Mühe mit der Tondichtung

22. Februar 2013, 18:49
posten

Die Symphoniker mit Mozart und Sibelius im Wiener Konzerthaus

Wien - Ein konventionelles Konzertprogramm, wenn man so will: Klassiker plus Rarität, früher Mozart (A-Dur Violinkonzert, das letzte seiner Fünferserie) plus relativ früher Sibelius (Lemminkäinen-Suite). Konventionelle Interpretationen folgten auf den Fuß: Bei Mozart setzte Solistin Baiba Skride auf Schlichtheit, Intimität, forcierte nie, gab die Echo-Stellen in einem flüsternden Pianissimo-Ton, der die Ohren spitz machte.

Für den langsamen Mittelsatz passt ihre lyrische Grundhaltung am besten, beim Rondeau hätte man sich mehr tänzerische Lebendigkeit, sprechender präsentierte Themen, eine deutlichere Artikulation gewünscht. Der Mozart der lettischen Geigerin war nah dran am Spieldosen-Flair, unauffällig wie die Farbe ihres Abendkleides. Skride agierte auf ihrer Stradivari kammermusikalisch: eine Spielweise, die wohl besser in den Mozart-Saal als in den Großen Saal gepasst hätte.

Mit Freude erinnerte man sich in der Pause an die Intensitäten der Aufführungsserie aller Sibelius-Symphonien, die das Symphonieorchester des Finnischen Rundfunks vor gut einem Jahrzehnt unter Jukka-Pekka Saraste hingelegt hatte. (Ja, solche interessanten Serien gab es früher mal im Konzerthaus). Sibelius' und Sarastes Landsmann Osmo Vänskä mühte sich gestisch redlich, allein, so richtig abheben wollte die Tondichtung nicht.

In deskriptiver Tonsprache gelingen Sibelius nette Effekte wie etwa der Beginn des 3. Teils, als in den Geigen heftiger Unterwelts-Wind aufzukommen scheint. Und doch, wenn man bedenkt, wie Richard Strauss in den 1890ern in seinen Tondichtungen herumzauberte ... Die Symphoniker ackerten sich brav durchs harmonisch bodenständige Werk, der eine oder andere Streicher der hinteren Pulte probierte eigene Strichvarianten. Sonst was? Applaus. (Stefan Ender, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

Share if you care.