Wenn der Toaster explodiert

Kolumne22. Februar 2013, 17:06
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Über die geplante Obsoleszenz

Die beste TV-Serie aller Zeiten ist die Serie Mission Impossible (Kobra, übernehmen Sie!). Jede Folge gibt einen realistischen Einblick in das Leben amerikanischer Geheimdienstagenten und fängt exakt auf dieselbe Art an: Der Chef der Kobra-Truppe begibt sich zu einem toten Briefkasten und findet dort ein Magnetofon, auf dem ihm sein Auftraggeber von der CIA mitteilt, welchen schmierigen Sowjet oder sadistischen Südamerikaner er mit seinen Leuten zur Schnecke machen soll.

Sobald aber diese Mitteilung erfolgt ist, setzt sich ein Autodestruktionsmechanismus in Gang, und unter Absonderung von ein paar malerischen Dampfschwaden zerstört sich das Magnetofon selbst.

Wir haben es hier ganz klar mit einem frühen Fall von geplanter Obsoleszenz zu tun, jenem Phänomen also, dass ein technisches Gerät willkürlich-hinterfotzig kaputtgemacht wird. Die Kosten bleiben an der CIA hängen, die ein neues Magnetofon kaufen muss, während man sich beim Magnetofonproduzenten (Sony, Grundig etc.) zufrieden ob der Zusatzeinkunft die Hände reibt ("Die Trotteln vom Geheimdienst haben schon wieder eines ruiniert, hehe.").

Die geplante Obsoleszenz ist neben der geplanten Absenz, der geplanten Demenz und der geplanten Penetranz eine der großen Plagen unserer Zeit. Aber sie wird im großen Stil betrieben. Die Obsoleszenz-Verantwortlichen in den internationalen Konzernen sind hochspezialisierte Fachleute, die jahrelange Studien hinter sich haben. Firmenintern nennt man sie meist " Dr. Kaputtnik" oder "die Hinichen".

Ausgebildet wurden sie an den klassischen Obsoleszenz-Fachhochschulen, mit den Studienfächern "Materialermüdung", "Glasbruch", "Allgemeine Verschmorungskunde", "Phänomenologie der Abrissbirne" sowie dem Seminar " Kurzschlüsse für Fortgeschrittene (mit praktischen Übungen im Labor)".

Erfreulich ist es natürlich nicht, wenn dem Konsumenten nach dem fünften Gebrauch der Toaster, der Nasenhaartrimmer oder der Ondulierstab um die Ohren fliegt. Allerdings: Selbst der gelackmeierte Kunde, der entgeistert vor den rauchenden Trümmern seines Plattengrills steht, muss in Wahrheit zugeben, dass die geplante Obsoleszenz ein Trick ist, der die Wirtschaft am Brummen hält. Und wenn es der gut geht, geht's bekanntlich uns allen gut. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

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