Bankkonto oder Berghütte?

22. Februar 2013, 18:05
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Grob gesagt ging es dann sechzig Minuten lang darum, wie man leben soll

Barbara Stöckl kann es nicht fassen: Der eine (Halb-)Bruder lebt ohne Strom und fließendes Wasser auf einer Schweizer Berghütte, der andere präferiert Schweizer Bankkonten. "Was ist da genetisch passiert?"

Zur Premiere des wöchentlichen Gesprächsformats Stöckl am Donnerstag auf ORF 2 begrüßte Stöckl als VIPs ("Very Inspiring People") Frank Stronachs Halbbruder Hans Adelmann, Genetiker Markus Hengstschläger, Schauspieler Karl Merkatz und Autorin Vea Kaiser als Quoten-Jugend und -Frau in Personalunion.

Zielloser Beliebigkeit

Grob gesagt ging es dann sechzig Minuten lang darum, wie man leben soll. Was können Generationen voneinander lernen, was haben die Gäste für Lebensentwürfe und Visionen? An sich sind das großartige Gesprächsthemen. In ein Talkformat gepresst, endet es allerdings in zielloser Beliebigkeit.

Hans Adelmann wird ein bisschen über seinen Bruder ausgefragt ("Hat sich das in der Kindheit schon abgezeichnet?") und erweist sich in seiner medial völlig unbedarften Gutmütigkeit als recht unbefriedigender Gast. Auch wenn man ihm Steilvorlagen gibt ("Ist er in ihren Augen ein bemitleidenswerter Mann?"), er mag über die "Gegenthese" seines Bruders partout nichts Schlechtes sagen.

Will einer der Gäste etwas Interessantes ausführen, grätscht Stöckl sowieso mit geübter Moderatorinnen-Autorität dazwischen und leitet das Gespräch flugs auf einen der anderen Gäste und/oder ein von diesem geschriebenes Buch über. So verhindert man erfolgreich jedes echte oder gar inspirierende Gespräch. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

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  • Ziellose Beliebigkeit bei Stöckl.
    foto: orf/günther pichlkostner

    Ziellose Beliebigkeit bei Stöckl.

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