Richtlinien, Obergrenzen, werden unumgänglich

Kommentar25. Februar 2013, 10:33
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Zur Bewertung von Arbeit und Leistung - Von Helmut Kasper von der WU

"Alle leisten nach ihren Fähigkeiten, jeder erhält nach seinen Bedürfnissen." (Friedrich Engels)

Dies war, ist und bleibt Illusion. Es wäre ja zu schön, wenn sich CEOs, die ohnedies reichliche Grundausstattung an Entlohnung erhalten, bei ihren Gehaltsansprüchen selbstorganisierend - als Verantwortliche von Unternehmen - selbst die Messlatte für ihre Leistungen angemessen legen würden. Gerichtsprozesse, Parlamentsausschüsse und Veröffentlichungen von Bonis, Stock-Options etc. zeigen genau das Gegenteil. Die Irrwege, die das Wirtschaftssystem in Bezug auf die Entlohnung von Topführungskräften geht, sind nicht mehr nachvollziehbar und irrational.

Schon klar, dass Führungskräfte angemessen entlohnt werden sollten, aber sie sollten vor allem die eigene Entlohnung durch variable Anteile nicht mitgestalten. Klar ist, dass sie nicht für "Anwesenheit" entlohnt werden, sondern für Wissen, Strategisches Management, organisationale Designs und für Marketing- und Verkaufsstrategien.

Wie wird der Erfolg bewertet? Das Gesellschaftssystem bewertet und reglementiert höchst unterschiedlich: Die Belegschaft werden nach Branchen-KV entlohnt, aber an den unteren und obersten Teilen "spielt es sich ab". Unten: geringfügig Beschäftigte, Leiharbeiter, Projektmitarbeiter, Praktikanten, befristet Beschäftigte werden in wahrsten Sinne des Wortes geringfügig "entlohnt". Und ganz oben in der Hierarchie? Summen, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind.

Führungskräfte benötigen ein "Dreamteam"

Die Systemirrationalität zeigt sich vor allem dort, wo Boni selbst dann bezahlt werden, wenn die Unternehmung Verluste einfährt. Und variable Anteile von absurd hohen Summen sind bisweilen an Kriterien geknüpft, die ein unternehmerisches Risiko und Schöpfertum nicht mehr zulassen. Vielmehr orientiert man sich an den Vorgaben und an den Bonusgrenzen. Da sich das System nicht selbstorganisierend angemessene Entlohnungen zuweist, werden wohl - ähnlich wie im Finanzsystem - auch in Wirtschaftssystemen internationale und nationale Richtlinien unumgänglich werden bis hin zur Fixierung von Ober- und Untergrenzen.

Unsere derzeitige Gesellschaftsformation bewertet Arbeit und Leistung sehr unterschiedlich. Führungskräfte allein sind aber nichts. Sie benötigen für ihren Erfolg ein "Dreamteam" - das sie aussuchen und für das sie verantwortlich sind. Sie benötigen den Kontext. Nicht nur visionäre, transformationale Manager sind gefragt, sondern die Systempassung von Führungskräften und Mitarbeitern. Anders geht es nicht. Führungskräfte sind keine Solosänger, sondern Dirigenten eines qualitativen Solistenorchesters, das sehr gut zusammenspielen sollte. Und dafür sollten auch die Mitarbeiter angemessen und relational zur Topführungskraft entlohnt werden. (Helmut Kasper, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

Helmut Kasper ist Vorstand des Instituts für Change Management und Management Development an der WU Wien.

  • Helmut Kasper ist Vorstand des Instituts für Change Management und Management Development an der WU Wien.
    foto: christian fischer

    Helmut Kasper ist Vorstand des Instituts für Change Management und Management Development an der WU Wien.

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