Blüten "elektrisieren" Hummeln

22. Februar 2013, 19:05
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Neuer Kommunikationskanal bei Bestäubung entdeckt

Bristol/Wien - Seit ungefähr hundert Millionen Jahren gibt es in der Natur einen gut funktionierenden Tauschhandel zwischen Insekten und Blüten: Aus der Perspektive der Pflanze wird Nahrung gegen Bestäubung eingetauscht. Damit das klappt, haben sich die Blumen allen möglichen Tricks einfallen lassen, um Bienen, Hummeln oder andere Insekten anzulocken: besondere Düfte zum Beispiel oder attraktive Farben.

Nun aber haben Forscher Daniel Robert, Professor für Bionanoforschung an der Uni von Bristol, einen weiteren Kommunikationskanal bei der Bestäubung entdeckt: elektrische Signale. Dass Insekten eher positiv geladen sind, während Pflanzen eher schwach negative Ladungen aufweisen, war der Forschung bekannt. Robert ging der Sache nach und montierte an Petunien kleine Elektroden. Tatsächlich zeigte sich, dass bestäubende Hummeln zu einer kurzzeitigen Veränderung der Ladung führt.

Funken fliegen zwar keine, wenn eine Hummel eine Blüte besucht - doch die elektrischen Felder reagieren messbar: Jedes der Tiere verändere das Feld und könne seinerseits erkennen, ob kürzlich Konkurrenten vor Ort waren, schrieben Robert und Kollegen im Fachmagazin "Science". Die elektromagnetischen Muster unterstützen nicht nur die bekannten Hinweise wie Farbe, Muster, Form und Duftstoff, welche fliegende Bestäuber anlocken, sondern geben auch weitere sachdienliche Informationen.

Das Ganze sei eine "Lehrstunde in ehrlicher Werbung", resümiert Robert: "Das Letzte, was eine Blume will, ist eine Biene anzulocken und dann keinen Nektar liefern zu können. Bienen sind nämlich gute Lerner und würden schnell das Interesse in solch unergiebigen Blumen verlieren." (tasch/DER STANDARD, 23./24. 2. 2013)

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    Bei der Kommunikation zwischen Blüte und Bestäuber sind auch elektrische Signale im Spiel.

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