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vergrößern 750x1125Carl (4) trägt Selbstgemachtes von seiner Mama.
vergrößern 750x1125Carl mit DIY-Spielzeug aus Packpapier und Gaffa-Band, Haube und Socken sind selbstgetrickt.
vergrößern 750x849Carl mit Fuchsschwanz und Heimwerkerbrille. Der Pullover stammt aus der Kollektion seiner Mama.
vergrößern 750x837Auch diese bunte Eigenkreation stammt von Carls Mama.
Angefangen hat es mit einem Verhau: Weihnachten 2005 waren die Berliner Claudia Helming und Michael Pütz auf der Suche nach einem persönlichen und einzigartigen Geschenk für ihre Freunde und Familien. Sie versuchten es damit, russische Matroschka-Puppen selbst zu bemalen. "Das Ergebnis war leider nicht herzeigbar", erzählt Helming. "So kamen wir auf die Idee, ein Angebot für Menschen zu schaffen, die etwas Kreatives und Individuelles verschenken möchten, selbst aber nicht das Talent oder die Zeit dazu haben."
Ein paar Monate später gab es DaWanda, einen virtuellen Marktplatz für Selbstgemachtes. Hobbydesigner oder -bastler, Semiprofessionelle und Profis können hier ihre handgefertigten Produkte - von der Strickmütze bis zum selbstgezimmerten Schaukelbett - verkaufen. Helming und ihr Kollege Pütz schneiden bei jedem Verkauf mit fünf Prozent mit.
Heute, sieben Jahre später, hält DaWanda bei zwei Millionen Mitgliedern, 170.000 Hersteller bieten auf dem Online-Portal ihr Handgemachtes feil. Jede Minute geht ein Kleidungsstück über den virtuellen Ladentisch, alle 30 Sekunden ein Accessoire, alle 20 Sekunden ein Schmuckstück. Jahresumsatz: neun Millionen Euro. Das US-Pendant Etsy, gegründet 2005, scheffelt inzwischen kolportierte 600 Millionen Dollar mit den Handmade-Artikeln seiner 500.000 Verkäufer. Und ist gerade auf Eroberungstour in Europa. Dass Handarbeit gestern war, war gestern.
Nach London, Paris oder Berlin ist die Selbermachwelle auch in Österreich angekommen. In Wien haben seit 2010 mehrere Näh- und Strickcafés aufgemacht. Interessierte können hier in Kursen das Abc der Handarbeit erlernen oder ihre Ideen in Eigenregie an den Nähmaschinen oder mit Stricknadeln umsetzen.
Neuerdings lädt auch Sonja Völker in ihrem Herzilein-Geschäft in der Wiener Amerlingstraße an die Nähmaschinen. Drei Stunden Nachhilfe gibt es in ihrer Stoffwerkstatt um 49 Euro, Cappuccino inklusive. Begonnen hat die Gründerin des Kindermode-Labels mit ein bisschen Nähen für ihre eigenen Kinder. Jetzt verkauft sie ihre Kreationen in drei Geschäften in bester Wiener Lage. Und ist zu einer Art Vorzeige-Selbermacherin avanciert. "Ich glaube, die Leute haben es einfach satt, immer dasselbe anzuhaben", meint die gelernte Volksschullehrerin.
Tatsächlich ist der aktuelle DIY-Boom auch als Gegentrend zum Massenkonsum zu verstehen. Kam in den 1980ern und 1990ern die winterfeste Wollsocke eher von der Oma, treffen sich heute Mittzwanzigerinnen zur gemeinsamen Strickrunde, im Kaffeehaus oder daheim. Individualismus und Kreativität, Spaß und Eigeninitiative sind angesagt, Stangenware out. Man will nicht nur konsumieren, sondern mitgestalten. Denn die Grenzen zwischen Produzent und Konsument lösen sich zunehmend auf: "Der sogenannte Prosument ist nicht nur emotionaler, sondern auch kreativer und partizipativer. Er ist Hersteller und Nutzer gleichermaßen", erklärt Franziska Steinle vom Zukunftsinstitut.
"Do it yourself" ist zum fixen Bestandteil der Alltagskultur vieler Menschen geworden. Dabei ist die Idee des Selbermachens gar nicht so neu. In den 50er-Jahren in England entstanden, hat sich die DIY-Bewegung in den 60ern und 70ern schnell auch auf dem Kontinent fortgepflanzt. Aus eigener Kraft etwas zu verändern und Misstrauen gegenüber industrieller Produktion waren auch damals typisch für die DIYisten.
Neu ist das Internet als Motor für die Handmade-Welle von heute. Virtuell wird ge- und verkauft, siehe DaWanda und etsy. Und es werden Anleitungen, Tipps und Ideen getauscht, wie auf der Strick-Plattform ravelry, auf Youtube, auf der eigenen Homepage, dem eigenen Blog. Online machen sich Guerilla-Knitterinnen ihre Aktionen aus, bei denen Laternenpfähle und Denkmäler eingestrickt werden, um die als weiblich geltende Heimarbeit ins Stadtbild zu bringen. Oder man macht einen Jelly - einen spontanen Work-Flashmob. Via Social Media wird in eine Wohnung, ein Büro oder Café eingeladen, zur gemeinsamen Handarbeit. Und das womöglich zeitgleich in Wien, Berlin, Budapest und Belfast. Denn DIY ist international.
Das zeigt auch das Selbermachprojekt der Wienerin Dolores Wally. Als Mutter zweier Töchter hatte die ehemalige Modeschülerin irgendwann die Nase voll von den gängigen Elternmagazinen Quasi über Nacht gründete sie ihr kleinformat, ein Printmagazin für kreative Eltern. Motto: "Lässig leben mit Kindern". In dem handlichen Heftchen bringt die 40-Jährige zu Papier, was sie online in ihren Lieblingsblogs zum Thema Kinder und Selbermachen so aufstöbert.
Zum Beispiel eine Kinderschaukel zum Selbernähen von Pinja aus Finnland oder ein selbstgebasteltes Kinderzelt von Rubyellen aus - ja, von wo eigentlich? Egal. Die 1000-Stück-Auflage der ersten kleinformat-Nummer war jedenfalls sofort ausverkauft. Auch selbst ganz "crafty mom", bestrickt Wally ihre Lieben nur mit dem Feinsten. Die Tipps dazu holt sie sich von der Strick-Plattform ravelry, die Wolle von den Shetland-Inseln. "So etwas kriegt man hier noch nicht", erzählt die Kennerin, "da ist man auf dem Wollsektor noch zu konservativ."
Wozu aber all der Aufwand mit der Selbermacherei, wenn sie noch dazu viel Zeit kostet? "Weil wir einen anderen Bezug zu den Dingen bekommen, die uns umgeben, wenn wir sie selber machen", meint Hans Holzinger von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg. "Wer selbst etwas herstellt, wird weniger Konsumfallen erliegen. Und trägt damit zu mehr Nachhaltigkeit bei." Außerdem, so Holzinger, sei es ein sinnliches Erlebnis, mit seinen Händen selbst etwas herzustellen. Und daran mangle es uns in unserer materiell zwar reichen, aber sinnlich verarmten Welt immer öfter.
In eine ähnliche Kerbe schlagen auch Sophie Pester und Katharina Bruns aus Berlin. „Bedeutung findest du nicht in dem, was du kaufst, sondern in dem, was du selber machst" ist der Sinnspruch, unter dem die beiden Jungdesignerinnen ihren DIY-Lieferdienst supercraft anbieten. Ihr "DIY-Kit" ist ein Selbermachset mitsamt Werkzeug und Anleitungen, das man sich an die Haustüre bringen lassen kann. Alle zwei Monate lässt sich das Duo eine neue Idee einfallen, um "Lust zu machen, selber zu machen".
Schön. Fragt sich nur, was mit so viel Selbstgemachtem passiert. Und was die Beschenkten dazu sagen. Die ältere Tochter von Selbermacherin Dolores Wally, Jahrgang 2006, mag sich jedenfalls nicht mehr von Mama bestricken und benähen lassen: "Die geht lieber zum H & M." (Barbara Schwarcz, Family, DER STANDARD, 23.2.2013)
Zeitschriften fürs Selbermachen
Buchempfehlungen für Kinder und Eltern
Sonja Eismann, Chris Köver: Mach's selbst. Do it yourself für Mädchen, Beltz und Gelberg 2012
Rosie Martin: Do it Yourself Couture. Einfach nähen ohne Schnittmuster, Dumont 2012
Susanne Klinger: Hab ich selbst gemacht. 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte, Kiepenheuer & Witsch 2011
Näh- und Strickcafés gibt es in Wien, Graz und Innsbruck
Die Familiensoziologin Christine Goldberg über die Falle der Romantik, das schwierige Glücksversprechen der Ehe und neue Formen des Zusammenlebens
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der arme...
über die eltern der kevins und jaquelines, die facebook mit den bildern ihrer nachkommen zupflastern, wird ja immer so abfällig berichtet.
wenn das kind aber carl statt justin heißt, und die haube von mama und nicht von nike ist, und die reichweite ungleich größer als eine deppate facebookseite darf man das ganze plötzlich.
zweierlei maß und so...
eigentlich auch selbstgemacht von der mama? reinderl drauf und schnippel, schnippel?
dieser carl ist ein gesamtkunstwerk. ich hoffe, seine mutter verlegt sich bald mal aufs gärtnern ("guerilla gardening"), das wär auch grad in, oder aufs laufenten züchten. oder sie bestrickt sich wenigstens selber und lässt das arme kind in ruh'.
Hoffentlich speichert Carl´s Mutter diesen Artikel und die dazugehörigen Postings. Carl wird sich zerkeksen in 15 Jahren! :-D
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...gerne Kleidung für besondere Anlässe oder wenn es einen schönen Stoff zu kaufen gibt: Ballkleider, Faschingskostüme, Outfit für Feste usw... Manchmal überfällt mich auch die Strick-oder Häkellust, aber eher selten. Derzeit fabriziere ich Kosmetik, Seifen und helfe meinem Sohn bei den kreativen Arbeiten für seine Schule (BAKIP).
Ich bräuchte derzeit aber jemanden, der mir Fliesenlegen beibringt.....
sicher nicht leicht für die Kinder, deren Mütter ja selbst ganz gerne im Patchwork-Kleinmädchenstil gewandet (oder sagt man jetzt "dawandet"?) sind: Ringelstrümpfe, Spangenschuhe, Trägerkleider (!), Röcke und Mäntel, die aus verschiedenfarbigen (-mustrigen) Filzteilen zusammengeklebt scheinen ... ist das die Sehnsucht nach der heilen Kinderwelt? Angst vor dem Älterwerden??
wie auch in dem Dialog zwischen sonja_1978 und Beernziunz Baldwieder (s.u.) thematisiert, gehören Strumpfhosen für mich zu den absoluten Gräueln der Kindheit. Inbegriff des wohlmeinenden Mutterwillens. Ja, mag sein, dass die Strumpfhose schön praktisch und warm ist, aber muss ich mein Kind deshalb in einer solchen halblustig inszenieren, vor einem tristen (50ies?) Hintergrund abfotografieren und in einer großen Tageszeitung veröffentlichen??
Finde auch die anderen Fotos nicht geglückt, zu starr, gestellt, Kind wirkt nicht sehr happy.
*mama ist wieder kreativ* *was heißt eigentlich 50er Jahre?*
es ist jeder anders. Und bezüglich der Fotos sollten Sie sagen "Mir gefallen Sie nicht" und nicht "Muss denn private Kreativität sein, kann man das nicht den Profis überlassen. " So klingt es nämlich.
Ich bin in keinster Weise gegen private Kreativität; habe selbst schon erwogen, mal so einen Nähkurs mitzumachen ... also der Artikel/das Thema an sich hätte sicher keinen Einpruch bei mir ausgelöst.
Aber: mir persönlich gefallen die Fotos so gar nicht, sie wirken meines Erachtens steril und leblos. Aus meiner persönlichen Sicht macht das Kind keinen besonders zufriedenen Eindruck bei der Aktion.
Und wie das Wort "Veröffentlichung" ja schon selbst sagt, ist hier eben der Rahmen der Privatheit verlassen, es sollte also auch ein bisschen Kritik erlaubt sein, oder?
P.S. Ich meine das alles ja gar nicht böse, aber bin eben sehr foto-sensibel :-)
Ab einem gewissen Alter (Mitte Volksschule würde ich sagen) wollte ich auch keine Strumpfi mehr - ich hatte immer kalte Füße. Ich tauschte gegen Leggings und Socken.
Aber ich kenne auch Kinder, denen das egal ist - die tragen Strumpfhosen ohne Maulen :)
Ich kann ja nicht für meine Freunde sprechen aber mir war im Alter von unter 10 sowas wie eine Clique total wurscht. Ich hatte einfach einen Pool an Spielkamaraden bedingt durch Schule und Wohnort, wer verfügbar war, mit dem wurde gespielt und an eine Chef erinnere ich mich nicht.
Verstehe ich das richtig, sie haben in Ihrer Kindheit niemanden unter Ihren Spielkameraden gehabt dessen Meinung Ihnen ( und anderen) besonders wichtig gewesen ist.
Erstens mal habe ich das von Ihnen angeführte Zitat bzgl. Strumpfhosenaversion getätigt hingegen bezog sich "ich kann ja nicht für meine Freunde sprechen..." auf das Thema Clique. Also bitte lassen sie Zusammenhänge wo sie hin gehören und reißen S' die nicht auseinander.
Nun zu Ihrer Frage: Nein, ich hatte keinen Spielkameraden dessen Meinung mir besonders wichtig war. Warum schockiert Sie das so, in dem Alter war mir spielen wichtiger als die Meinungen von wem auch immer, wozu auch immer.
Wir sprechen da von unterschiedlichem Hass. Bei Hauben oder Haare schneiden ist es zumeist ein "ich will das jetzt nicht"-Hass. Bei Strumpfhosen ist es ein "ich will das nie und nimmer weil die so unbequem, unpraktisch und hässlich sind"-Hass.
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