Pech gehabt: Das "älteste geflügelte Insekt der Welt" ist gar keines

23. Februar 2013, 17:58
  • Strudiella devonica sollte eine Lücke im Stammbaum der Insekten schließen. Das dürfte sich nun erledigt haben.
    foto: universität göttingen

    Strudiella devonica sollte eine Lücke im Stammbaum der Insekten schließen. Das dürfte sich nun erledigt haben.

Die 2012 präsentierte Strudiella devonica dürfte ein Kleinkrebs gewesen sein, sagen deutsche Forscher

Göttingen - Es ist nicht das erste Mal, dass das Fossil eines Gliederfüßers fehlinterpretiert wird: Die 290 Millionen Jahre alte Megarachne sorgte lange Zeit als "größte Spinne aller Zeiten" für Grusel - mit einer Beinspannweite von gut einem halben Meter. 2005, ein Vierteljahrhundert nach ihrer Entdeckung, entpuppte sie sich aber als Eurypterid bzw. Seeskorpion, eine ausgestorbene Tiergruppe, die noch wesentlich größere Exemplare hervorgebracht hatte.

Nun scheint es das vermeintlich älteste geflügelte Insekt der Welt getroffen zu haben, die acht Millimeter kleine Strudiella devonica. Bei dem rund 360 Millionen Jahre alten Fossil, das in Belgien gefunden und im August 2012 in "Nature" präsentiert worden war, handelt es sich vermutlich um einen Kleinkrebs. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Rainer Willmann von der Universität Göttingen, veröffentlicht ebenfalls in "Nature".

Körperbau passt nicht

Bei der Erstbeschreibung seien wesentliche Teile des Fossils falsch gedeutet worden, heißt es in einer Mitteilung der Göttinger Uni. Unter anderem weise es mehr als die für Insekten typischen sechs Beine auf. Aber auch subtilere Details als die Anzahl der Beine ließen eher vermuten, dass es sich um einen während seines Zerfallsprozesses fossilisierten Kleinkrebs handelt.

So wurden organische Reste als Mundwerke und Augen interpretiert, für die es nach Ansicht der Göttinger Wissenschafter aber keine überzeugenden Hinweise gibt. Darüber hinaus sind keine Flügelreste erhalten – die ursprünglichen Beschreiber des Fossils hatten es als noch ungeflügelte Larve eines im Erwachsenenstadium geflügelten Tieres beschrieben.  (red, derStandard.at, 23. 2. 2013)

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10 Postings
Das klingt...

...dramatischer als es ist, angesichts der Tatsache, dass die Insekten womöglich in der Gruppe der Krebse eingettet sind - d.h. salopp gesagt, es sich bei ihnen um "geflügelte Krebse" handelt. Ziemlich sicher ist wohl, dass manche Krebse untereinander weitschichtiger verwandt sind, als manche Krebse zu manchen Insekten. Also nahezu ein lässlicher Fehler der hier begangen wurde. Vieleicht sogar ein Tier dass dem Vorfahren der Insekten sehr nahestand?

oops.

dass->das

"die acht Millimeter kleine Strudiella devonica"

Schon komisch, ich stell mir die ausgestorbenen Lebewesen immer sehr gross und mit Säbelzähnen vor. VSo eine prähistorische Fliege, 8 cm und mit 2 cm Säbelzähne, wäre auch echt beeindurckend.... ;-)

Fliegen haben keine Zähne zondern einen Nuk

Ist natürlich profan,

aber wenn ich eine 2 cm Bisswunde habe, ist's mir wurscht, wie das Ding heißt.

ach, das ist ja nur knapp daneben.

auch megarachne ist nur eine harmlose fehlinterpretation gegenüber aachenosaurus, dem einzigen saurier, der aus holz ist.

Kannte ich auch noch nicht,...

...scheint aber ein interessantes Detail "Wissenschaftsgeschichte" zu sein, insbesondere, wenn man sich den "Umgangston" in Publikationen Ende 19.Jhd. anschaut; da findet man Sätze wie etwa:
"[Smets (der "Erstbeschreiber")] ...followed the Old Bailey maxim, that when you have no case, the only thing left is to abuse the plaintiff and all connected to him."
http://blogs.smithsonianmag.com/dinosaur/... -dinosaur/
oder:
"A plate, so rudely executed as to be utterly worthless,..."
http://journals.cambridge.org/action/di... 6800189058
(Leider nur die erste Seite)

der zusätzliche witz an der sache ist noch die namensgebung...

dadurch steht aachenosaurus in den listen aller jemals aufgestellten dino-genera an erster stelle...

Klassisches Nomen dubium

Wobei der Name ja aufgrund des Fundortes Aachen vergeben wurde. Ein dummer Zufall in mehrfacher Hinsicht...

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