Süd- und Nordkorea jubeln in inniger Feindschaft

  • Kurz vor ihrer Amtseinführung ließ sich Präsidentin Park Geun-hye im Hauptquartier der kombinierten Streitkräfte Südkorea-USA von Vizekommandeur Kwon Oh-sung die militärische Lage erläutern.
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    Kurz vor ihrer Amtseinführung ließ sich Präsidentin Park Geun-hye im Hauptquartier der kombinierten Streitkräfte Südkorea-USA von Vizekommandeur Kwon Oh-sung die militärische Lage erläutern.

Die verfeindeten Bruderländer haben ihren Völkern Jubeln verordnet

In Seoul wird die Amtseinführung der ersten Staatspräsidentin gefeiert, Pjöngjang zeichnet 17.000 Mitarbeiter des Atomwaffen- und Raketenprogramms aus.

Seoul/Pjöngjang/Peking – Die verfeindeten Bruderstaaten Nord- und Südkorea trennen Welten. Auch darin, zu welchen Anlässen sie ihre Bevölkerung feiern lassen. In Südkorea ist es derzeit die mit großem zeremoniellem Pomp und auch als Volksfest inszenierte Amtsübernahme der 61-jährigen Park Geun-hye. Heute, Montag, wird sie als neue demokratisch gewählte Präsidentin eingeführt. Sie ist zugleich die erste Frau an der Spitze des Staates. Zu Ehren der Tochter des einstigen diktatorisch herrschenden Präsidenten Park Chung-hee tritt als Teil des volkstümlichen Präsidentschaftsfestes, wie Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap meldet, auch der zum Weltstar gewordene Rapsänger Psy mit einem Sondergastspiel in Seoul auf.

Eine andere Art von Jubel soll für Hochstimmung bei den Menschen in der von der verminten Stacheldrahtgrenze rund 150 Kilometer entfernten nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang sorgen. Dort werden derzeit, wie  die Nachrichtenagentur KCNA schreibt, 11.592 Nordkoreaner für ihren Dienst an der Nation gefeiert. Zu Ehren des 29-jährigen Machthabers Kim Jong-un und dessen verstorbenen Vaters Kim Jong-il hätten sie mitgeholfen, Nordkoreas dritte Atombombe unterirdisch zu testen. Dafür wurden sie nun mit Geschenken und Auszeichnungen überhäuft.

Hundert Personen erhielten zudem den Titel "Held der DPRK" verliehen, wie Nordkorea offiziell heißt (Democratic People's Republik of Korea / Demokratische Volksrepublik Korea). Jeder habe auch noch die Medaille "Goldener Stern" und einen Orden erster Klasse erhalten.

5700 Raketen-Pioniere

Kurz zuvor hatte Nordkorea bereits 101 Wissenschafter und Ingenieure als Helden der Nation ausgezeichnet. Sie hätten maßgeblich an dem erfolgreichen Start einer Interkontinentalrakete im Dezember mitgearbeitet, die Nordkorea als Satellitentest kaschierte. Insgesamt belobigte Pjöngjang damals 5700 Personen, weil sie am Raketenstart mitgearbeitet hatten.

Die Auszeichnungen von zusammen mehr als 17.000 Forschern, Ingenieuren oder Arbeitern verrät auch, welche Ausgaben der verarmte, weltweit isolierte und von chronischen Hungersnöten geplagte Staat für seine Raketen- und Nuklearaufrüstung auf sich nimmt. Zugleich ist es eine trotzige Demonstration des Regimes nach außen, sich weder von Sanktionen noch von immensen Kosten von weiteren Atom- oder Raketentests abhalten zu lassen. Südkoreas Verteidigungsministerium schätzt laut Yonhap die bisherigen Ausgaben Pjöngjangs für sein Nuklearprogramm, bei einer Bevölkerung von 24 Millionen, auf mehr als umgerechnet eine Milliarde Euro, die für das Raketenprogramm auf ein Mehrfaches.

Inzwischen hat die südkoreanische Nachrichtenagentur erfahren, dass der UN-Sicherheitsrat erst im März über ein neues Sanktionspaket gegen Nordkorea als Antwort auf den Atomtest entscheiden wird. China habe sich für die Verschiebung ausgesprochen. Obwohl Peking den Atomtest scharf verurteilt, lehnt es zu harte Sanktionen ab. Zugleich möchte es als letzter verbliebener Verbündeter Nordkoreas nicht, dass die Uno einen Sanktionsbeschluss fasst, solange Südkorea seinen turnusgemäßen Vorsitz im UN-Sicherheitsrat innehat.

Die gesichtswahrende Rücksichtnahme auf Nordkorea hat Peking aber nicht davon abgehalten, die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye mit einer besonderen diplomatischen Geste zu ehren. China schickte eine hochrangige Emissärin zur Amtseinführung nach Seoul. Staatsrätin und Politbüromitglied Liu Yandong überbrachte zugleich auch einen Brief von Chinas Noch-Staatschef Hu Jintao an Südkoreas scheidenden Präsidenten Lee Myung-bak. Hu sprach darin von persönlicher Freundschaft, die beide verbinde.  (Johnny Erling /DER STANDARD, 25.2.2013)

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