden.

Gleichzeitig muss die oeffentliche Verwaltung deutlich effizienter werden.

Hohe Verschuldung kostet Wachstum. Das ist keine meoliberale, sondern eine ganz einfache, allgemeingueltige Formel.

Das Thema Korruption kostet gerade Staaten wie Italien enorm viel Wohlstand.

Die Liberalisierung vieler Branchen befindet sich erst am Anfang eines langen Weges.

Monti hat Fortschritte erzielt. Wenn nun Grillo oder Berlusconi uebernehmen wird es wieder schlimmer als zuvor.

Das hat ja Monti in den USA gelernt bei Goldman-Sachs (bekanntlich einer der spekulierenden FED-Banken). Überall derselbe neoliberale Dreck, der die paar Reichen unglaublich reich, die große Mehrheit aber arm macht und den Staat langfristig in den Bankrott treibt.

Aber nein, die Spekulanten und Geier sollen ja keine Reichensteuern zahlen - da wird schnell der Mittelstand, der gar nicht gemeint ist (!), vorgeschoben. Stattdessen Forderung der Geier: lasst uns die Armen NOCH ärmer machen.

Überhaupt, "Reichensteuer": es würde reichen, wenn diese Geier wieder dieselben Steuern bezahlen würden wie von 1960ern bis 1980ern! Bevor sie sich selbst durch Politmarionetten ihre Steuern kleinstreichen ließen. Überall dasselbe Bild: made in USA!

Spieltheorie!

Die dahinter steckende Logik und Ethik wird in dem neuen Buch von Frank Schirrmacher: Ego - Spiel des Lebens beschrieben.

Es ist aus der Denke des kalten Krieges als sog. "Spieltheorie" entstanden und wurde dann in die Ökonomie übertragen mit den politischen Programmen ab Anfang der 80er Jahre!!!

Umverteilung und Auslagerung der Gewinne "off-shore"

Exakt, die Entwicklung ist nur 30 Jahre alt. Davor hatten wir ganz andere Einkommensverteilungen und reguliertere Finanzmärkte. Ausserdem bleiben diese Gewinne auch nicht in den Ländern, wo sie erwirtschaftet werden, sondern gehen off-shore...Die Summen sind crazy....! (siehe Guardian)

http://www.guardian.co.uk/business/... tax-havens

Mit welchem Geld?

der steuerflüchtigen
und der 10 %, die sich auf kosten der anderen bereichert haben
schwupp-di-wupp wär da die kassa wieder schnell voll.

mit einem Geld, das anders funktioniert:

www.occupymoney.info

Wenn die, die es haben es nicht zur Rettung des Staates, dem sie den Reichtum verdanken, einsetzen wollen, braucht wohl der Staat auch nix zur Rettung der Reichen vor dem wütenden Volk zu tun.

Genau so sollte es sein.

und ein wuetendes volk bringt fuer den Wohlstand genau was?

Die Demokratie, ohne die es keinen Wohlstand für alle geben kann?
1789 Frankreich, 1989 Rumänien. Ohne die Bereitschaft des Volkes das Blut der Unterdrücker zu vergießen wäre der Hunger allgegenwärtig!

Aux armes, citoyens,
Formez vos bataillons,
Marchons, marchons!
Qu'un sang impur
Abreuve nos sillons !

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