Tschad meldet 116 Tote bei Kämpfen im Norden Malis

24. Februar 2013, 20:02

Frankreich will wie geplant im März mit dem Abzug seiner Truppen beginnen

Bamako/N'Djamena - Im Norden Malis sind nach Angaben des Tschad 93 Rebellen und 23 Armee-Soldaten bei Kämpfen getötet worden. Weitere 30 Soldaten des Tschad seien verletzt worden, hieß es in einer Erklärung der Armee des Landes im staatlichen Rundfunk am Sonntag. Das Militär hatte schon am Freitag in einer Zwischenbilanz erklärt, bei dem Einsatz gegen Islamisten mit Verbindungen zur Al Kaida seien 13 seiner Soldaten und 65 Rebellen ums Leben gekommen. Die jetzt vorgelegte Schlussbilanz ist die verlustreichste seit Beginn der Intervention Frankreichs in seiner ehemaligen Kolonie vor rund sechs Wochen.

Frankreich hat erklärt, trotz der jüngsten Angriffe von Rebellen wie geplant im März mit dem Abzug seiner Truppen aus Mali zu beginnen. Dann sollen die Soldaten aus benachbarten Ländern - darunter 2.000 aus Tschad - die Kontrolle übernehmen.

Islamisten hatten 2012 mehr als die Hälfte Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Frankreich intervenierte im Januar mit etwa 4.000 Soldaten in der ehemaligen Kolonie auf Bitten der malischen Führung, um den Vormarsch islamischer Kämpfer auf die Hauptstadt Bamako im Süden zu stoppen. Französische Truppen vertrieben die Islamisten aus den großen Städten im Norden und bekämpfen sie zusammen mit afrikanischen Soldaten nun in den Bergregionen. (APA/Reuters, 24.2.2013)

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9 Postings
Frankreich in der Zwickmühle

Die Soldaten aus Tschad stehen unter Druck islamischer Landsleute, sie würden andere Muslime töten. Die Wellen gehen in Tschad hoch.
Von außen klingt es technisch "einfach": "Dann sollen die Soldaten aus benachbarten Ländern - darunter 2.000 aus Tschad - die Kontrolle übernehmen." Frankreich hat zwei tote Soldaten, das ergibt zu 23 toten Tschad eine Optik, die diese Strategie in Frage stellt. Zwickmühle: Frankreich will weg, kann aber nicht.

Wenn Muslime nicht gegen Muslime Krieg führen dürfen,...

... dann hätten die Islamisten in Mali niemals einmarschieren können. Der angebliche Gewissenskonflikt der tschadischen Soldaten ist doch sehr konstruiert.

Auch ihre Zwickmühle für Frankreich ist reiner Bullshit, was man daran erkennt, dass französische Politiker den Abzug verfolgen, obwohl sie die derzeitige Situation seit Tagen kennen.

Muslim gegen Muslim

Sie haben da was missverstanden: Nicht um Gewissenskonflikte der Tschad-Soldaten ging es, sondern um den sich aufbauenden Druck in der muslimischen Gesellschaft, wenn muslimische Soldaten auf muslimische "Rebellen" schiessen sollen. Da ist gar nichts konstruiert daran, sondern die Regierungen stehen unter ziemlichem Druck.

Die Franzosen sagen zwar allen: wir sind bald hier wieder weg, hier ist unsere Telefonnummer und ruft uns an, wenn was ist. Aber das muss sich erst zeigen, ob die Strategie aufgeht. Mitnichten Bullshit.

35.000 Tonnen Waffen aus Libyen... in Mali?

Den Dschihadisten fehlt das Know-How für Benutzung und Reparatur von größerem Equipment, sowie die Lufthoheit. Ansonsten sind es die selben Waffen, zumindest wie die reguläre Armee in Mali. Der Kommandant der Mali-Armee in Gao, Laurent Mariko, stuft die Schlagkraft der Dschihadisten auf gleichem Niveau wie dem einer Armee ein. Also doch bessere Strukturen als angenommen?

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Das Verhältnis von 23 Soldaten zu 93 Rebellen spricht für sich.

Die ideologischen Rebellen sterben doch schneller als die Soldaten, was langfristig für die Armee spricht.

Er sagt das Waffenarsenal der Djihadisten befinde sich auf dem Niveau einer Armee, aber sagt eben zugleich, dass sie mit dem Zeug nicht umgehen können.

Den Schluss vergessen : also, vom Material her wären's gleich ausgerüstet, nur eben bei den Strukturen hapert's ganz gewaltig.

Qatar?

In einem der Kommentare schrieb jemand, dass Qatar medizinische Versorgung u.a. für die Dschihadisten leiste. Wie soll so eine Struktur von den Franzosen unbemerkt funktionieren? Die Struktur der Dschihadisten ist mir ein Rätsel, aber möglicherweise doch wieder auf ihre Weise funktionierend. Nur wie?

Berechtigter Einwand...
Wenn angeblich fast niemand die Rebellen unterstützt, woher bekommen die Nachschub, nur aus Schmuggel oder von anderen Islamisten? Wie bekommen die Treibstoff etc.

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