Magnet-Puls lässt Zugvögel ihre "Karte im Kopf" verlieren

27. Februar 2013, 19:21
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Deutsche Ornithologen fanden bei Rotkehlchen Hinweise darauf, dass die Orientierung nicht zuletzt Erfahrungssache ist

München - Vieles Grundlegende zum Magnetsinn, den Zugvögel zur Orientierung nutzen, ist noch ungeklärt - etwa ob das entsprechende Sinnesorgan im Schnabel, im Auge oder auch im Gleichgewichtsorgan der Vogelohren angesiedelt ist. Hinweise darauf, dass er die Tiere im Lauf ihres Lebens eine Art magnetische Landkarte erstellen lässt, liefert nun aber ein Experiment, von dem die Max-Planck-Gesellschaft berichtet.

Wissenschafter am Max-Planck Institut für Ornithologie haben untersucht, welchen Effekt ein magnetischer Puls auf die Orientierungsfähigkeit wilder Rotkehlchen hat. Sie haben die Tiere an einem Rastplatz während des Vogelzuges mit kleinen Radiotransmittern versehen. So konnten sie feststellen, in welche Richtung sie ihre Reise nach der Puls-Behandlung fortsetzen. Die Forscher unterschieden dabei zwischen älteren Vögeln, die schon einmal migriert waren und jüngeren, denen die erste Wanderung gerade bevorstand.

Wie sie herausfanden, zogen die erwachsenen Vögel nach der Behandlung sehr viel öfter in die falsche Richtung los, als die Tiere der Kontrollgruppe, die einem nicht-magnetischen Puls ausgesetzt waren. Am stärksten trat dieser Effekt bei Vögeln auf, die innerhalb von zehn Tagen nach der Behandlung losflogen. "Der Puls hat wohl die magnetischen Karten der Rotkehlchen zurückgesetzt", mutmaßt Richard Holland. "Sie mussten sich deshalb auf andere Umweltinformationen verlassen und verflogen sich dann." Jungvögel hingegen, die sich auf ihrer ersten Wanderung befanden und noch keine Karte im Kopf haben konnten, wurden nicht beeinträchtigt. Der Magnetsinn der Rotkehlchen wird demnach maßgeblich durch die Erfahrungen beim Vogelzug beeinflusst. (red, derStandard.at, 28. 2. 2013)

  • Für das Experiment musste zwischen Jungvögeln und erwachsenen Tieren mit Migrationserfahrung unterschieden werden. Das Alter wurde anhand der Flügelgröße bestimmt.
    foto: mpi für ornithologie, radolfzell

    Für das Experiment musste zwischen Jungvögeln und erwachsenen Tieren mit Migrationserfahrung unterschieden werden. Das Alter wurde anhand der Flügelgröße bestimmt.

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