Mobbing in der Gesundheitsschule

In Oberwart wird die Kündigung einer Lehrerin der Krankenpflegeschule vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob die Direktorin einen Teil des Lehrkörpers gemobbt hat oder umgekehrt dieser die neue Direktorin

Oberwart - Vor einem halben Jahr, im September 2012, hat Franz Unterasinger einen Brief geschrieben. Und weil er das getan hat, muss er am kommenden Donnerstag vor den Arbeitsrichter im südburgenländischen Oberwart, um dort seinen anwaltlichen Pflichten nachzugehen.

Worum es in der Causa geht, ist nicht einfach darzustellen. Je detaillierter sie einem erzählt wird, desto undurchschaubarer - oder weniger nachvollziehbar - wird es, sodass sich insgesamt der Eindruck verfestigt, man habe es hier mit einer Art Sittenbild zu tun. Könnte man das Abschätzige, das Pejorative aus der Bergriffsbildung wegbringen, ließe sich von einem Kindergarten reden. Tatsächlich allerdings geht es um die dem Oberwarter Krankenhaus angeschlossene Krankenpflege- und Gesundheitsschule, die demnächst den Status einer Fachhochschule bekommen soll.

Mit dieser Perspektive wurde vor zwei Jahren die Leiterstelle neu ausgeschrieben und vergeben. Die neue Direktorin eckte in Teilen der Kollegenschaft an, die sich durch autoritäres Verhalten, Einschränkungen persönlicher Freiheiten und Ähnliches verfolgt sahen. Von "Mobbing" durch diese neue Leiterin war die Rede. Im Namen mehrerer Lehrerinnen und Lehrer fasste Franz Unterasinger die Rede in Briefform und sandte sie an den Dienstgeber, die burgenländische Krankenanstalten-Gesellschaft (Krages).

Die Folge des anwaltlichen Schreibens war die Kündigung einer Lehrerin, die von der Krages der "Rädelsführerschaft" verdächtigt wird. Und seither ist diese Angelegenheit mitten in den Schlagzeilen, der Kurier sprach in seiner lokalen Ausgabe gar von "Stasi-Methoden" der Direktorin, die Burgenländische Volkszeitung, die Bvz, berichtet laufend. Und ein gewisser Josef Paul Puntigam, gewesener Brigadier des österreichischen Bundesheeres, nunmehr umtriebiger Ausbildner von Führungskräften und hart am rechten politischen Rand balancierend, facebookt fleißig zur "Mobbing-Debatte" an der Schule.

Die Krages hat ihre Mobbing-Beauftragte, eine in Wien tätige Fachärztin für Psychiatrie, damit beschäftigt. Und die kam, wenig überraschend, zu dem Schluss, dass eine einzelne Person, und sei sie auch die Direktorin, per definitionem eine Gruppe nicht mobben könne. In diesem Fall sei es umgekehrt, die Psychiaterin hat den Eindruck, "es handle sich um , Mobbing von unten'", ausgelöst durch strukturelle Veränderungen im Führungsstil. Christine Kotschar, die Betriebsratschefin des Oberwarter Krankenhauses, glaubt, "die wollen die Direktorin einfach weghaben". Sie jedenfalls habe "der Kündigung zugestimmt, und ich habe es mir da nicht leicht gemacht".

Eher schon leicht hat es sich dagegen die Krages gemacht. Sie sprach die Kündigung ohne vorgeschriebene Begründung aus, vorgeworfen wurde der gekündigten Lehrerin erstaunlicherweise das anwaltliche Schreiben, mit dem sie "den Dienstweg verlassen" habe. Und diese schlampige Vorgehensweise wird mithilfe von Franz Unterasinger vorm Arbeitsgericht bekämpft.

Sitte und Unsitte

Dabei werden dann wohl auch jene "Vorschriften zu Ess- und Rauchgewohnheiten" zur Sprache kommen, die Unterasinger und seine Mandantin genauso als unzulässigen Eingriff interpretieren wie eine nunmehr durchgeführte "Zweitbegutachtung von Schülerarbeiten".

Kenner - und vor allem Kennerinnen - der Oberwarter Schule beschreiben diese Sache allerdings diametral anders. Nämlich als Widerstand gegen den Versuch, eingerissene Unsitten durch eine ambitioniertere der Unternehmenskultur zu ersetzen. Die Betriebsratschefin erzählt, dass die Direktorin das auch im Anwaltsbrief angesprochene "Verbot, Schokolade zu essen" um eine "vor den Schülerinnen und Schülern" ergänzt habe. "Das ist ja immerhin eine Gesundheitsschule."

Das alles wird am Arbeitsgericht zu bereden und entscheiden sein. Was in Eisenstadt aber viele rätseln lässt, ist das Engagement des steirischen Exbrigadiers, ehemals Infanteriechef und Kommandant der Jägerschule, der Präsident des Vereins "Militärischer Fallschirmjäger Verbund Ostarrichi" , der bei den an die Luftlandung deutscher Fallschirmjäger 1941 erinnernden "Kretafeiern" beim Fallschirmjäger-Denkmal im steirischen Feldbach gern selbstkreierte Orden verleiht, die frappant an das Ritterkreuz erinnern. Oder dies gar sollen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 25.2.2013)

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