Biodieselanlage in Enns wird aufgelassen

23. Februar 2013, 19:57

Standort wird in Betriebslager umgewidmet

Enns - Die Biodieselanlage in Enns bei Linz soll ganz aufgelassen werden. 17 von 29 Mitarbeiter seien bereits gekündigt, der bulgarische Eigentümer werde die Veresterungsanlage im Ennshafen demontieren, um sie in rund acht Monaten in seinem Heimatwerk in Ruse an der Donau wieder neu in Betrieb zu nehmen. Das berichteten die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in ihrer Samstags-Ausgabe. Der Standort Enns bleibe demnach nur als Betriebslager mit zwölf Mitarbeitern erhalten.

Billiger Biodiesel aus Süd- und Nordamerika waren ein Hauptproblem für den bulgarischen Betreiber Bulmarket. Zwar wolle die EU gegen diese Billig-Importe vorgehen, allerdings erst nach einer Prüf-Frist von bis zu zehn Monaten. Darauf wolle Bulmarket laut Zeitung nicht warten. Am Heimatstandort Ruse, wo die Anlage wieder in Betrieb genommen werden soll, gäbe es genügend Raps und Rapsöl. Weil Arbeit und Energie billiger sind, könne man rentabel erzeugen. In Enns wurde der Betrieb mit 1. Februar eingestellt.

Bulmarket will Enns mit zwölf Mitarbeitern zu einem Vertriebs- und Lagerstandort umwidmen. Es soll eine ein Kilometer lange Pipeline vom Hafen ins Werk gebaut werden, um sich das Umpumpen in Tanklastwagen zu sparen. Von Enns aus würden dann OMV, BP, kleinere Mineralölhändler und Transporteure mit Biodiesel beliefert. (APA, 23.2.2013)

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21 Postings
Gabs hier Förderungen?

Diese Förderungen sind meist daran gebunden, dass die Anlage einen gewissen Zeitraum (meist 5 Jahre) am selben Standort verbleibt.
Vermutlich ist diese Zeit um und der clevere Geschäftsmann kann die Anlage in seine Heimat bringen und hat gleichzeitig von unseren Steuergeldern in Form von Förderungen profitiert.

Bio Bussiness

Biodiesel ist einfach Quatsch

Pro Hektar bekommt man etwa ~10 MWh Energie raus.

10 MWh entsprechen etwa 1.000 Liter Diesel, bei 5 l/100km kommt man damit etwa 20.000 km. Das heißt man benötigt ein Hektar um etwa 1-2 Fahrzeuge mit Sprit zu versorgen.... forget it.

Würde man dieses Hektar nicht bepflanzen sondern mit PV zu stellen, würde man da etwa 1.000 MWh raus bekommen..

Detail am Rande...

Ich stimme dir grundsätzlich zu.
Die 1000 MWh pro Hektar entsprechen hierzulande aber nicht der Realität, die liegt eher bei 300 bis 400 MWh/ha.
Denn es wird einiges an Platz zwischen den Modulreihen gelassen, damit sie sich auch bei tiefstehender Sonne nicht gegenseitig verschatten. Außerdem werden für solche Anlagen in der Regel nicht gerade die effizientesten Module verwendet.
Der Raum zwischen dem Modulen kann aber auch genutzt werden, z.B. als Schafweide.
http://www.ibc-blog.de/2012/11/v... um-nutzen/

Einen Bedarf an Flüssigsprit wird es immer geben, auch in 500 Jahren noch.

vor 500 Jahren ...

... hätte man vermutlich argumentiert, dass auch in 500 noch Hafer, Hufeisen und Galeerensträflinge benötigt werden würden. ;-)

In 500 Jahren wird keiner mehr mit einem Auto sondern wieder mit Pferdekutsche fahren.
Das garantiere ich Ihnen.

Stimmt grundsätzlich natürlich, aber

1. Mit PV-Strom kann man nicht autofahren
2. Biosprit aus Zuckerrohr ist auch ohne Förderung rentabel
3. Der Umstieg von Nahrungsmittelexportförderung auf Biospritförderung (in USA, EU, etc.) hat den Preisdruck von verarmten Bauern der dritten Welt genommen
4. Ohne die inzwischen 10% Biosprit-Beimengung in USA und EU wäre der Ölpreis vermutlich noch höher als heute (1999 ca. 15 USD/b, heute 100-150 USD/b)

Biosprit der 2. Generation ist der nächste Schritt. Dann steht Biosprit nicht mehr in Flächenkonkurrenz zu Lebensmittelanbau.

Nebenbei: Ackerland mit PV-Anlagen vollzustellen sollte verboten werden, es gibt genug Dachflächen. Von mir aus könnten auch zB Autobahnen mit PV-Anlagen überdacht werden, das würd nebenbei Schneeräumung sparen.

"Biosprit aus Zuckerrohr ist auch ohne Förderung rentabel"

ist das wirklich so?

und woran bemißt sich die rentabilität?

imho ist biodiesel nur mit abfallfett als ausgangsstoff gerechtfertigt. da allerdings ist die rohstoffbasis natürlich recht schmal

"und woran bemißt sich die rentabilität?"

Sie können davon ausgehen, dass die privatwirtschaftliche Zuckerindustrie Brasiliens nicht Jahrzehnte lang Verluste einfährt, seit sie (bedingt durch den hohen Ölpreis) einen stetig steigenden Teil des Zuckers in Biotreibstoff raffiniert, indem sie die Produktion auf Kosten von Rinderweiden laufend ausbaut.

Biosprit war dort (je nach Ölpreis) schon lange vor unseren Beimengungsgesetzen üblich.

Was "gerechtfertigt" ist ergibt sich aus den Regeln des Marktes.

"Mit PV-Strom kann man nicht autofahren"

-> falsch

"Biosprit aus Zuckerrohr ist auch ohne Förderung rentabel"

-> aber unmoralisch auf einem Planeten mit 1 000 000 000 hungernden menschen (jede/r siebente)

"Ohne die inzwischen 10% Biosprit-Beimengung in USA und EU wäre der Ölpreis vermutlich noch höher als heute"

-> was gut wäre, weil fossile brennstoffe zurückgedrängt würden und unsere nachkommen eine chance auf ein menschenwürdiges leben auf diesem planeten hätten

Schätzen Sie mal den km-Preis bei förderungsfreiem PV-Strom-E-Auto.

Biospritanbau in Südamerika hat vorrangig Rinderweideland gekostet. Hunger entsteht nixht durch zu wenig sondern durch zu teure Lebensmittel. Diese sind aber immer noch so billig, dass (ungeförderte) Dritte-Welt-Bauern in Armut leben müssen und auf Koka, Schlafmohn, oder legale Exportprodukte (Kaffee, Kakao, etc.) umsteigen müssen.

Biosprit IST Zurückdrängen von Öl. Sie fordern gerade das Gegenteil. Höhere Energiekosten sind für Mitteleuropa verkraftbar, für arme Regionen wirken sie verarmend!

Biosprit ist nicht das Zurückdrängen von Öl sondern das Festhalten an ihm.
Biosprit ist das Festhalten an ineffizienten Technologien. Damit wird lediglich der Fortschritt gebremst.

Ineffiziente Technologien

Welche Technologien sind aus Ihrer Sicht effizientere erneuerbare Energiequellen als Biomasse?

Bitte bedenken Sie, dass Bioenergie der 2. Generation erst in Entwicklung steht. Hier kann sogar Erdgasverflüssigung (GtL) als Brückentechnologie dienen!

Mir fällt da eigentlich nur Wasserkraft ein. Die ist aber schon weitgehend ausgebaut.
Wärmedämmung und solares Warmwasser sind auch rentabler als aus undichten Fenstern hinaus zu heizen, klar. Aber das Energieproblem haben wir vorrangig beim Verkehr, und nicht bei Raumwärme, Strom und Industrie, weil Verkehr billige und kompakte Energiespeicherung braucht.

Wieder einer, der massiv Förderungen kassiert hat und sich jetzt verabschiedet mitsamt dem Geld!

Wie wäre es mit einer Einfuhrsperre für Biodiesel aus Bulgarien?

Einfuhrsperren aus einem EU-Land? Interessant.

Wieso ? Waren doch EU Förderungen und Bulgarien ist doch ein EU Land . Oder nicht ?

Diese Anlage wurde sicher mit einer massiven Förderung als Umweltprojekt errichtet! Geld weg - Arbeitsplätze weg - Absatz für die Bauern weg! Gratulation dem Fördergeber Land!

manche meinen nach 15 minuten googeln ihrem arzt der 15 semester studiert hat die richtige behandlung erklären zu müssen.
in der energiepolitik ist die sache ähnlich, die wird ja im wesentlichen von studienabbrechern der sozologie, politikwissenschaft oder ähnlichem diktiert. (warum fällt mir schon wieder die sigrid maurer ein?)

Schon mal von Kunstfehlern gehört?

Leider reichen bei manchen Ärzten die 15 Semester (was ohnehin schon Überlänge ist!) nicht aus, um Kunstfehler der simpelsten Art zu verhindern.
Und wenn ich mir überlege, welcher meiner Bekannten aus Schul- und Studientagen heute als Arzt auf die Menschheit losgelassen ist, dann wundere ich mich nur, dass man nichr mehr über solche Fehler liest, bzw. wie gut die Vertuschung funktioniert....

Und so ist das halt in jedem Fachgebiet...

a bisserl polemisch, aber ..

.. der erste satz is mehr als wahrscheinlich, aber i glaub heimische bauern haben davon nie profitiert .. i erinner mi dunkel, dass da vo verträge mit ungarische bauern die red war, aber die machen ja jetzt streng auf 'alles muss im land bleiben' .. so so, die ham des an bulgaren verschärbelt.

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