Schottischer Kardinal "unangemessenen Verhaltens" bezichtigt

Keith O'Brien soll vor 33 Jahren einem Mann nach "nächtlicher Zecherei unerwünschte Aufmerksamkeit gewidmet" haben

London/Vatikanstadt - Mehrere Priester erheben einem Zeitungsbericht zufolge schwere Vorwürfe gegen den ranghöchsten Geistlichen der katholischen Kirche in Großbritannien. Der schottische Kardinal Keith O'Brien, Erzbischof von Edinburgh und Saint Andrews, habe bei diversen nächtlichen Aktivitäten "unangemessenes Verhalten" an den Tag gelegt, berichtete die Sonntagszeitung "The Observer" über eine angebliche Beschwerde an den Vatikan. Demnach geht es um Vorkommnisse vor 33 Jahren, die drei amtierende und ein ehemaliger Priester vor der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. gemeldet hätten.

Einer der Männer wirft dem 74-jährigen O'Brien dem Bericht zufolge vor, ihm nach einer nächtlichen Zecherei unerwünschte Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Ein weiterer gibt demnach an, O'Brien habe nächtliche sogenannte Gebetstreffen veranstaltet, um unangebrachte Kontakte herzustellen und zu pflegen. Laut "The Observer" wurden die Beschwerden dem Vatikanbotschafter in Großbritannien, Antonio Mennini, eine Woche vor der Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. am 11. Februar zugestellt.

"Geheimes Schwulennetzwerk"

"Der Papst wurde über die Probleme informiert, nun liegt die Angelegenheit in seinen Händen", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi zu dem Bericht. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" hatte am Donnerstag berichtet, der Rücktritt des Papsts könne mit einem geheimen Schwulennetzwerk im Vatikan zu tun haben, das Kardinäle wegen ihrer "sexuellen Orientierung" durch Laien erpressbar mache. Lombardi wies dies in einem Beitrag für Radio Vatikan zurück und beklagte Diffamierung und Falschinformation.

O'Brien, der am 17. März 75 Jahre alt wird, soll dann in den Ruhestand treten. Er gehört zu den maximal 117 Kardinälen, die an der Wahl eines neuen Papsts teilnehmen dürfen. Mit Äußerungen zur Homosexualität verärgerte O'Brien immer wieder britische Aktivisten. Jüngst bezeichnete er gleichgeschlechtliche Ehen als "schädlich für das körperliche, geistige und geistliche Wohlergehen der Betroffenen". Am Freitag sprach er sich in der BBC allerdings dafür aus, dass katholische Priester heiraten und Familien gründen dürfen. (APA,24.2.2013)

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