Spanier demonstrieren weiter gegen Spardiktat

24. Februar 2013, 11:32
51 Postings

"Bürgerflut" vereint Menschen aus allen sozialen Schichten Madrid

Madrid - In Spanien haben erneut Zehntausende Bürger gegen den strikten Sparkurs der konservativen Regierung demonstriert. Allein in Madrid versammelten sich am Samstag mehrere zehntausend Demonstranten zur sogenannten "Bürgerflut", um gegen das Schrumpfen der Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit im Land zu protestieren. Die Kundgebungsteilnehmer kritisierten die milliardenschweren Hilfen der Euroländer für die spanischen Banken.

Zu der Demonstration versammelten sich in der Hauptstadt Menschen verschiedenster Berufe und sozialer Schichten zunächst an vier Orten der Hauptstadt. Anschließend zogen sie zur Plaza de Neptuno nahe des spanischen Parlaments. Dort war es im September bei Protesten zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Einige Demonstranten blockierten am Samstag zeitweise den Zugang zum Parlament, danach löste sich diese Gruppe jedoch auf. Tausende weitere Bürger kamen in anderen Städten Spaniens zu Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung zusammen, unter anderem in Barcelona, Valencia, Sevilla und Bilbao.

"Wir haben die Nase voll", sagte bei der Demonstration in Madrid Luis Miguel Herranz Fernández. Der 38-jährige Spitalsarzt kritisierte vor allem die Einschnitte im Gesundheitswesen, die zu einer sinkenden Qualität der Versorgung führten. "Wir sind hier alle zusammen: Ärzte, Feuerwehrleute, Jugendliche", fügte der Arzt mit Blick auf die versammelte Menge hinzu.

Sparkurs

Die Proteste richteten sich gegen die Politik des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy von der Volkspartei (Partido Popular/PP), der einen strikten Sparkurs fährt und mit für die Bevölkerung schmerzhaften Einschnitten innerhalb von drei Jahren 150 Milliarden Euro einsparen will. Heftige Kritik gibt es in Spanien auch an dem im Sommer 2012 vereinbarten Hilfspaket der Eurostaaten für Spanien. In dessen Zuge hat das Land Zugriff auf bis zu 100 Milliarden Euro zur Stützung seiner Banken, bisher rief es 41 Milliarden Euro ab.

Spanien leidet unter den Folgen einer 2008 geplatzten Immobilienblase. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone befindet sich seit Ende 2011 in der Rezession, die sich zum Ende des vergangenen Jahres noch einmal verschärft hat. Die Europäische Kommission sagte am Freitag auch für das laufende Jahr eine weiter schrumpfende Wirtschaftsleistung in Spanien voraus. Die Arbeitslosigkeit ist massiv auf über 25 Prozent gestiegen, bei jungen Menschen beträgt sie über 50 Prozent. (APA, 24.2.2013)

Share if you care.