Bronner über die Zukunft, den ORF und Erpressungsjournalismus

24. Februar 2013, 17:54
  • Paywall-Modell der NYT "nicht eins zu eins übertragbar", sagt Bronner.
    foto: standard/fischer

    Paywall-Modell der NYT "nicht eins zu eins übertragbar", sagt Bronner.

STANDARD-Herausgeber ist guten Mutes, dass das Internet Qualitätsjournalismus finanzieren kann

Wien - Oscar Bronner ist "guten Mutes". Guten Mutes, dass das Internet Qualitätsjournalismus finanzieren kann. Bisher ermöglichten die Einnahmen der Zeitung diese Qualität.

Bronner sagt das am Sonntag im Publikumsgespräch mit Peter Huemer (früher "Club 2", "Im Gespräch"). Das Stadttheater Walfischgasse hat geladen, kurz nach Bronners 70. Geburtstag im Jänner und bevor DER STANDARD in diesem Herbst seine ersten 25 Jahre feiert. Und bevor Maler Oscar Bronner im Herbst im Bank Austria Kunstforum erstmals seit der Zeitungsgründung wieder Bilder ausstellt.

Die Zukunft der Zeitung ist da abzufragen: Bronner ist nicht Medienmacher, um Papier zu bedrucken, sondern der Inhalte wegen. Er hofft, dass Zeitungen, praktisch weltweit unter wirtschaftlichem Druck, so lange Qualitätsjournalismus finanzieren, bis Onlinemedien das alleine können. Hauptgegner sei Google, der Suchmaschinenriese "saugt Werbung ab".

ORF profitierte von Paywall

Kommen Bezahlmodelle für Webinhalte, wie etwa bei der "New York Times"? Das Modell sei "nicht eins zu eins übertragbar", sagt Bronner: Nur wenige Zeitungen wirkten einem genügend großen Publikum so unverzichtbar, dass es auch im Internet bezahlt - ihm fallen da NYT, "Wall Street Journal" und "Financial Times" ein. Mit Bezahlinhalten würden Österreichs Zeitungen nur Userinnen und User zum ORF schicken, solange der gebührenfinanzierte Rundfunk Webinhalte frei anbiete.

Bronner ist übrigens "sehr an einem interessanten, unabhängigen ORF interessiert" - "das ist auch gut für Qualitätszeitungen".

Presseförderung dient laut Bronner dazu, Folgen der den Markt verzerrenden, ungehinderten Medienkonzentration zumindest zu mildern. Wo Kommunikationswissenschafter Hannes Haas nun in einem Gutachten für das Kanzleramt Qualitätsförderung verlangt, sei eine Reform aber offenbar auf nach der Wahl vertagt.

Kritik an Verlegern

In Österreich sieht Bronner heute Verleger, mit deren Methoden selbst der berüchtigte "Erpressungsjournalismus" Imre Békessys im Wien der 1920er-Jahre "nicht vergleichbar" sei. - "Und heute haben solche Verleger die Unterstützung der politischen Nomenklatura vom Bundeskanzler abwärts." (fid, DER STANDARD, 25.2.2013)

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17 Postings
Online ist die Zukunft

aber der Standard muss viel noch mehr tun um sich zu positionieren. Ich lese regelmäßig den Standard, den Guardian und die Liberation. Mit dem Guardian kann der Standard was Vielfalt der Artikel betrifft nicht mithalten. Die Franzosen sind online allgemein eher schwach im Vergleich zum internationalen Niveau. Der Guardian macht es vor wie es geht: um die 50/60% seiner Leser sind International. Warum steckt der Standard so beharrlich in der österreichischen Provinz und versucht nicht seine Reichweite über die Grenzen hinaus zu verbessern?

Für Qualitätsjournalismus würde ich schon zahlen.......

......aber die heutige online - Ausgabe ( z.B. Beitrag Frey) würde ich auch nicht
als Musterbeispiel für Qualitätsjournalismus sehen!

Schon was von....

...Meinungsvielfalt gehört ?.

event. wäre die lösung mit dem mini-payment (bis auf den cent heruntergebrochen) über netz. betrifft nicht nur medien (die so content verkauften könnten), sondern fast alles andere auch. nicht wirklich was neues, aber immer noch nicht umgesetzt. wegen der sicherheit..., langweilig. aber denke, gebe es minimini payments, würde auch schlagartig auch bei vielen im netz die qualität steigen, und das wäre wirklich gut und notwendig.

derstandard.at ist ja sehr beliebt, jedoch glaub ich nicht das soviele dafür zahlen würden.

Wenn die Online Qualitätsmedien kostenpflichtig werden, hat Heute, ORF, Österreich und Krone gewonnen.

Aber die allgemeine Qualität der Postings würde (vielleicht) wieder steigen. Für eine Qualitätszeitung ja auch ein Kriterium. mM

Oder nur mehr bezahlte Kampfposter.

muss

ich Ihnen wohl leider zustimmen.

Wie er richtig sagt ...

... der Content ist wichtig und nicht in welchem Medium. Natürlich hat jedes Medium auch seine Spezifika, aber schlussendlich muss die Qualität stimmen.

STANDARD-Herausgeber ist guten Mutes, dass das Internet Qualitätsjournalismus finanzieren kann

Ein paar aktuelle Studien zur Thematik zu durchforsten würde dem Herrn sicher nicht schaden. Dann wüsste er nämlich dass das Geschäftsmodell "Web only" im deutschsprachigen Raum und vor Allem in Österreich nicht in der Variante "Qualität" funktionieren kann und wird.

"sehr an einem interessanten, unabhängigen ORF interessiert" - da WÄRE ich auch !

.
Derzeit ist beides nicht einmal ansatzmäßig vorhanden.

Die feile Presse - pardon, die unterirdisch billige Krawallmakulatur...

... haben wir also wieder, so bunt wie banal.

Was fehlt, ist die "Fackel", um all diesen Auswurf des geistigen Flachdrucks in Schall und Rauch untergehen zu lassen.

Dr. Heinz Anderle, Karl Kraus-Verehrer und Freigeist

Die breite Fresse hat längst die freie Presse ersetzt.

Erpresserjournalimus

Die Politiker füttern das Monster in der Hoffnung, dass es sie verschont. Aber das Monster wird dadurch immer größer, und irgendwann wird es die, die es füttern, fressen.

Es geht nicht um "Verschonung", sondern um Weihrauch !

Strache, Faymann, Spindelegger sind ja nicht einmal halbe Portionen,

aber das furchtbare Monster Krone ist ja nicht einmal im Stande denen auch nur einen Arm abzubeißen - nach jeder Kampagne, wie jener für Klima oder die Abschaffung der Wehrpflicht steht die Krone da, wie Andersens Neue-Kleider-Kaiser.

Sehr richtig!

Es scheint tatsächlich so, als war Bekessi ein Waisenknabe gegen "Verleger" welche sich derzeit in Ö. wichtigmachen und Freunde des Kanzlers sind.
http://de.wikipedia.org/wiki/Imre... C3%A9kessy

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