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Drei Tage nach Entdeckung der Pferde-DNA in seinen Würsten knickte der Kärntner Fleischer am Wochenende ein - und legte gegenüber den Ermittlern ein Geständnis ab: Seit eineinhalb Jahren mische er Pferdefleisch in seine "Kärntner Hauswürstl" und "Lavanttaler Bauernwurst" - und zwar, "um den Geschmack zu verbessern".
Nach Pferde-DNA in einem Wiener Kebabspieß und Pferdespuren in der Tiefkühllasagne einer Supermarktkette hat nun auch noch eine deutsche Handelskette eine Pastasauce einer Firma aus der Obersteiermark aus dem Verkauf genommen: Landena versichert zwar, bei den Produktproben bisher keine Hinweise auf Pferdefleisch gefunden zu haben, der deutsche Abnehmer Tegut will in der Sauce jedoch bei einem Fleischanteil von 20 Prozent 3,5 Prozent davon gefunden haben.
Angesichts der aufgeflogenen Pantschereien hat Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) vor dem anstehenden Agrarministerrat in Brüssel heute, Montag, erneut einen "Reisepass für Lebensmittel" gefordert, der die Herkunft der Bestandteile von Fleischprodukten auf der Verpackung offenlegen soll: "Der Konsument hat ein Recht zu wissen, woher die Zutaten stammen. Das ist Gebot der Stunde."
Dazu wird sich Berlakovich am Gipfel in einer eigenen Runde mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien beraten, weil diese Staaten bisher am stärksten vom Etikettenschwindel betroffen sind. Neben Berlakovich haben sich auch bereits Deutschlands Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Frankreichs Präsident François Hollande für eine umfassende Kennzeichnung von fertigen Fleischgerichten ausgesprochen.
Konkret fordert Berlakovich auch eine Datenbank, mit der die Bestandteile in Fertiggerichten EU-weit zurückverfolgt werden können - worauf auch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bereits gedrängt hat.
Der Skandal um als Rindfleisch getarntes Pferdefleisch müsse in der Union "die letzten verbliebenen Bremser wachrütteln", meint Berlakovich. Bisher habe es auf EU-Ebene dagegen Widerstand gegeben - und zwar " seitens der Industrie. Sie fürchtet mehr Bürokratie." Jetzt müsse sich aber etwas tun, weil: "Die Menschen sind total verunsichert." Doch hierzulande sieht man das aktuelle Engagement des Landwirtschaftsministers skeptisch, denn was die innerösterreichischen Herkunftsbezeichnungen betrifft, galt Berlakovich bisher selbst als Bremser.
Konkret verlangen SPÖ und Grüne nämlich ein staatliches Gütezeichen, das explizit Produkte ausweisen soll, die gentechnikfrei, tierschutzgerecht und nach Kriterien der gesunden Ernährung hergestellt werden. Das bereits bestehende AMA-Gütesiegel, das von der Agrarmarkt Austria vergeben wird, gilt bei Kritikern als ein von den Bauernvertretern dominiertes Instrument, das sowohl Marktordnungs- als auch Marketingaufgaben durchführt.
Grünen-Chefin Eva Glawischnig hält im STANDARD-Gespräch fest, dass sich Berlakovich "bisher stets mit Händen und Füßen" gegen strengere Herkunftsbezeichnungen gewehrt habe. Ihre Partei fordert seit Jahren, dass auf den Fleischprodukten auch die Qualität der Haltung der Tiere vermerkt werden soll, etwa wie sie gefüttert oder geschlachtet wurden. "
Eine Herkunftsbezeichnung allein ist zu wenig", meint Glawischnig. Für Fertigprodukte werden die Nahrungsmittelfirmen der Union nämlich mit riesigen Tiefkühlblöcken beliefert, in denen tausenden Tierreste aus allen möglichen Ländern eingefroren sein können, die dann in Pastasaucen und Lasagnen landen.
Im Parlament geht der Streit um Gütezeichen Mittwochfrüh weiter: Das BZÖ widmet die Aktuelle Stunde dem Fleischskandal. Titel: "Es ist uns nicht wurst, was wir essen!" (nw, APA)
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