Bahrain, eine offene Wunde für die arabischen Golfstaaten

Analyse |

Bahrain ist eine offene Wunde für die arabischen sunnitischen Golfstaaten

Die angesehene London School of Economics (LSE) hat eine Konferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Sharja, abgesagt, die am 24. Februar zum Thema "The Middle East: Transition in the Arab World" stattfinden hätte sollen: Die LSE habe die "inhaltlichen Beschränkungen, die die akademische Freiheit bedroht hätten", nicht hinnehmen können, hieß es in einer Verlautbarung. Zuvor war einem Referenten die Einreise verwehrt worden: Kristian Coates Ulrichsen hätte über Bahrain im "Arabischen Frühling" sprechen sollen: Das Thema ist in den Emiraten nicht erwünscht.

Bahrain ist eine offene Wunde für die arabischen sunnitischen Golfstaaten: Offiziell sieht man die Unruhen dort nur im Kontext des iranischen Hegemonialstrebens und der Versuche Teherans, auf der arabischen Seite des Persischen Golf zu zündeln. Das macht alle unzufriedenen bahrainischen Schiiten ganz einfach nur zu Marionetten der Islamischen Republik. Aber selbstverständlich ist die Situation viel komplexer und auch hausgemacht: Eine mehrheitliche schiitische Bevölkerung wird von einem sunnitischen Königshaus in einem sunnitischen - und teilweise stark schiitenfeindlichen - regionalen Umfeld regiert, und sie hat sich im Frühjahr 2011 den arabischen Bewegungen angeschlossen, die den Status quo nicht mehr hinzunehmen bereit waren.

Leichte politische Öffnung

Dabei wurde in den 2000er Jahren dem bahrainischen Königshaus allgemein Kredit dafür gezollt, dass es eine leichte politische Öffnung zuließ, allerdings mit einer eingebauten Glasdecke für die Opposition. Auch nach dem Ausbruch der Unruhen im Februar 2011 wurde nicht nur zugeschlagen - das allerdings hart -, sondern auch mit einem Dialogangebot reagiert. Dieses kam von Kronprinz Salman bin Hamad Al Khalifa, der jedoch rasch zurückgepfiffen wurde: Es heißt, dass der Druck dazu vorwiegend aus Saudi-Arabien kam, namentlich von im vergangenen Juni verstorbenen Kronprinz und Innenminister Prinz Nayef. Als der korrespondierende bahrainische Hardliner gilt der Premierminister, Khalifa bin Salman Al Khalifa, ein Onkel des Königs. Er ist seit 1971 (!) im Amt. Mitte März 2011 eilten Truppen aus Saudi-Arabien dem bahrainischen Königshaus zu Hilfe, auch die Emirate und Kuwait beteiligten sich. Als rechtliche Grundlage wurde der Verteidigungspakt zwischen den Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) schlagend gemacht: Das heißt, die Unruhen in Bahrain werden als Bedrohung von außen behandelt.

Wobei der Gedanke, dass der bahrainische Kronprinz durch den Dialog in die Richtung einer konstitutionellen Monarchie gedrängt werden könnte, dem Königshaus in Riad wohl mindestens ebenso unangenehm war wie die Rolle, die der Iran spielt. Die Saudis sehen in diesen Bestrebungen den Anfang vom Ende. Aber wie stark die Theorie der iranischen Verschwörung in der arabischen Welt ist, musste vor kurzem der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad bei seinem Kairo-Besuch erfahren: In der sunnitischen theologischen Hochschule Al-Azhar wurde ihm ganz kräftig der Kopf gewaschen – unter anderem wurde er aufgefordert, die Einmischung des Iran in Bahrain zu unterlassen.

Einsatz von CS-Gas

Aber das Problem in Bahrain geht nicht weg. Zum zweiten Jahrestag des Ausbruchs der Unruhen im Februar gab es zuerst die Verkündigung einer neuen Dialoginitiative, und dann wieder Zusammenstöße, bei denen mindestens drei Demonstranten getötet wurden. Ein erster Versuch einer nationalen Versöhnung war 2011 gescheitert: Den Oppositionsgruppen war eine lächerlich geringe Vertretung zugestanden worden, sie zogen sich zurück. Aber man muss zugunsten der bahrainischen Behörden ins Treffen führen, dass 2011 ein unabhängige Untersuchung der Vorfälle kommissioniert wurde, unter der Leitung des unumstrittenen ägyptischen Juristen Cherif Bassiouni. Er legte einen Bericht vor, der die Menschenrechtsverletzungen des Staates offen thematisierte - und übrigens keine Bestätigung für eine iranische Orchestrierung lieferte. König Hamad selbst nahm den Bericht entgegen.

Geändert hat sich dadurch aber nicht viel. Demonstranten - oder auch medizinisches Personal, das ihnen geholfen hat - werden streng abgeurteilt, Demonstrationsversuche brutal abgestellt. Vor wenigen Tagen meldete sich eine irische Ärzteinitiative zu Wort, die den unmäßigen Einsatz von CS-Gas – das als Giftgas im Kriegseinsatz verboten ist - gegen die Demonstranten anprangerte.

Enge Verbindungen nach Sandhurst

Bahrain verlässt sich aber nicht nur auf die Hilfe seiner Nachbarn, auch auf westliche Ressourcen wird zurückgegriffen. Ende 2011 wurden der frühere Polizeichef von Miami, John Timoney, und ein Exkommandant von Scotland Yard, John Yates, ins Land geholt, um die bahrainischen Sicherheitskräfte zu reformieren. Ihre Rolle wird von Demokratieaktivisten auf der ganzen Welt stark kritisiert. Prügeln lassen muss sich jetzt auch die berühmte britische Militärakademie Sandhurst: Nach einer substanziellen Spende zur Renovierung aus Bahrain wird nun die ehemalige "Mons Hall" - so benannt zu Ehren der Opfer der Schlacht von Mons im Ersten Weltkrieg - in "King Hamad Hall" umbenannt. Sandhurst hat auch eine hohe Geldsumme von den Emiraten angenommen, da werden wohl bald noch mehr arabische Namen an Sandhurst-Gebäuden prangen. Viele arabische Offiziere haben ihre Ausbildung in britischen Einrichtungen absolviert, aber Kritiker merken an, dass man sich nicht deswegen die eigene Geschichte - und das Bekenntnis zu Demokratie - abkaufen lassen muss. (Gudrun Harrer, derStandard.at, 24.2.2013)

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22 Postings
Wieso

macht Ihr so viel sorge über Osten? Habt Ihr gar keine Probleme in Österreich? Hier ist ales rosa - pink, ja natürlich bei bekifte Leute.

Sie haben es erfasst!
Make love not war und besser Gras rauchen als GS versprühen ist das Motto und über Leute, die das nicht so locker sehen, macht man sich halt ab und zu Gedanken.
Eine Mauer drumherum bauen und nur Erdöl raus zu uns lassen ist ja auch keine echte Lösung.

Es kommen ja auch gar nie Leute von dort zu uns,

um gelegentlich ihren Kampf für/gegen ihre echten/vermeintlichen Feinde auch hierzulande auszufechten.

immer sind die schiiten die bösen und gleichzeitig die opfer der terreorattentate.

syrien, irak, iran, afgahnistan, pakistan, bahrain, jemen.

wo bekämpft die nato eigentlich den (sunnitischen) terror? deshalb ist man doch in afgahnistan einmaschiert! um den terror zu bekämpfen. der terror is aber sunnitisch und die offizeillen feide sind schiitisch.

die nato als kettenhund für ein bischen öl.

Sicher sind die Schiiten im Regelfall, aber wo, mit Ausnahme genau des Iran und der von ihm unterstützten Hisbollah, werden die Schiiten als die Bösen dargestellt? Das ist doch die absolute Ausnahme. Nicht einmal die Alawiten um Assad

werden trotz Bürgerkriegs negativ dargestellt (eher im Gegenteil), fast alle Terrorbewegungen, um die es allgemein aktuell so geht, sind explizit sunnitisch und werden auch so beschrieben - Ansar Dine, Al Kaida, die Taliban, Boko Haram, Abu Sayyaf, die Hamas, Jemaah Islamiyah usw. Im Irak hat man seinerzeit bekanntlich ein sunnitisches Regime gestürzt und die Schiiten (weitesgehend) an die Macht gebracht.
In Europa selbst macht man sich nur um salafitisch-sunnitische Gruppen Sorgen (in Syrien unterstützt man sie allerdings tw. indirekt).
Mit den Golfstaaten muss man sich allerdings arrangieren. In Bahrain ergreift man trotz allem eher (vorsichtig) Partei für die schiitische Opposition, obwohl da mE keine Seite große Sympathie verdient.

Der Westen wird noch ganz anderes als gelegentlich einen Denkmals-Namen verkaufen,

um den Zugang zum Öl "sicherzustellen". Besonders in GB und USA hat das über ein Jahrhundert "Tradition"

Und Ihr Auto fährt im Gegensatz zu britischen und US-Autos mit Luft und Liebe von österreichischen Almen?

Um mein Auto gelegentlich vollzutanken, bin ich total einverstanden damit,

dass in weiten Gegenden der Welt die Menschen in Diktaturen leben.
Denn Demokratien würden ja nicht mit ihrem Öl handeln. Die würden bekanntermaßen ihr Öl direkt ins Meer leiten.
Besonders wichtig ist mir auch, dass mein Benzin nur über ganz bestimmte Ölfirmen aus dem Nahen Osten in meinen Tank kommt.

Während eines Bürgerkriegs oder Kriegs wird tatsächlich nicht gehandelt, da werden Fördereinrichtungen und Pipelines gesprengt und Ölquellen angezündet. Das wieder aufzubauen, würde Jahre dauern - die Folgen für die Weltwirtschaft wären inzwischen verheerend. Demokratie (wer soll die denn bitte zB in Saudi-Arabien wollen, aus dem "Frühling" in Syrien nichts gelernt?) würde ja nicht hergezaubert, sondern müsste vom Westen in einem jahrelangen Prozess mit Waffengewalt geschaffen werden, und wäre zwangsläufig, wie im Irak, Libyen und Afghanistan, ein Zerrbild ihrer selbst.

hallp?

irak, libyen und afghanistan wurden vom westen zerstört. ganz bewusst,so wie jetzt syrien, in jahrelangen prozessen
und die ölförderung funktioniert im irak sowie auch in libyen ganz normal, wie zu vorkriegszeiten.

Reportage aus Bagdad: Nur das Ölministerium brennt nicht
http://derstandard.at/1270311

Zu einem Großteil haben sich diese Länder schon selbst zerstört. Zerstörung war jedenfalls nicht die Absicht des Westens, so wie es nicht die Absicht der Saudi-Demokratisierer wäre. Aber es passiert halt.

2003 ist vielleicht nichts passiert, aber wie schlimm die Folgen sein können, hat der Kuwait-Krieg gezeigt, fast 80% der kuwaitischen Ölquellen standen in Flammen, ein Jahr lang musste unter ungeheurem Aufwand gelöscht werden (anfangs rechnete man mit 5 Jahren), hunderte Millionen Barrel gingen verloren, Natur wurde nachhaltig zerstört.
Und das stellen Sie sich jetzt bei den Saudis vor... mit 25% der weltweiten Ölreserven und einem jahrelangen Afghanistan-Szenario.
Man provoziert keine Bürgerkriege, wo es sich vermeiden lässt, schon gar ncht zündelt man aber an der Tankstelle der Welt herum, im Dienste von Islamisten. Wenn wir uns einmal aus dieser unseligen Abhängigkeit gelöst haben, sieht es vielleicht anders aus.

es war die absicht des westens, und zu welchen teil sind diese länder selbst schuld?

und 2003 ist nicht nichts passiert, da wurde ein illegaler angriffskrieg gestartet.
jede menge menschen sind gestorben! zuvor gab es sanktionen die nur diebevölkerung getroffen haben. so zerstrört man, und nichts anderes.

stellen Sie sich vor die saudis und dieusa sind engste verbündete. terror wird von saudiarabien aus finanziert! afghanistan ist eine gemeinschaftsproduktion von sa und usa, das ist fakt! islamisten im irak, libyen, syrien,kosovo und pakistan werden finanziert. und alles mit wissen der usa!
und jetzt stellen Sie sich vor... man würde den islamistischen terroristen die finanzielle basis nehmen. us truppen wären schon vor ort!

Maaacht nix, bald ist wieder Formel 1 Grand Prix

der Rubel rollt, die korrupte Elite feiert, und wir haben was zu gucken

Aus Echo der Zeit vom 22.10.2010

http://www.srf.ch/player/ra... 3fe6d87223

Bahrain hat nur 318 668 Wahlberechtigte. Trotzdem blickt die gesamte arabische Welt am Samstag mit großer Spannung auf die Parlamentswahl im Inselstaat im Persischen Golf.

http://www.tagblatt.de/Home/nach... 15116.html

2009:Schiiten in Saudi-ArabienAufstand der Ausgegrenzten

http://de.qantara.de/Aufstand-... index.html

Eine interessante Analyse, aber vergleichen wir doch die Situation zu Syrien: Wesentlich liberaleres, säkulares, minderheitenfreundliches Regime in Syrien, Einmischung von Nachbarstaaten - in Bahrein Einsatz von Giftgas, Hilfe fremder Truppen bei der Niederschlagung des Aufstandes usw. Wie wird aber über Syrien, auch in dieser Zeitung berichtet?

Syrien war und ist eine genauso üble Diktatur wie Bahrain oder Saudiarabien

Der Unterschied ist nur, dass in Syrien Teile des Widerstands gegen die Diktatur getan haben, was nun mal ein Voraussetzung für die Überwindung solcher Diktaturen ist: sie hat sich bewaffnet. Seitdem wird über den Widerstand gegen das faschistische Baath-Regime berichtet. Bis dahin war die Berichterstattung über Syrien durchaus vergleichbar zur jener über Bahrain: man wusste, dass es (außer aus der Perspektive nationaler Sozialisten) ein abscheuliches Regime war, aber berichtet wurde nur, wenn gerade wieder eine besondere Grauslichkeit vorgefallen war.

Ein weiterer Unterschied ist, dass das syrische Regime nie auch nur im Ansatz (außer bei diesem ominösen "Damaszener Frühling" auf wachsende Spannungen mit irgendeiner Form von Entlastung, und seien diese wie in den Golfstaaten, Jordanien oder letztl

Sich einzugestehen, dass man bei vielen Menschen im Volk unbeliebt ist, dass es unter der von den Geheimdiensten gesicherten Fassade gärt, dass es oppositionelle Gruppen mit potentiellem Gewicht gibt, denen man irgendwie entgegenkommen muss ... das alles ist dem syrischen Regime unbekannt.

Selbst jetzt noch, im knallharten Überlebenskampf, sind die Vermittlungsangebote des Regimes bemerkenswert zaghaft.

Das machen die monarchischen Diktatoren im nahen Osten geschickter. Sie binden die Opposition ein bisschen mit ein, stutzen sie sich aber dabei bis zur Bedeutungslosigkeit zurecht.

Wenn es mal richtig brennt, wechseln sie die Regierung aus und schmeicheln dem Volk (welches diese Spielchen durchschaut, aber recht brav mitspielt).

"was nun mal ein Voraussetzung für die Überwindung solcher Diktaturen ist: sie hat sich bewaffnet."

Ist keine Bedingung um eine solche Diktatur zu überwinden. zB die Revolution im Iran. Dort wurde der Schah vertrieben, obwohl er über eine der stärksten Armeen verfügte und das durch eine friedliche Revolution.

Unsinn! keine Staatsreligion inklusive Sittenwächter, kein Alkoholverbot, kein Handabhacken, keine Schleierpflicht für Frauen usw..... Und den Vergleich mit Nationlen Sozialiste können Sie sich auch sparen, das grenzt an Verniedlichung der Nazis!

Die Baath-Partei ist offen national-sozialistisch

Zwar teilt sie nicht den mörderischen Rassenhass der Nazis, der ja auch innerhalb des faschistischen Spektrums singulär war. Die Ideologie entspricht aber ziemlich genau jener des MSI, und auch die politische Realität Assad-Syriens ähnelt auffällig jener Mussolini-Italiens.

Genau deshalb sympathisieren ja europäische Faschisten mit Assad - inklusive jenes Teils der faschistischen Szene, der sich für links hält, weil seine Angehörigen ungebildete Proleten sind.

blödsinn

... bezeichnet die al-Qaida nahestehende Nusra-Front als die am schnellsten wachsende Rebellenorganisation in Syrien. Die syrische Al-Qaida-Filiale habe von den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt und vermeide es, unter ihrem richtigen Namen aufzutreten. Die Gruppe werde von Katar und Saudi-Arabien hervorragend bewaffnet und ......
http://www.badische-zeitung.de/nachricht... 03035.html

Saudiarabische Soldaten in Bahrain einmarschiert
Die Truppen sollen nach anhaltenden Protesten dem Königshaus beistehen und wichtige Infrastruktur sichern. Die Opposition in Bahrain verurteilt den Einmarsch als Angriff auf wehrlose Bürger.
http://tinyurl.com/a63t632
erkenne den unterschied!

Eine interessante Analyse, aber CS wird als Tränengas verwendet und zwar nicht nur in Bahrain (in einigen Ländern ist es allerdings verboten, in D und ich glaube auch in Ö allerdings nicht)). Es ist im Freien relativ unbedenklich, in größerer Konzentration oder in geschlossenen Räumen kann es allerdings auch zu schwere Gesundheitsschäden, ev sogar Tod führen.
Es ist in Kriegseinsätzen lt Wiki tatsächlich verboten, aber keines der tödlichen Senfgasderivate.

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