Wien: Betrugsprozess um 100-Millionen-Dollar-Scheck

22. Februar 2013, 19:45
3 Postings

Prozess um angebliches Investment: 60-jähriger Wiener wegen schweren Betrugs verurteilt

Wien - Bei der Hypo Alpe Adria ist man ja in der Vergangenheit recht freigiebig gewesen. Aber auch für die Banker dort gibt es Grenzen. "Ich bin seit 1999 im Geschäft, aber einen Scheck in dieser Größenordnung habe ich noch nie in der Hand gehalten", erzählt Zeuge Jürgen G. im Betrugsprozess gegen Werner K. am Wiener Straflandesgericht. Die Aussage ist glaubwürdig - 100 Millionen US-Dollar sind wirklich einiges Geld.

Gefälschter Scheck

Der Grund, warum der 60-jährige Angeklagte vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Harald Kaml sitzt: Der Scheck war gefälscht. Von K., behauptet die von Marcus Böhm vertretene Staatsanwaltschaft. Eine Sichtweise, die K. und Verteidiger Peter Fichtenbauer energisch bestreiten. "Warum ich da jetzt involviert bin, verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht", moniert der Angeklagte.

Fix ist, dass es im Sommer 2007 ein geschäftliches Treffen in Wien gegeben hat. Nach K.s Darstellung wollten zwei ihm bis dahin unbekannte Schweizer Geld in eine Firma investieren, er hätte der Vermittler sein sollen. Und von den 100 Millionen Dollar ein bis 1,5 Prozent Provision bekommen sollen, erzählt er.

Scheck geplatz

Dass der Scheck von der Lance Armstrong Foundation ausgestellt war, scheint ihn nicht irritiert zu haben. Dass die Anti-Krebs-Stiftung des mittlerweile dopingbedingt weniger populären Radsportlers damals nur über ein Gesamtvermögen von 36 Millionen US-Dollar verfügte ebenso wenig. Doch was den Ankläger besonders wundert: Der Scheck war auf K.s eigenes Unternehmen ausgestellt.

Warum das so ist, kann er sich nicht erklären. Aber: Er habe mit dem Papier nichts zu tun, habe es überhaupt nicht in der Hand gehabt. Dass er auf einer Kopie allerdings handschriftlich den eigentlichen Empfänger vermerkt hat, gibt er zu. Dass der Scheck schließlich platzte, als ihn der Zeuge Hans-Jörg S. bei der Bank prüfen ließ, habe er aber gar nicht mehr mitbekommen.

Beträchtliche Summen

"Haben Sie eigentlich sonst noch Schecks über beträchtliche Summen gehabt?", will der streng verhandelnde Vorsitzende Kaml wissen. "Da verstehe ich die Frage nicht", lautet die ausweichende Antwort. "Bei Ihnen wurde ja auch ein Scheck über 20 Millionen Euro gefunden, der laut Interpol eine Totalfälschung ist?" "Den habe ich nur treuhändisch verwaltet", beteuert der einschlägig Vorbestrafte, der früher schon zu zweieinhalb Jahren unbedingt verurteilt wurde. Dem Zeugen S. mailte er auch weitere Scheckkopien über beachtliche Summen.

Dass auch diese teils auf K.s Firma ausgestellt waren, ist für das Gericht schließlich maßgeblich. Das nicht rechtskräftige Urteil: eine Zusatzstrafe von zwei Jahren. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

Share if you care.