Fall Kampusch auf der Leinwand und als Cold Case nicht zu Ende

  • Thure Lindhardt als Wolfgang Priklopil und Antonia Campbell-Hughes als Natascha Kampusch in einer Szene des Films "3096 Tage", der am Montag in die Kinos kommt.
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    foto: constantin film / olczyk

    Thure Lindhardt als Wolfgang Priklopil und Antonia Campbell-Hughes als Natascha Kampusch in einer Szene des Films "3096 Tage", der am Montag in die Kinos kommt.

Am Montag ist Kinopremiere von "3096 Tage", der Endbericht des FBI verzögert sich noch

Wien - Die Kinopremiere des Films "3096 Tage" nach dem gleichnamigen Buch von Natascha Kampusch, das ihre Zeit in der Gefangenschaft des Entführers Wolfgang Priklopil erzählt, findet wie geplant am Montag statt.

Der Schlussbericht der Evaluierung der Behördentätigkeit in diesem Fall - durch Cold-Case-Experten des FBI und Ermittler des deutschen Bundeskriminalamt (BKA) - verzögert sich indes weiter. Wie der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, dem STANDARD sagt, wolle man sich nicht mehr auf März als Zeitraum für die Präsentation des Berichtes festlegen, die einst mit Ende 2012 geplant war. "Im Frühling", so Grundböck vage.

Karl Kröll verteilt Dokumente

Grund für die Verzögerung sind immer wieder Dokumente, die nicht nur diversen Zeitungsredaktionen zugespielt werden, sondern auch den Ermittlern. Meist verteilt sie Karl Kröll, Bruder des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Chefermittlers im Fall Kampusch, Franz Kröll - der STANDARD berichtete.

Nicht immer stehen neue Dinge in den Unterlagen, die die Einzeltätertheorie widerlegen sollen. Überprüft werden muss aber "jeder einzelne Zettel, der vorgelegt wird", bestätigt Grundböck.

Nicht jeder Hinweis wurde verfolgt

Dass das jahrelang nicht passiert ist, ist Kern der Vorwürfe, die zwei Evaluierungskommissionen, dann Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Innsbruck und schließlich die Überprüfung der Experten aus dem Ausland zur Folge hatten. Denn auch in Ermittlungen Involvierte hatten kritisiert, dass weder im Jahr der Entführung 1998 noch im Jahr der Selbstbefreiung 2006 jeder Hinweis verfolgt wurde.

Wenn die neuerliche Evaluierung nun zu dem Schluss kommen sollte, dass gepfuscht wurde, muss das nicht heißen, dass der Fall neu aufgerollt werden muss.

Kampusch auf PR-Tour

Vor wenigen Tagen, an ihrem 25. Geburtstag, war Kampusch gemeinsam mit anderen ehemaligen Entführungsopfern Gast in der Talkshow von Günter Jauch. Jauch sprach Kampusch auch wegen des "Hasses der Masse" auf sie in Österreich an und zitierte aus Onlineforen der Kronen Zeitung.

Zum sexuellen Missbrauch, den der Film zeigt, fragte Jauch: "Ist das das Signal für die Öffentlichkeit: So ist es gewesen, aber lassen Sie mich bitte damit jetzt auch in Ruhe?". Kampusch dazu: "Genau so ist es." (cms, DER STANDARD, 25.2.2013)

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