Schavan verliert auch Ehrendoktor der Uni Kairo

24. Februar 2013, 14:08

Nach Aberkennung von regulärem Doktortitel und Rücktritt als deutsche Bildungsministerin - Dekan kündigt entsprechenden Antrag an

München/Kairo - Nach dem Verlust ihres Doktortitels verliert die ehemalige deutsche Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) auch den Ehrendoktor-Titel der Universität Kairo. Der Dekan der betroffenen Fakultät, Moataz Abdul Allah, sagte dem Magazin "Focus", er werde im März den Antrag auf Aberkennung des im Jahr 2009 verliehenen Titels stellen. "Die Entscheidung in Düsseldorf bedeutet, dass Frau Schavan auch in Kairo keinen Doktortitel tragen darf", sagte Abdul Allah.

Schavan war die erste Frau, die von der Uni Kairo den Doktortitel erhielt. Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität hatte ihr wegen Plagiaten am 5. Februar den Doktortitel entzogen, Schavan trat kurz danach zurück. Gegen den Verlust ihres Doktorgrads in Düsseldorf geht sie juristisch vor. (APA, 24.2.2013)

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22 Postings
Es war Allahs Wille ...

Also das ist ja das Ärgste. Kein Titel in Kairo. Schlimm, schlimm.

"Die Entscheidung in Düsseldorf bedeutet, dass Frau Schavan auch in Kairo keinen Doktortitel tragen darf"

Die arme Frau ... ;)

Ich finde es trotzdem eigenartig nach 40 Jahren. Reklamieren Sie mal einen Blödsinn, den sie vor 40 Jahren übersehen haben. Das ist auch ein verlogenes Spiel um eigene Schwachstellen zu kaschieren.

Ja eh - aber dass wer 40 Jahre braucht draufzukommen wirft ja nicht gerade ein gutes Licht auf die, die diese Arbeit anerkannt haben.

Selbst strafrechtlich relevanter Betrug verjährt!

Insofern ist hier eine lebenslange 'Haftung' schon etwas seltsam.

Und dann müsste man konsequenterweise die Aussteller des Doktortitels mit verantwortlich machen. Wegen mangelhafter Prüfung, was ja ihre Aufgabe ist.

Oder ist das nur, weil es jetzt eingachere Vergleichsmethoden gibt?
Wenn ja, wieso dann immer nur amtierende Politikier?

Eben - denn das wäre so als würden Sie nach 20 Jahren verurteilt, weil der Mechaniker ein falsches Teil eingebaut hat und der Schrotthändler darauf gekommen ist.

Für die Prüfer war es vor Jahrzenten sicher schwerer zu Prüfen als heute.
Damals musste man sich durch die Bücher Händisch durchackern und heute sind fast alle Bücher gescannt und leichter zu durchforschen.
So wurde es zumindest vor kurzem in N24 erklärt.
Und amtierende Politiker sind nun mal im Fokus oder wer kümmert sich um den Geschäftsmann der still seine Sacherl abwickelt.
Übrigens hat die selbe Plarform die Schavan den Gnadenschuss verabreichte bereits angekündigt die Nachfolgerin werde genauso geprüft.

Dafür wird man aber bezahlt und sollte das auch können. Die Arbeiten werden ja nicht von Maturanten beurteilt und dass so manch Professor sich einen Schmarren drum kümmert - nun ja, wie überall halt.

Prüfer war es vor Jahrzehnten sicher schwerer zu Prüfen als heute.

Sicherlich. Allerdings liegt die Verantwortung fuer den Inhalt einer Doktorarbeit immer beim Verfasser. Wenn ein Pruefer ein Plagiat nicht entdeckt, dann heisst es noch lange nicht dass die Arbeit offiziell fuer immer und ewig "abgesegnet" ist.
Und was die Nachfolgerin betrifft: bei einer Mathematikarbeit ist es sicherlich einfacher festzustellen ob sie originell ist oder nicht. Viele Doktorarbeiten halten eine exakte Pruefung auch nach Jahrzehnten aus wenn die Arbeit gewissenhaft und ehrlich durchgefuehrt wurde.

Wo haben sie ihren Doktor her?

Den sollte man vielleicht auch einmal prüfen, meinen sie nicht?

Den sollte man vielleicht auch einmal prüfen ...

Koennen Sie, kein Problem. Sie brauchen sich allerdings mein Doktorat nicht direkt anschauen, weil alle wesentliche Resultate sowieso in Fachzeitschriften publiziert wurden (und deshalb auch noch zusaetzlich durch anonymen Peer Review geprueft wurden).
Wie gesagt, in den Naturwissenschaften laufen solche Sachen ziemlich gut.

Reklamieren Sie mal einen Blödsinn, den sie vor 40 Jahren übersehen haben.

Sorry aber geschummelt ist geschummelt ob vor 40 Jahren oder heute.
Und es macht es sicher nicht besser das es die Bildungsministerin erwischte.

einen Blödsinn

Der fundamentale Unterschied ist dass ein Plagiat kein "Blödsinn" ist, den man übersehen kann, sondern bewusster Betrug und Vortaeuschung von nicht-erbrachter Leistung.

Das Störende am System ist für mich aber auch, dass du Buch füllend bereits Gedachtes wiedergeben darfst

- so lang du es nur korrekt zitierst. Über einen Neuen Gedanken ("Glaubenskriege", Diskurse, Philosophische Schulen) traut sich niemand drüber. Die Karriere ist durch emsiges Publizieren im mainstream sicherer. Am ehesten gehen Literaturarbeiten durch, die in der wissenschaftlichen Gemeinde bereits anerkanntes Wissen in anderer Zusammenstellung quasi wiederkauen (sind kein Plagiat+sind auf der "sicheren Seite"). Die Qualität im Sinne von neuer Idee, neuem Gedanken kann mit der fast unendlichen Quanität der produzierten wissenschaftlichen Textseiten nicht mithalten. Wissenschaft ist belangloser geworden, finde ich. Fundamentale (gesellschaftliche) Erneuerer erwarte ich daher eher außerhalb des regulären universitären Betriebs.

Und selbst wenn's einen eigenen Gedanken haben kann sein, dass den schon irgendwer hatte. Es ist unmöglich so belesen zu sein und alles zu kennen.

Ich habe auch schon oft eine Idee für eine Geschichte gehabt, für mich so geschrieben und dann ein Buch gekauft, wo ähnliche Gedanken, halt anders formuliert, aufgegriffen wurden. Kann natürlich sein, aber ich glaube nicht, dass alle bewusst betrügen und eben - zitiert darf alles werden. Ich habe für eine Freundin so eine Doktorarbeit eben einmal genau auf die Zitate und die richtigen Verweise durchgeackert.
Irgendwie finde ich es nach 40 Jahren trotzdem total gestört und verlogen - auch dass sie den Job als Wissenschaftsministerin machen konnte und nun plötzlich nicht mehr dazu fähig sein sollte. Irgendwann ist Berufserfahrung mehr Wert bzw. überwiegt die Ausbildung.

bereits Gedachtes

In den naturwissenschaftlichen Doktorarbeiten MUESSEN neue Forschungsergebnisse enthalten sein, die einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung eines Gebiets fuehren. Was Sie in Ihrem Posting anfuehren (z.B. "Wissenschaft ist belangloser geworden") ist nicht relevant fuer die Naturwissenschaften. Was Sie ueber Geisteswissenschaften sagen ("bereits anerkanntes Wissen in anderer Zusammenstellung quasi wiederkauen") koennte hingegen in vielen Faellen richtig zu sein.

Ich bin selbst naturwissenschaftlich ausgebildet.

Also auch da gibt es allzu oft das Gleiche in Grün. Wer es drauf anlegt, kommt mit 08/15 Versuchsreihen (gleicher Ansatz, nur andere Ingredenzien) durch. Wenn der wissenschaftliche Anspruch das innovative Element sein soll, dann ist das auch hier allzu oft bescheiden. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen - vielleicht ist Fortschritt nur in Ameisenschritten möglich. Klar gibt es dort und da auch innovative Arbeiten - aber Massenware überwiegt. Liegt vlt eher an der Qualität der Forschenden, als an jener der StudentInnen, die die UNI nach einer wissensch Arbeit wieder verlassen.

Naturwissenschaften sind aber wesentlich leichter "abzugrenzen". Das ist so ähnlich wie die Bewertung im Sport. Bei irgendwelchen Rennen, wo es um Zeit/Tore und ähnliches geht, kann man genau messen und somit eine klare "Beurteilung" machen. Bei Sportarten wie Eiskunstlauf, Turnen usw. ist es sehr verschwommen und kann einiges gebogen werden.

Naja so witzig ist das gar nicht. Manche Unis in Österreich und Deutschland sehen ihren Ehrendoktoren leider alles nach - oft schon bei der ursprünglichen Auswahl. Dass Kairo da anders ist und Unehrlichkeit bestraft finde ich gut.

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