Cindy aus Marzahn: Pinke Prollprinzessin im Plattenbau

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Es wird schrill am Samstagabend bei "Wetten, dass...?" Es wird laut, direkt, vermutlich ordinär

Es wird schrill am Samstagabend bei Wetten, dass...? Es wird laut, direkt, vermutlich ordinär. Und hoffentlich lustig. Mit ZDF-Moderator Markus Lanz wird es allerdings nichts zu tun haben. Für frischen Wind, der in diesem Fall eher ein Orkan ist, soll seine neue Assistentin sorgen. Keine blonde, dünne Barbie wie Michelle Hunziker, sondern das genaue Gegenteil: Cindy aus Marzahn.

Sie sei schon recht "uffjeregt", hat der pinke Wonneproppen aus Berlin vorab wissen lassen. In Lanz' erster Sendung hatte Cindy ein wenig Schnupperassistenz leisten dürfen und war dabei so gut beim Publikum angekommen, dass sie jetzt dauerhaft dabei sein soll. Der Konkurrenzsender RTL, der sie großmachte, hat auch nichts mehr dagegen.

Eigentlich heißt Cindy aus Marzahn Ilka Blessin. Die 42-Jährige stammt aus einer brandenburgischen Kleinstadt. Dick, arbeitslos, perspektivlos, Bezieherin von Hartz-IV-Arbeitslosengeld - so lauteten ihre Kenndaten noch vor zehn Jahren. Also erfand sie ihr Alter Ego Cindy: dick, arbeitslos, perspektivlos, Hartz-IV-Bezieherin.

Umziehen musste Cindy allerdings, und zwar in den Berliner Bezirk Marzahn. Wenn der Name in Deutschland fällt, weiß jeder Bescheid: Es gibt dort mehr Kampfhunde als Bioläden, wer das Arbeitslosengeld im Kiosk gegen Schnaps tauscht, muss dafür nicht extra den Pyjama ausziehen.

Dort im Plattenbau lebt Cindy und lässt, wenn sie es denn schafft, sich ins TV-Studio oder auf diverse Comedy-Bühnen zu schleppen, die Deutschen an ihrem Lifestyle teilhaben. Das Motto: Peinlich ist nix.

So weiß man, dass Cindy mittlerweile "Hartz VIII" (mit Kindergeld) bezieht, in Ermangelung von tauglichen Männern gern an ihrem Geschlechtsteil herumspielt und, in pinke Trainingsanzüge gehüllt, über das TV-Programm jammert. Die Trainingsanzüge haben übrigens die Ausmaße von Zweimannzelten. Denn: Cindy hat Alzheimer-Bulimie: "den ganzen Tag fressen, aber dann vergessen zu kotzen." Und klar, wofür Hartz IV ausgegeben wird: für Schminke vom Discounter und fürs Solarium.

Vor kurzem hat sogar die New York Times Cindy ein großes Porträt gewidmet und fasziniert festgestellt, dass deren Erfolg auf Auslebung der "schlimmsten Klischees" beruhe. Viel Herz gehört auch dazu. Cindy sehnt sich nach der großen Liebe. Ein Prinz soll es sein, der sie auf sein Schloss entführt. Sie würde den Laden schon aufmischen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 23.(24.2.2013)

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