Morscher-Kapitza: Verfahren eingestellt

22. Februar 2013, 18:38
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Keine Rechtsmittel mehr möglich

Wien – Schwerer Rückschlag für die Staatsanwaltschaft Feldkirch in einem seit Jahren geführten Verfahren, dessen Bedeutung weit über die Vorarlberger Landesgrenzen hinausgeht. Das Oberlandesgericht Innsbruck hat dem Antrag von zwei Beschuldigten, Richard Morscher und Rüdiger Kapitza, stattgegeben und das Verfahren wegen Verdachts der Untreue und der Beitragstäterschaft eingestellt. Kapitza ist Chef des deutschen Maschinenbaukonzerns Gildemeister, Morscher Gründer der Montfort Werbung. Die Behörden vermuteten, dass Morscher über seine Firma überhöhte Rechnungen stellte und sich die Profite mit Kapitza teilte. Erhärtet hatte sich der Verdacht – so glaubten die Ermittler – erst im August, als sie die Barbehebung von 1,4 Mio. Euro durch Kapitza im Beisein von Morscher bei der Hypo Vorarlberg belegen konnten. Rückenwind wurde auch durch ein gegen Morscher eingeleitetes Finanzverfahren (es geht um 11,5 Millionen) verspürt.

Doch die Erfolgsmeldungen waren verfrüht, wie sich am Freitag herausstellte. Gegen die Entscheidung des OLG ist kein Rechtsmittel möglich, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft einräumte. Das Urteil an sich wurde nicht kommentiert. Ausschlaggebend war offenbar ein neues Privatgutachten der Montfort Werbung, wonach die Budget-Umsatzquote des Unternehmens mit zwei Prozent eher gering sei. Laut OLG war der Gewinn bei einem Umsatz von 37 Mio. Euro vermutlich zwar hoch, daraus könne man aber keinen Schaden für Gildemeister ableiten.

Beim Gegengutachten der Staatsanwaltschaft kam es zu Verzögerungen, das erwartete Fertigstellungsdatum im heurigen Herbst wollte das Gericht nicht abwarten. Die Geldflüsse zwischen Morscher und Kapitza werden zwar kritisch erwähnt, aber kein hinreichender Konnex mit dem Untreueverdacht erkannt. Zudem wird bezweifelt, dass die Kontenöffnungen in Liechtenstein – dort hat Morscher zwei Stiftungen gegründet – die Verdachtslage erhärten.

Noch einen anderen Grund bringt das OLG für die Einstellung vor: die Dauer des Verfahrens seit fünf Jahren. Allerdings sehen die Ermittler den Beginn des Verfahrens erst im Jahr 2010, 2007 hatte Kapitza in Bielefeld eine Diversion erwirkt.

Morscher freute sich am Freitag über die Einstellung, nahm die Entscheidung aber auch als Anlass, um die Ermittlungen und "verleumderischen Attacken" zu kritisieren. Ein Kriminalbeamter habe eine anonyme Anzeige "selbst geschrieben". (as, DER STANDARD, 23.2.2013)

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