"Arte für alle": Gauck wünscht sich europäischen Fernsehsender

22. Februar 2013, 16:00
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In einer Grundsatzrede fordert der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck eine "gemeinsame Erzählung" und eine gemeinsame Sprache (Englisch) für die EU. Die "europäische Agora, ein gemeinsamer Diskussionsort für das demokratische Miteinander", dieser Versammlungsort aus dem antiken Griechenland, könnte heutzutage ein europäischer Fernsehsender sein. Eine "europafördernde Innovation", schwebt Gauck vor, "etwas wie Arte für alle".

Einen "Multikanal mit Internetanbindung für Junge und Erfahrene, für Onliner und Offliner, für Pro-Europäer und Skeptiker" wünscht sich der deutsche Bundespräsident in der Medienlandschaft. Seine Programmvorstellungen: "Dort müsste mehr gesendet werden als der Eurovision Song Contest oder ein europäischer Tatort. Es müsste zum Beispiel Reportagen geben über Firmengründer in Polen, junge Arbeitslose in Spanien oder Familienförderung in Dänemark. Es müsste Diskussionsrunden geben, die uns die Befindlichkeiten der Nachbarn vor Augen führen und verständlich machen, warum sie dasselbe Ereignis unter Umständen ganz anders beurteilen als wir. Und in der großen Politik würden nach einem Krisengipfel die Türen aufgehen und die Kamera würde nicht nur ein Gesicht suchen, sondern die gesamte Runde am Verhandlungstisch einblenden." 

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Diese Agora wäre ein Korrektiv, "wenn nationale Medien in nationalistische Töne verfallen und ohne Sensibilität oder Sachkenntnis über die Nachbarn berichten", sagt Gauck. Von Medienkonzernen, die mit Beilagen oder Schwerpunktthemen die "europäische Öffentlichkeit schon zu stimulieren versuchen" wünscht er sich "bitte mehr davon". (sb, derStandard.at, 22.2.2013)

Links

bundespraesident.de: Rede im Wortlaut

mediathek.daserste.de: Video

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