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Der Blick zurück ist manchmal notwendig, um vorwärtsgehen zu können. Es gibt Menschen, die übertreiben damit oder gehen schon weiter, während sie noch zurücksehen, das kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Aber ich will nicht schon wieder die inländische Politlandschaft betrachten.
Am 27. Februar wäre mein Vater 75 Jahre alt geworden, wenn es nach mir gegangen wäre. Aber es ging nicht nach mir, und er starb früh. Seine Werke, an denen er als bildender Künstler in Wien gearbeitet hatte, waren auch ein Versuch, sich an die neue Heimat anzunähern. Viele Themen haben ihren Ursprung in österreichischer Geschichte, auch Rembrandt, der ihn sehr inspirierte und den er erstmals im Original sehen konnte - im Kunsthistorischen Museum. Diese Werke haben mich bewusst und unbewusst in meinem eigenen Kunstschaffen mitgeprägt: Die "Masken", die "Ritter", die Jedermannfiguren.
Das verborgene Ich, weder vor noch hinter der Maske. Niederschlag fanden sie in der titelgebenden Hauptfigur meines Debütromans Spaltkopf, die von meinen Kindheitserinnerungen beeinflusst wurde. Unsere Wohnung hing nicht voller Geigen, sondern für ein Kind erschreckender Gestalten, vermummter Köpfe, aus dem Halbdunkel hervorspähender Unwesen. Unwesen, weil sie nichts oder nur verborgen Menschliches hatten, meine Fantasie den augenlosen Kopfflächen fürchterliches Innenleben einhauchte. Dunkelheit verschleierte Konkretes. Aber die Dunkelheit hatte etwas Samtiges, Tröstliches. Das Hellausgeleuchtete seines Werkes war furchterregender als das Dunkel.
Die finale Serie: ausgebleicht, spröde, ein halbbewusstes Abschiednehmen. Ein Omega. War die Kindheit geprägt durch gemeinsame Erlebnisse, Wut und Bewunderung, so riss das alles mit seinem Tod ins Nichts ab. Jetzt, 24 Jahre später, bin ich nur acht Jahre jünger als mein Vater, der für mich auf ewig 50 blieb. Jetzt bin ich Künstlerin, die auf einige Werke zurückblicken kann, die ich ihm nie zeigen konnte, ebenso wie ich Mutter einer Tochter bin, die er nie kennenlernte. Am 27. 2. wäre mein Vater Boris Rabinovich 75 geworden, und ich kuratiere seine Ausstellung im Jüdischen Museum - die erste nach vielen Jahrzehnten.
Für mich ist es eine einmalige Gelegenheit, Reverenz zu erweisen, mich den Bildern, die mich von Anfang an begleiteten, zu stellen, ihnen wieder Raum und Öffentlichkeit zu geben. Antwort auf alles, was unausgesprochen blieb. Es ist mir nicht leichtgefallen, aber auch nicht schwer. Es ist nur ein Versuch, aber ich bin gespannt auf das Ergebnis. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 23./24.2.2013)
Ausstellung von 27. 2. bis 26. 5. im Jüdischen Museum Wien, Eröffnung am 27. 2. um 18.30, mit einer Lesung von Julya Rabinowich und einer Rede von Susanne Scholl.
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PS: In diesem Satz fehlt ein Wort:Unsere Wohnung hing nicht voller Geigen, sondern für ein Kind (VOLL erg.VI)erschreckender Gestalten, vermummter Köpfe, ....
PPS: die Ausstellung schaue ich mir dennoch gerne an
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