Aufstieg der Roboter

Kolumne22. Februar 2013, 17:29
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Früher oder später werden uns die Arbeitsplätze ausgehen

Welche Auswirkungen die Automatisierung - der sogenannte "Aufstieg der Roboter" - in den kommenden Jahrzehnten auf Gehälter und Beschäftigung haben wird? Diese Frage stellt sich heute bei jedem Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Im frühen 19. Jahrhundert erwog David Ricardo die Möglichkeit, dass Maschinen die Arbeitskräfte ersetzen würden; Karl Marx folgte ihm. Ungefähr zur selben Zeit zerschlugen in England die Ludditen die Textilmaschinen, die sie als Ursache ihrer Arbeitsplatzverluste betrachteten.

Dann verebbte die Furcht vor den Maschinen. Bald entstanden neue Jobs - besser bezahlt, zu besseren Bedingungen und für mehr Beschäftigte. Aber das heißt nicht, dass die ursprüngliche Furcht unbegründet war. Im Gegenteil, auf sehr lange Frist muss es so kommen. Früher oder später werden uns die Arbeitsplätze ausgehen.

Für einige Länder könnten diese langfristigen Aussichten unangenehm nahe liegen. Was also bleibt zu tun, wenn die Maschinen den Menschen alle (oder fast alle) Arbeit abnehmen können?

In jüngster Zeit hat sich die Automatisierung sogar auf Regionen ausgeweitet, wo Arbeit relativ billig ist. 2011 gaben chinesische Unternehmen umgerechnet knapp eine Milliarde Euro für Industrieroboter aus. Foxconn, das iPads für Apple baut, hofft, irgendwann in den nächsten fünf bis zehn Jahren sein erstes voll automatisiertes Werk in Betrieb zu nehmen.

Inzwischen geht die Ersetzung von Arbeit durch Kapital über die Fertigung hinaus. Das banalste Beispiel begegnet einem in jedem Supermarkt, wo die Kassierer durch einen einzigen Mitarbeiter, der eine ganze Batterie von Selbstbedienungsterminals überwacht, ersetzt werden. Eine gängige Antwort auf jene, die Angst vor den Gefahren der Automatisierung für gering qualifizierte Arbeitskräfte haben, lautet, man müsse die Menschen für qualifiziertere Aufgaben schulen. Doch zehrt der technologische Fortschritt inzwischen auch die besseren Arbeitsplätze auf.

Ein vor kurzem in der Financial Times erschienener Artikel weist darauf hin, dass in zwei Bereichen - Bildungswesen und Krankenversorgung - die Technologie die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften bereits jetzt senkt. Übersetzungswesen, Datenanalyse, rechtliche Recherche - eine ganze Reihe hochqualifizierter Jobs könnte verkümmern.

Optimisten verweisen darauf, dass viele neue Arten von Jobs entstehen werden: Massendaten-Analysten etwa oder in der Robotermechanik. Für mich klingt das nicht nach besonders vielen neuen Jobs.

Wir können erste Hinweise auf diese Zukunft erkennen. Twitter - ein Gigant im Bereich sozialer Medien - ist beschäftigungsmäßig ein kleiner Fisch. Sein Wert wird auf neun Milliarden Dollar geschätzt, aber es beschäftigt lediglich 400 Menschen weltweit.

Es stimmt nicht, dass die Automatisierung den Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 2008 verursacht hat. Feststellbar ist aber, dass die strukturelle Arbeitslosigkeit im Trend seit 25 Jahren ansteigt. Es fällt uns immer schwerer, die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten. Statt zu versuchen, den maschinellen Fortschritt aufzuhalten, sollten wir uns auf jene durch mehr Freizeit geprägte Zukunft vorbereiten, die die Automatisierung uns ermöglicht. Doch dazu bedarf es zunächst einer Revolution im sozialen Denken. (Robert Skidelsky, DER STANDARD, 23.2..2013)

Robert Skidelsky ist Mitglied des britischen Oberhauses und Professor emeritus für politische Ökonomie an der Warwick University. © Project Syndicate, 2013

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