Rom: Tiefe Rezession überschattet Wahlen

22. Februar 2013, 16:07
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Chronische Wachstumsschwäche belastet Aussichten auf Aufschwung im laufenden Jahr

Rom - Tiefe Rezession und kein Licht am Ende des Tunnels: Düstere Wirtschaftsaussichten überschatten die Parlamentswahlen am kommenden Sonntag und Montag in Italien. Nach schmerzhaften Steuererhöhungen und Einsparungsmaßnahmen steckt das Land in der längsten Krise seit 20 Jahren. Sie schmälert die Chancen auf ein gutes Abschneiden von Ministerpräsident Mario Monti bei der Wahl. Er wollte mit Reformen und Sparprogrammen das Land aus der Krise führen. Seine politischen Gegner versprechen dagegen Steuersenkungen im Falle eines Wahlsieges. Sowohl das Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani als auch das rechte Lager von Montis Vorgänger Silvio Berlusconi wollen den harten Sparkurs beenden.

Die rigorose Sparpolitik der Regierung Monti in den vergangenen Monaten habe zwar die Finanzmärkte beruhigt, aber zugleich gravierende Auswirkungen auf das Wachstum gehabt, kritisiert der Industriellenverband Confindustria. Analysten gehen davon aus, dass die Rezession erst in der zweiten Jahreshälfte enden wird.

"Wichtig für den Neustart der Wirtschaft ist, dass die Sorge wegen der internen politischen Situation überwunden wird. Italien braucht eine solide Mehrheit, die sich für Reformen und Wachstum einsetzt", betont immer wieder Industriellenchef Giorgio Squinzi. Damit könne man bei Unternehmern und Konsumenten neues Vertrauen schaffen. Mehrere Wirtschaftsbranchen, darunter die Bauindustrie, würden weiterhin schwach bleiben. Dafür seien stützende Maßnahmen dringend notwendig, fordert Confindustria.

Chronische Schwäche

Italiens Wachstumsschwäche ist chronisch. Das Bruttoinlandsprodukt legte schon von 2001 bis 2011 im Schnitt nur um kümmerliche 0,25 Prozent zu. Damit belegt Italien nicht nur den letzten Platz in der EU, sondern auch unter den 20 größten Industrie- und Schwellenländern sowie unter den 34 Mitgliedstaaten der Industriestaaten-Organisation OECD. Ein Grund dafür: Nur fünf Prozent der Exporte gehen in die asiatischen Wachstumsmärkte. Der dortige Boom geht also weitgehend an Italien vorbei.

Die Bankenvereinigung ABI rechnet mit einem weiteren schwierigen Jahr und kündigte eine Revision der Prognosen für 2013 nach unten an. Bisher war der Verein noch von einem BIP-Rückgang von 0,6 Prozent im ersten Quartal 2013 ausgegangen. Auch die Zahl der Kredite, die Familien und Unternehmen gewährt werden, war im Jänner rückgängig. Dabei kam es zu einem Minus von 3,26 Prozent, Ende 2012 war bereits ein Rückgang von 2,5 Prozent verzeichnet worden. Italien erlebte sein sechstes Quartal Rezession in Serie.

Die schwere Rezession in Italien wirkt sich auf dramatische Weise auf die Beschäftigung aus. Neun Millionen Italiener haben sich 2012 mit beruflichen Problemen auseinandersetzen müssen. Die Zahl schließt Arbeitslose, Arbeitnehmer auf Kurzarbeit und Beschäftigte mit unsicheren Arbeitsverhältnissen mit ein, geht aus Schätzungen des Gewerkschaftsverbands CGIL hervor. Damit werde 2012 als "Annus Horribilis" für Italiens Beschäftigung in Erinnerung bleiben, berichtete CGIL-Sprecherin Serena Sorrentino.

Höchststand bei Arbeitslosigkeit

Allein im letzten Quartal 2012 seien fast 200.000 Jobs verloren gegangen. Die Zahl der offiziellen Arbeitslosen betrage 2,875 Millionen Menschen, das sei der höchste Stand der letzten zwei Jahrzehnte. Ein Viertel aller Arbeitslosen in Europa sind Italiener. Das Land zähle zu Europas Schlusslicht, was die Beschäftigung der Jugendlichen betrifft. Die Jugendarbeitslosigkeit, die einen Stand von über 35 Prozent erreicht habe, sei eine Plage für Italien.

Laut den italienischen Gewerkschaften ist das Phänomen der Arbeitslosigkeit und der Unterbeschäftigung in Italien noch gravierender als aus offiziellen Statistiken hervorgeht. Die Zahl der entmutigten Langzeit-Arbeitslosen, die auf die Suche nach einem Job verzichtet haben, sei ständig im Wachsen. (APA, 22.2.2013)

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    Die schwere Rezession wirkt sich dramatisch auf die Beschäftigung aus. Neun Millionen Italiener haben sich 2012 mit beruflichen Problemen auseinandersetzen müssen.

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