Dirigent Wolfgang Sawallisch gestorben

Die Interpretationen des Deutschen glänzten durch maßvolles, ausgewogenes Musizieren

München - In den letzten Jahren wirkte Wolfgang Sawallisch - im Vergleich zu den vielen schillernden Dirigentenfiguren, die es auch gab - noch gelassener und uneitler, als man es vielleicht von einem Könner seines Ranges erwartet hätte. Aus der Gewissheit heraus, dass auch profunder Dienst am Werk abseits allzu subjektiver Allüren zu tiefem Musizieren führt, konnte Sawallisch jedenfalls zugeben, dass selbst er manche seiner Plattenaufnahmen beim Nachhören nicht gleich erkennen würde.

Der 1923 in München geborene Dirigent war jedoch alles andere als ein profilloser Advokat der Werktreue. Seine Interpretationen glänzten durch maßvolles, ausgewogenes Musizieren, sie erlangten jedoch immer wieder jene Sogkraft und Intensität, die einer Werkwiedergabe erst Leben einhauchen.

Sawallisch war ab 1953 als jüngster deutscher Generalmusikdirektor in Aachen tätig; er war 30, als er zum ersten Mal die Berliner Philharmoniker dirigierte. Und 1957 vermittelte er erstmals seine Opernansichten bei den Bayreuther Festspielen, um 1960 Chefdirigent der Wiener Symphoniker zu werden, bei denen er dann bis 1970 blieb.

Auch danach jedoch kehrte er, der 1971 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wurde und Konflikte mit Intendant August Everding ausfocht, nach Wien als Ehrendirigent zurück. Nicht zu vergessen der Pianist Sawallisch, der von 1993 bis 2003 übrigens auch Chefdirigent des Philadelphia Orchestra war: Er reüssierte auch als profund begleitender Kollege von Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf.

Wolfgang Sawallisch ist am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 25.2.2013)

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