Wieso Göteborg ein Kulturschock wird

Österreichs EM-Leichtathleten zeigten sich bei der Meisterschaft in guter Form. Das Dusika zeigte sich in gewohnter Form

Wien - Göteborg, wo am Donnerstag die Leichtathletik-EM beginnt, hat die Scandinavium Arena und das Konzept "All Under One Roof". Das Konzept liegt so nahe wie das Kongress-Zentrum und das imposante Gothia Towers Hotel, in dem die EM-Mannschaften untergebracht sind. Neben der Wettkampfhalle gibt's in dem gewaltigen Komplex eine Aufwärmhalle, eine Messehalle, eine Bühne für die Siegerehrungen, mehrere Restaurants.

Wien hat das Dusika-Stadion, wo am Samstag österreichische Meistertitel vergeben wurden. Im Dusika-Stadion wärmen sich die Leichtathleten im Foyer, im Stiegenhaus und in den Gängen auf. Es ist ein Glück, dass das Publikum den familiären Umfang nicht sprengt. Kämen noch mehr Menschen, müssten die Athleten beim Aufwärmen Slalom laufen. Und es ist fast ein Wunder, dass unter solchen Bedingungen Weltklasseleistungen möglich sind.

Rekord

Beate Schrott, die Olympia-Achte über 110 Meter Hürden, sprintete über die Hallendistanz (60 m) zu einem österreichischen Rekord, der sich auch international sehen lassen kann. Die Niederösterreicherin blieb erstmals unter acht Sekunden (7,96). Auf die EM, wo mit dieser Zeit einiges möglich wäre, wird Schrott dennoch verzichten, um sich in Ruhe auf die Freiluft-WM (Moskau, August) vorzubereiten. "Wäre ich öfter so schnell gelaufen, hätt ich's mir überlegt. So freue ich mich über eine gute Basis für die Freiluftsaison." Es hat sich viel getan im Leben der 24-Jährigen, seit sie in London sensationell das Finale erreichte. " Vorher hab ich meinen Sport gemacht - und aus. Jetzt soll ich sogar zu politischen Fragen Stellung nehmen."

Schrott hat lernen müssen, Nein zu sagen, gewisse Dinge gehen sich halt nicht aus. Schließlich will sie sich "weiter auf den Sport konzentrieren" , außerdem studiert sie "nebenbei" Medizin. "Das sind schon zwei sehr zeitintensive Sachen", und die Familie und den Freund gibt's auch noch. Wird Schrott auf ihre Trainingsbedingungen angesprochen, so lobt sie Weinburg bei St. Pölten, wo ihr eine Kraftkammer und eine Trainingsstätte "rund um die Uhr zur Verfügung stehen". Wien, wo sie auch manchmal trainiert, wird weniger gelobt. Schrott packt zum Beispiel nicht, "dass die Halle in den Weihnachtsferien nicht zugänglich und dass man deshalb gezwungen ist, fürs Training ins Ausland zu übersiedeln". Und während im Ausland manchmal auch für einen einzigen Sportler "extra die Trainingshalle aufgesperrt wird", verhalte sich Wien, vorsichtig ausgedrückt, "gar nicht Athleten-orientiert".

Leichtathletik-Wüste Wien

Ob etwaige Olympische Sommerspiele oder auch nur eine Bewerbung am Wiener Status quo rütteln würden? Schrott: "Da müsste sich alles um 180 Grad drehen." Schwer vorstellbar einerseits, auf der anderen Seite " vielleicht auch eine riesige Chance". Für Schrott steht freilich fest: " Das wäre sauteuer. Man braucht ja nicht nur viele große Stadien, sondern auch viele, viele Trainingsanlagen. Allein in der Leichtathletik ist in Wien praktisch gar nichts da."

Auch deshalb kann man sich auf Göteborg freuen. Vier der fünf EM-Teilnehmer holten sich noch Meistertitel ab, Andreas Vojta siegte im Dusika-Stadion über 1500 Meter, Nikolaus Franzmaier über 800 Meter, Andreas Rapatz über 400 Meter, Lukas Weißhaidinger im Kugelstoßen. Mehrkämpfer Dominik Distelberger lief über 60 Meter hinter Marco Rangl auf Rang zwei. Insgesamt waren die Leistungen überraschend gut, so zeigte die Anzeigetafel im Dusika-Stadion gleich drei Stabhochspringer an, die fünf Meter überquert hatten. Unter der Anzeigetafel hängt übrigens ein Transparent mit der Aufschrift: "Wien hat mehr. Nehmen Sie sich Zeit!" (Fritz Neumann, DER STANDARD, 25.02.3013)

  • Beate Schrott pflegt sich selbst immer wieder in Staunen zu versetzen.
    foto: apa/schlager

    Beate Schrott pflegt sich selbst immer wieder in Staunen zu versetzen.

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