Stromlobby will Chips für Kühlschränke

Mögliche Blackouts sollen so verhindert werden

Berlin - Die Stromlobby will einem Zeitungsbericht zufolge die Kühlschränke der Verbraucher in der EU per Chip steuern, um mögliche Blackouts zu verhindern. Neugeräte könnten mit einem solchen Chip ausgestattet werden, der ins Übertragungsnetz "hineinhorche", sagte Gerald Kaendler vom Verband europäischer Übertragungsnetzbetreiber Entso-e der in Bielefeld erscheinenden Zeitung "Neue Westfälische" (Samstag).

Rutsche die Frequenz unter oder über eine Schwelle der für eine sichere Stromversorgung nötigen 50 Hertz, hebe der Kühlschrank von sich aus das Kühlziel an. Dies bedeute "kein zentrales Eingreifen des Stromversorgers."

Über die Pläne, die aus einem Papier von Entso-e für die EU-Kommission hervorgehen, hatten bereits die "Stuttgarter Nachrichten" berichtet. Demnach könnten Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Gefriertruhen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten: Über eine automatische Anpassung per Chip würden sie die gefährlichen Schwankungen in den Netzen ausgleichen, die zu Stromausfällen führen könnten.

In der Elektrobranche stoßen die Pläne auf Ablehnung. "Das ist ein Eingriff in die Selbstbestimmung des Verbrauchers", sagte ein Sprecher des Herstellers von Hausgeräten der Marken Bosch und Siemens, BSH, der "Neuen Westfälischen". Die "Stuttgarter Nachrichten" zitierten einen Energieexperten der Verbraucherzentrale Bundesverband: "Wir lehnen die Pläne ab, wenn sie auf Zwang basieren." Kritisiert werden auch die zusätzlichen Kosten für den Einbau eines Chips. Entso-e-Vertreter Kaendler sagte der Zeitung, er rechne pro Gerät mit Mehrkosten im einstelligen Euro-Bereich. (APA, 24.2.2013)

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