Dörfler: "Den Wählerwillen kann man nicht verbiegen"

Interview25. Februar 2013, 05:30
177 Postings

FPK-Spitzenkandidat Gerhard Dörfler will nur wieder Landeshauptmann werden, wenn die FPK stärkste Partei bleibt. Sein "bewährtes Team" würde er grundsätzlich nicht austauschen

STANDARD: Treffen wir Sie heute zum letzten Mal in den Amtsräumen des Landeshauptmannes?

Dörfler: Wenn Sie Ihre Arbeit einstellen. Ich gehe davon aus, dass wir uns hier noch öfters treffen werden.

STANDARD: Was macht Sie da so sicher? Die FPK stürzt in Umfragen zweistellig ab.

Dörfler: Weil ich einfach spüre, dass die wirkliche Stimmung im Land eine andere ist als die medial und in Umfragen verbreitete. Die Kärntner Bevölkerung weiß, dass Gerhard Dörfler für Konfliktlösung steht. 1972 gab es unter Bruno Kreisky eine absolute Mehrheit im Bund und in Kärnten. Herausgekommen ist der Ortstafelsturm. Ich habe den Frieden in der Ortstafelfrage gebracht. Da habe ich sogar meine Partei unter Druck gesetzt und gesagt, ich gehe, wenn sie da nicht mitzieht.

STANDARD: SPÖ, Grüne, ÖVP und Team Stronach lehnen Ihre Wiederwahl ab, selbst wenn die FPK die stärkste Partei bleibt.

Dörfler: Was vor Wahlen gesagt wird, sind Worthülsen, Versprechungen, die keiner halten wird. Die Grünen werden in Kärnten nie einen Regierungssitz erreichen, die ÖVP zerreißt es regelrecht und für mich werben auch SPÖ-Bürgermeister.

STANDARD: Warum sollte man Sie und die FPK wieder wählen? Die Skandalliste ist lang: Korruption, Geldverschwendung, illegale Parteienfinanzierung ...

Dörfler: Welcher Skandal? Reden wir über einen konkreten Skandal. Ich möchte jetzt wissen, was die konkrete Frage ist.

STANDARD: Zum Beispiel über die Wahlbroschüre 2009. Da sind die Ermittlungen abgeschlossen und Anklagen stehen bevor.

Dörfler: Es wird auch gegen Bundeskanzler Werner Faymann oder die Minister Niki Berlakovich und Doris Bures ermittelt. Auch gegen SP-Chef Peter Kaiser. Ermittlungen sind derzeit politischer Usus.

STANDARD: Was ist mit den Valentinskonzerten ihres Landesrats Harald Dobernig, die aus Regierungsgeldern bezahlt wurden? Auch da ist schon der Staatsanwalt dran.

Dörfler: Wenn die Wiener SPÖ jährlich 1,8 Millionen Euro für das Donauinselfest abkassiert oder die Wiener Grünen und die Schwarzen je 500.000 Euro jährlich etwa für das Stadtfest oder die Wienwochen nehmen, dann ist das kein Problem. Bei uns wird ein Konzert, über dessen Sinnhaftigkeit diskutiert werden kann, zum nationalen Skandal hochgepusht.

STANDARD: Es wird auch gegen Sie ermittelt wegen Weihnachtsinseraten, Wahlkampfbroschüre, Sponsoring für Landesbauaufträge, Saualm. Ist das alles nur politisches Sperrfeuer?

Dörfler: Die Ermittlungen in der Straßenbaugeschichte haben zu nichts geführt. Das war eine Anzeige der SPÖ. Und bitte - zum Weihnachtsinserat und der Wahlbroschüre: Alles entsprach den damaligen Vorgaben. Ich habe ganze Aktenordner voller Anzeigen. Ich gehe davon aus, dass es in keinem Fall zu einer Anklage kommt.

STANDARD: Und wenn doch? Treten Sie dann aus Ihrer politischen Funktion zurück?

Dörfler: Wenn sie Gerhard Dörfler und uns, die FPK, anklagen, dann ist schon klar, dass sie auch Peter Kaiser und seine Truppe in der Topteam-Affäre anklagen müssen. Und von wegen Wirtschaftskompetenz der Roten: Die haben mit 17 Millionen Euro eine Großpleite bei der Kärntner Druckerei hingelegt, bei der auch die Hypo Alpe Adria sechs Millionen Euro verloren hat. Und dann reden da alle von ihrer neuen Parteizentrale und der Sanierung ihrer Parteifinanzen. Da wird doch alles zugedeckt und verschwiegen. Das regt mich fürchterlich auf.

STANDARD: Wer Dörfler wählt, kriegt auch den rechten Hardliner Kurt Scheuch?

Dörfler: Wer Peter Kaiser wählt, bekommt Reinhart Rohr. Mehr sage ich dazu nicht.

STANDARD: Was ist dran an Gerüchten, dass Sie Kurt Scheuch nicht mehr in die nächste Regierung holen?

Dörfler: Gar nichts. Das sind gezielt gestreute Gerüchte von meinen Mitbewerbern. So etwas kommentiere ich nicht.

STANDARD: Sie könnten ja auch Scheuch als Parteichef ablösen.

Dörfler: Nein, ich komme als Parteichef grundsätzlich nicht infrage. Ich bin Landeshauptmann für alle, und das werde ich hoffentlich auch in Zukunft sein.

STANDARD: Würde auch Harald Dobernig wieder Ihrem Regierungsteam angehören?

Dörfler: Erst sind einmal Wahlen zu schlagen, dann wird es Verhandlungen über Referatszuständigkeiten und ein Team dazu geben. Grundsätzlich sollte Bewährtes im Vordergrund stehen.

STANDARD: Bleiben Sie dabei, dass die stärkste Partei den Landeshauptmann stellen soll?

Dörfler: Natürlich. Und wenn die SPÖ stärkste Partei wird, wähle ich Peter Kaiser. Punkt. Wenn es die FPK nicht schafft, dann stelle ich keinen Landeshauptmann-Anspruch mehr. Man kann ja den Wählerwillen nicht verbiegen.

STANDARD: Wenn die FPK nicht stärkste Partei wird, bleiben Sie dann in der Politik, oder gehen Sie?

Dörfler: Da denke ich gar nicht darüber nach. Ich gehe davon aus, dass wir die Wahl gewinnen und ich weiter für das Land arbeiten darf. Um mich muss sich niemand Sorgen machen. Ich bin kein Versorgungsfall.

STANDARD: Kärnten weist den höchsten Schuldenstand aller Zeiten auf. SPÖ, Grüne und ÖVP haben sich einen Plakatverzicht auferlegt. Die FPK überzieht das Land mit einer wahren Plakatflut. Sie selbst haben gesagt, man könne die Politikergesichter nicht mehr sehen.

Dörfler: Mir hat ein Wiener Politikberater gesagt, man kann keine Wahl ohne Plakatbotschaft gewinnen, und so habe ich mich umstimmen lassen.

STANDARD: Der FPK wird Verschwendungspolitik vorgeworfen. Jetzt wollen Sie auch den Zukunftsfonds auflösen und unterm Volk verteilen?

Dörfler: Da können wir die politischen Mitbewerber der Unwahrheit überführen. Der Grüne Rolf Holub wollte 20.000 Grün-Jobs damit schaffen, die Sozialpartner sahen den Zukunftsfonds nicht in Stein gemeißelt,  und auch Peter Kaiser wollte sich da kein Denkverbot auferlegen lassen. Wenn wir mit dem Kärntner Baugeld, dem Gesundheitsgeld ein konkretes Konzept präsentieren, dann gibt es das große Aufjaulen. Politische Unwahrheiten haben kurze Beine.

STANDARD: Mit welchen Parteien würden Sie koalieren?

Dörfler: Ich schließe niemanden aus, weiß aber auch nicht, wer am 4. März noch da sein wird. Rolf Holub dürfte keinen Regierungssitz schaffen, Wolfgang Waldner wird in Rom als Botschafter seine Tränen trocknen, und Peter Kaiser passt eh besser nach Brüssel zu den Technokraten.

STANDARD: In Ihrer Heimatgemeinde wurden nur Ihre Plakate beschmiert. Tut das weh?

Dörfler: Das sind übliche Aktionen von Mitbewerbern. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Langfassung, 25.2.2013)


Gerhard Dörfler (57) übernahm 2008 nach dem Unfalltod Jörg Haiders dessen Amtsgeschäfte als Landeshauptmann von Kärnten. 2009 schaffte er es als Spitzenkandidat der Kärntner Freiheitlichen fast 45 Prozent und übertraf damit Haider.

  • Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) will auch in Zukunft nur Kärntner " Landeshauptmann für alle" sein.
    foto: standard/eggenberger

    Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) will auch in Zukunft nur Kärntner " Landeshauptmann für alle" sein.

Share if you care.