Italienischer Kandidat mischt Südtiroler Volkspartei auf

Blog23. Februar 2013, 12:35
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Dass die mit dem Partito Democratico verbündete Südtiroler Volkspartei einen italienischen Kandidaten auf der Liste hat, sorgt für Diskussionen und weckt Hoffnungen auf einen Wandel im Verhältnis der Sprachgruppen.

"Ich bin aus dem reichen und gastlichen Bologna in die reiche und geteilte Stadt Bozen gezogen. Anfangs schien mir alles perfekt und geordnet. Die Grünfächen gepflegt, alle fahren mit dem Rad. Dann
ist der positive Schock ins Gegenteil umgeschlagen. Die Talfer trennt den deutschen Teil der Stadt vom italienischen, die Schulen sind getrennt, die Stellen werden nach Sprachgruppen und nicht nach
Kompetenz vergeben, auch im geförderten Wohnbau zählt die Sprachgruppe. Und warum darf ich hier erst nach vier Jahren wählen? "
 

Kein Zufall, dass Daniel aus Bologna die Webseite von Francesco Palermo gewählt hat, um seinen Unmut über die Zustände in Südtirol zu äußern. Der von der Südtiroler Volkspartei unterstützte Kandidat des Partito Democratico soll schaffen, was in Südtirol der Quadratur des Kreises ähnelt: eine zukunftsweisende Reform des Autonomiestatuts, um überholte Barrieren zwischen den Sprachgruppen abzubauen. So soll bei der Stellenvergabe in Zukunft Kompetenz  mehr zählen als Sprachzugehörigkeit, der längst obsolete ethnische Proporz soll allmählich überwunden werden. Auch über die bisher unantastbaren einprachigen Schulen darf nachgedacht werden. Palermo: "Wir müssen nach Wegen suchen, wie wir unsere Kinder unterschiedlicher Sprachgruppen in ein Klassenzimmer, in einen Pausenraum, in eine Gruppe bringen. Lassen wir die nächste Generation unverkrampft aufeinender zugehen." 

Ethische Vorurteile

Dass die Südtiroler Volkspartei im Senatswahlkreis Bozen einen italienischen Kandidaten akzeptiert hat, ist ein politischer Meilenstein, der die Sammelpartei der rabiaten Kritik der Freiheitlichen aussetzt. Dem anerkannten Verfassungsrechtler und Minderheitenxperten traut man im Minenfeld ethnischer Vorurteile und festgefahrener Klischees die Fähigkeit zu, einen erfolgreichen Dialog zur "Entrümpelung" des 40 Jahre alten Autonomiestatuts in Gang zu setzen. Dazu gehört  etwa die anachronistische Bestimmung, daß Italiener, die aus anderen Provinzen Italiens nach Südtirol ziehen, erst nach vier Jahren wählen dürfen. Ein freies Forum zur Reform des Statuts hat der 43-jährige Parteilose, der auch von Grünen und Liste Monti unterstützt wird, auf seiner Webseite bereits eröffnet. An Palermos Wahl zum Senator bestehen kaum Zweifel. Der in Innsbruck promovierte, polyglotte Jurist gilt vielen als Hoffnungsträger aud dem Weg in eine neue, zeitgemäße und zukunftsorientierte Phase der Südtiroler Autonomie. (Gerhard Mumelter, derStandard.at, 23.2.2013)

  • Es ist ein politischer Meilenstein, dass der Italiener Francesco Palermo für die Südtiroler Volkspartei antritt.
    foto: privat

    Es ist ein politischer Meilenstein, dass der Italiener Francesco Palermo für die Südtiroler Volkspartei antritt.

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