Raiffeisen: Leasing-Verluste vor Gericht

22. Februar 2013, 18:18
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Die Geschäfte der Raiffeisen-Leasing-Gruppe in Italien haben ein Ausfallrisiko von 215 Millionen. Im Sektor führte der Fall zu Streit

Wien - Der italienische Markt ist für den österreichischen Raiffeisensektor zu einem superteuren Pflaster geworden. Und Grund für sektorinterne Streitigkeiten, gesellschaftsrechtliche Umbauten, Ablöse von Managern - und Gerichtsverfahren.

Anlass für all die Unbilden in der Leasinggruppe ist die italienische Tochter der Raiffeisen Leasing GmbH, die A-Leasing S.p.A und A-Real Estate S.p.A. Die einst von Antonio Mazzer geführte Leasinggesellschaft aus Treviso fuhr einen steilen Expansionskurs, geriet in die roten Zahlen und hat schon 2011 Kapital von den Eigentümern (Leasing GmbH und Raiffeisen Landesgesellschaften Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten) gebraucht. Raiffeisen-intern zog man damals diskret erste Konsequenzen und löste die Raiffeisen-Leasing-Chefs ab.

Aus dem Standard vorliegenden Unterlagen erschließt sich, dass die Leasing-Gruppe bei der Erstellung des Jahresabschlusses 2011 Patronatserklärungen von 92 Mio. Euro in den Büchern hatte - 80 Mio. allein die Raiffeisen Leasing. Sie musste 2011 rund 26 Mio. Euro für Italien rückstellen. Die Eigentümer der Italien-Tochter machten jedenfalls entsprechende Wertberichtigungen - die Aufteilung der Lasten " hat aber für äußerst emotionale und persönlich geführte Diskussionen im Sektor geführt", erzählt ein Involvierter. Das Ergebnis ist bekannt: Im vorigen Dezember übernahm die Raiffeisen Zentralbank RZB die Anteile der Landesbanken an der Leasing GmbH. Sie gehört der RZB nun zu hundert Prozent.

"Deutlicher Verlust 2012"

2012 war es nämlich noch dicker gekommen, wie sich aus dem Protokoll der Raiffeisen-Leasing-Aufsichtsratssitzung von 3. Dezember 2012 erschließt. Der "erwartete Gesamtverlust aus Italien": 215,4 Mio. Euro. Dabei geht es freilich um das "maximale Ausfallrisiko" aus Italien, darin seien auch operative Kosten der kommenden fünf Jahre inkludiert", wie ein RZB-Sprecher betont. Wie hoch der Verlust der Leasing in Italien 2012 ausgefallen ist, wisse man noch nicht. Der RZB-Sprecher: "Es geht um einen deutlichen Verlust im zweistelligen Millionenbereich." Und: "Ohne Italien wäre die Raiffeisen Leasing GmbH in den schwarzen Zahlen."

Wie die italienischen Leasing-Deals ausschauen, hat Wirtschaftsprüfer Deloitte im RZB-Auftrag per Juni 2012 analysiert. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Von offenen Krediten im Volumen von 732 Mio. Euro waren 45 Prozent notleidend; ein Zehntel davon war unbesichert. Wertberichtigungsbedarf: 90 Mio. Euro. Allerdings empfehlen die Prüfer nach Stichproben weit höhere Vorsorgen. Der Grund: "nicht sachgerechte Sicherheitenbewertung". So fehlten bei den Immobilien-Bewertungen laut Deloitte in mehr als 90 Prozent der Fälle "aktuelle externe Wertgutachten".

Alles in allem, so rechneten die Prüfer hoch, betrage das "erwartete Ausfallsrisiko 117 bis 178 Mio. Euro". Tatsächlich hat sich diese Hochrechnung nun noch erhöht.

"Konsequent sanieren"

Wie es nun weitergeht? Deloitte zeichnete vier Lösungen auf, inklusive " sofortige Liquidation" der A-Leasing. Die Entscheidung der RZB: " Konsequent sanieren und beobachten", so ihr Sprecher.

Allerdings kommen nun auch Gerichtsverfahren dazu. Ex-Italien-Chef Mazzer hat die A-Leasing vors Arbeitsgericht gebracht, die klagt ihn im Gegenzug auf Schadenersatz. Mazzer behauptet, er habe nur "als Instrument der Aufsichtsräte bzw. im Gehorsam der faktischen Geschäftsführung" der österreichischen Mutter-Gesellschaften gehandelt.

Für die Aufsichtsräte der A-Leasing, zu denen (Ex-)Chefs der Raiffeisen-Landesbanken gehören, und für Raiffeisen Leasing und RZB diskutiert man in Österreich allerdings Haftungsfreistellungen für bestimmte Leasing-Deals. Laut RZB geschieht dies aus verfahrensökonomischen Gründen. Laut Aufsichtsratsunterlagen geht es aber auch darum, "ausführliche Erörterungen über allfälliges anteiliges Mitverschulden der genannten Personen bzw. der Leasing/RZB" auszuschließen. (Renate Graber, DER STANDARD, 23.2.2013)

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    Mit dem Feiern, so wie hier beim 40. Geburtstag im Jahr 2010, ist es bei Raiffeisen Leasing vorbei.

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