Firmen nutzen das Jobpotenzial von Praktikanten zu wenig

25. Februar 2013, 10:30
9 Postings

57 Prozent der Kandidaten können sich später einen Einstieg in ein Unternehmen vorstellen - Wunsch nach Kontaktpflege

Auf 2,6 Praktika kommen Österreichs Studenten durchschnittlich während ihrer Studienzeit. 43 Prozent aller Studierenden haben laut Studierenden-Sozialerhebung 2011 vom Institut für Höhere Studien (IHS) während ihrer bisherigen Studienzeit schon mindestens ein Praktikum absolviert. Viele machen das nicht freiwillig. Praktika sind in manchen Studienfächern Pflicht, in anderen wiederum können sie als Türöffner fungieren  - für einen späteren Job. Eine deutsche Studie, durchgeführt von Intra Worlds, stellt den Unternehmen ein schlechtes Zeugnis aus, denn: Viele vernachlässigen das Potenzial von ehemaligen Praktikanten.

Fast alle arbeiten neben dem Studium

97 Prozent der Studienteilnehmer, befragt wurden 370 Studenten, haben bereits studienbegleitend Berufserfahrung gesammelt. Im Schnitt waren es 3,3 Arbeitsstationen. Die wichtigste Arbeitserfahrung für berufliches Fortkommen wurde von 39 Prozent im Rahmen von Praktika gesammelt. Für 15 Prozent waren das Nebenjobs. Nach Branchen gegliedert rangiert der Dienstleistungsbereichauf Platz eins, gefolgt von Industrie und Handwerk und der Software- und Telekommunikationsbranche.

57 Prozent liebäugeln mit Job

80 Prozent der Studenten beurteilen ihre wichtigste Arbeitserfahrung als insgesamt gut bzw. eher gut. Am positivsten gesehen werden die Tätigkeit selbst sowie die sozialen Aktivitäten und die Zusammenarbeit im Team. Mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent der Kandidaten, können sich später einen Jobeinstieg in ein Unternehmen vorstellen, das sie im Rahmen ihrer Tätigkeiten kennengelernt haben. Nur 18 Prozent der Praktikanten können sich nicht mit der Vorstellung einer Rückkehr an die Ausbildungsstätte anfreunden.

Kontaktpflege intensivieren

Geht es nach den Wünschen der Studenten dann sollten die Unternehmen an der Intensivierung der Kontakte arbeiten. Die Diskrepanz zur Realität manifestiert sich zum Beispiel im Wunsch, den Kontakt mit dem Vorgesetzten aufrecht zu halten. Für 70 Prozent ist das ein wünschenswerter Zustand, tatsächlich geschieht das aber nur bei 43 Prozent der Teilnehmer. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Kontaktpflege mit ehemaligen Kollegen, auch die kommt zu kurz. 63 Prozent wollen Jobangebote von ihren Ex-Firmen erhalten, aber nur bei rund 20 Prozent ist dies tatsächlich der Fall. Insgesamt zeigen sich nur 14 Prozent mit dem Umgang der Firmen mit Jobkandidaten zufrieden.

Die Conclusio der Studienautoren: Firmen schöpfen das Potenzial nicht aus, das durch eine intensivere Kontaktpflege vorhanden wäre. Etwa in puncto Rekrutierung. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Betriebe über das Fehlen von qualifizierten Arbeitskräften klagen. Ehemalige Praktikanten würden sich besonders gut eignen, heißt es, weil sie mit der Unternehmensstruktur bereits vertraut sind und zudem eine hohe Motivation und Identifikation mit dem Arbeitgeber an den Tag legten. (om, derStandard.at, 25.2.2013)

  • Ein Praktikum besteht nicht nur aus Kopierdiensten, sonst würden nicht so viele eine Rückkehr ins Unternehmen anstreben.
    foto: istockphoto.com joas kotzsch

    Ein Praktikum besteht nicht nur aus Kopierdiensten, sonst würden nicht so viele eine Rückkehr ins Unternehmen anstreben.

Share if you care.