"Ich wusste gleich, das ist der Durchbruch"

Heidi Aichinger
22. Februar 2013, 17:12
  • "Das Problem ist, dass alle mit Durchschnitt zufrieden sind" - Markus Hengstschläger im Gespräch mit Barbara Rett am Galaabend der Siemens Academy of Life.
    foto: standard/hendrich

    "Das Problem ist, dass alle mit Durchschnitt zufrieden sind" - Markus Hengstschläger im Gespräch mit Barbara Rett am Galaabend der Siemens Academy of Life.

Wissenschaftskommunikation für jedermann: Diesen Mittwoch war der Genetiker und Bestseller-Autor Markus Hengstschläger zu Gast bei der Siemens Academy of Life. Die Zusammenschau eines eklektischen Themenbogens zu Leben und Arbeit

Ein gut gelaunter und gewohnt eloquenter Markus Hengstschläger traf diese Woche Mittwoch in der Siemens City auf die Teilnehmer der Siemens Academy of Life (AOL) - Moderatorin Barbara Rett (ORF) hatte es nicht immer leicht, den "Wissenschaftspopstar", wie sie den Genetiker und Bestseller-Autor nannte, in seinen Ausführungen zu allen möglichen Themen in seinem Leben zu bändigen. Es war quasi ein "Best of" des umtriebigen Forschers.

Zunächst Fragen nach Hengstschlägers Kindheit und - in Anlehnung an seinen Bestseller "Die Durchschnittsfalle" - danach, welches Umfeld es ihm, der mit 24 Jahren auf der Überholspur promovierte und mit 35 Jahren zum Professor für Medizinische Genetik an der Medizinischen Uni Wien berufen wurde, gestattet habe, so überdurchschnittlich zu performen.

In einem liberalen Elternhaus sei er aufgewachsen, sagt er, "aber in der Familie war es kompetitiv. Solange die Schulnoten in Ordnung waren, gab es sehr viel Freiheit." Und in dieser Freiheit, die er - im Vergleich zu heute - auch in der Schule und später an der Uni hatte, konnte er seine Talente entfalten. An Physik- und Chemie-Olympiaden habe er als Schüler teilgenommen, obwohl er "kein besonderer Stern" in diesen Fächern gewesen sei, "aber das Interesse war da" - und es wurde gefördert.

Individualität fördern

Mit anhaltender Verve argumentiert der Genetiker denn auch wider den Durchschnitt und für ein Umdenken in der Förderung von Schülern: "Ich sage immer: 'Irgendetwas sollte der Mensch können können', und ich sage das in der Überzeugung, dass für jeden etwas dabei ist. Es ist enorm wichtig, sich auf die Suche nach den Dingen zu machen, die man können kann." Stattdessen werden Schüler dazu angehalten, Fächer, in denen sie gut sind, zu lassen und Zeit und Energie in jene Fächer zu stecken, in denen sie schlecht sind. "Am Ende ist alles und überall Durchschnitt. Und das Problem ist, dass alle damit zufrieden sind."

Das Fördern von Individualität sei zentral, so Hengstschläger weiter. Der größte Anteil dessen, was man im Leben wirklich brauche, wurde in der Schule nie benotet und auch nicht als Unterrichtsfach gelehrt. Und weil er sich hier Veränderung, ein Umdenken wünscht, gibt der Genetiker sich betont polemisch, wenn er sagt: "Ich glaube, dass Österreich hier in eine falsche Richtung geht, weil es zurzeit offenbar klüger ist, sich mit der Mehrheit zu irren, anstatt alleine recht zu haben."

Kehrseite der Popularisierung

Verhältnismäßig rasch ist das Kapitel "Bestseller-Autor" abgehandelt. Hengstschläger: "Bestseller-Autor sind Sie ab 5000 verkauften Exemplaren. Und dann bekommen Sie 50 Cent pro Buch. Ich wusste gleich, das ist der Durchbruch." Persönlicher Reichtum fördert die Zielstrebigkeit also nicht, das war somit auch rasch klar. "Reich werde ich persönlich als Genetiker nicht. Klar ist, dass man als Uni-Professor seine Familie gut ernähren kann. Mir und vielen anderen Forschern geht es aber immer darum, weiterforschen zu können."

Ob er sich auch aus diesem Grund gerne der Öffentlichkeit stelle? Eine gewisse Popularisierung könne das Fach durchaus befördern. Der zentrale Grund aber sei, dass Genetik ein sehr progressives Fach sei, wo es sehr viele Veränderungen gibt. Besonders in ethischen Fragen sei es notwendig, mit der Öffentlichkeit in Diskussion darüber zu treten. "Wir wollen damit nicht allein gelassen werden, weil wir alleine überfordert sind", sagt er.

Die Kehrseite der Popularität zeige sich in einer eher realitätsfernen Wahrnehmung des Berufes: "Es ist nicht für alle cool, was wir tun - das für die, die gerne CSI schauen. In Wahrheit stehen wir tage-, wochen-, monate- und jahrelang in schlecht durchlüfteten Räumen und pipettieren von A nach B, damit wir nach zwei Jahren eine Party feiern können, weil wir dann wissen, wenn etwas sicher nicht funktioniert. Das finden wir gut." (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

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nicht hengstschläger, schaumschläger muss es heissen!

Big in Vienna...

...'nuff said.

Hengstschläger für Pröll

... sagt alles über diesen Gecken. Aber er ist in Medienkreisen gerade in und wird unvermeidbar, daher häufen sich Beiträge dieser Art. Was genau an einer Promotion mit 24 so aufregend sein soll, ist schleierhaft. Das Diplomstudium Medizin schloss nach 12 Semestern und ohne Dissertation mit dem Grad Dr. med. univ. ab.
Man könnte Verdienste um die Forschung auch würdigen, ohne damit immer gleich eine Selig- oder Heiligsprechung zu verbinden. So wäre wissenschaftliche Leistung authentischer vermittelbar. Dadurch, dass manche erfolgreichere Personen mit überhöhtem Selbstdarstellungsdrang zum Halbgott stilisiert werden, wird die Realität wissenschaftlichen Arbeitens völlig verzerrt, viele weniger histrionische Hochbegabte entmutigt.

"ein liberales elternhaus"

bitte liberal einmal definieren, hier wird etikettenschwindel betrieben...ich würde sein als stockkonservativ bezeichnen, aber alles eine frage der definition und einer zielgerichteten rhetorik

Es tut mir leid, aber der Herr Hengstschläger...

den ich leider auch persönlich genossen habe, ist irrsinnig selbstverliebt, arrogant, aggressiv gegen andere, und zudem habe ich nach der Lektüre von ca. der Hälfte eines seiner Bücher auch feststellen müssen, dass er nicht Deutsch kann.
Und was passiert? Er wird von einem zum nächsten weitergereicht, eine Art Dieter Bohlen der Wissenschaft. Kein schöner Anblick.

Wenn er wenigstens von Genetik was verstünde !

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Aber er tingelt ja lieber mit billigen Schmähs durch die Lohnredner-Szene.

es tut mir leid, aber...

ich habe Herrn Hengstschläger auch persönlich erlebt (als Student, sowohl als Vortragenden als auch als Lehrenden in der Kleingruppe) und kann Ihre Erfahrungen (vielleicht mit Ausnahme der Selbstverliebtheit, welche ich aber nicht als störend empfunden habe ;-) nicht bestätigen.

Hoffentlich benötigen Sie den Inhalt seiner Lehrveranstaltungen nicht für ihren Lebensunterhalt.

Hengstschlägers pädagogische Vorschläge sind zweischneidig:

Zweifellos ist es wichtig, die Themenstellungen zu finden, in welchen das Erlebnis einer gewissen Exzellenz möglich ist. Das ist nicht nur für die Motivation, sondern auch für das Verständnis von Exzellenz wichtig. Jedoch könnte die damit beförderte Spezialisierung auch die Fachidiotie befördern, welche die Kluft von Naturwissenschaften bzw. deren methodische Übertragungen auf Gesellschaft (»philosphy of science«), (strukturalistischen) Gesellschaftswissenschaften und (hermeneutischen) Geisteswissenschaften noch weiter aufreißt, indem alle ihre spezifischen Philosopheme verfolgen, ohne die Fähigkeit zur Synthese entwickeln zu können. Es ist also auch die Frage, welche Art von Exzellenz befördert wird.

Da machen Sie sich mal keine Sorgen!

Fachidioten und Educated Fools laufen jetzt auch schon genug herum...!

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"Exzellenz" - das Lieblingswort des Erhard Busek !

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Wie bei allen Junk-Words war die Halbwertszeit dieses Modeworts kürzer als seine Amtszeit.

Mag sein. Aber es gibt eben eine Competion auf verschiedenen Feldern, egal welches Schlagwort wie lange in der Politik erfolgreich gewesen ist. Und die Intention, gegen die Zufriedenheit am intellektuellen Durchschnitt aufzutreten, ist zweifellos gerade in Ö. richtig, da ansonsten der intellektulle Durchschnitt nach unten wandert. — Zur Problematik, nur an die Entwicklung der Elite zu denken, zumal zur Probmatik einer eindimensionalen Auffassung von Elite, glabe ich mich deutlich genug ausgedrückt zu haben.

Wissenschaft ist KEIN Wettbewerb !

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Erst, wenn die Finanzierung von Villen, Jachten und Luxusautos das (Haupt-)Ziel von Forschungsprojekten sind, artet die Suche nach Erkenntnis zu einem Wettrennen um Projektgelder aus.

Wissenschaft ist auch ein Wettbewerb, und zwar unabhängig von der Dimension, die Sie zu recht ansprechen. Allerdings bin sehr wohl der Auffassung, daß der Wissenschaftsfprtschritt nicht nur durch Competion, sondern auch durch Kooperation entsteht, insbesondere in » Problemumwelten«
Czada Roland, Kooperation als Entdeckungsverfahren, U¨berlegungen zum Innovationspotenzial assoziativen Handelns, in: Siegfried Frick, Reinhard Penz, Jens weiß (Hrsg.), Der freundliche Staat. Kooperative Politik im im institutionellen Wettbewerb, Metropolis Verlag, Marburg 2001turbulenten.
Vgl. auch http://de.scribd.com/doc/40511... d-Okonomie

Sie sprechen von INTERESSE-geleiteter Wissenschaft.

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Derzeit dominiert aber die GIER-geleitete.

Stimme mit Ihrer Unterscheidung von Interesse und Gier grundsätzlich überein. Doch versucht Czada u. a. Hayek differenzierter zu kritisieren, indem er auch unter den Bedingungen den heutigen Ökonomie zu zeigen versucht,

daß das Konzept bloßer Konkurrenz (Competion) weder für die Wissenschaft als solche, noch für deren ökonom. Verwertbarkeit förderlich ist. — Ich bin Ihrem Stanpunkt vielleicht näher, als Sie glauben, weil ich auch glaube, daß Wissenschaft primär der Wahrheit dient, und erst im Anschluß die verschiedenen Positionen in Konkurrenz zueinander treten. Dann erst beginnt die Dynamik der Eitelkeiten auf persönlicher Ebene, welche die Schnittstelle zur Dynamik ökonomischer Interessen (sic!) bieten. Trotz der Problematik der Gier sehe ich historisch sehr wohl auch die Begünstigung der wissenschaftl. Entwicklung durch die kapital. Ökonomie. Allerdings bleibt das Problem, der Einseitigkeit der damit verbundenen Entwicklung ein Gegengewicht zu geben.

Com-petition (com-petere - gemeinsam anstreben), Konkurrenz (con-currere - gemeinsam laufen).

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Wissen-schaft dient dazu Wissen zu schaffen. Und die Triebkräfte dafür sind Neugier und Zweifel.

Da muß ich Ihnen das gleiche sagen, wie denjenigen, die nicht wahrhaben wollen, daß seit den Neunzigern »neoliberal« was anderes bedeutet, als Ordoliberalismus gemeint hat.

Wer auf lateinische Wortstämme rekurriert, sollte auch wissen, wie sich die Bedeutungen durch den Gebrauch (auch durch Neuprägungen) verändert. Die angezogenen Theorien gehen also davon aus, daß »Kon-kurrenz« etc. als einziges Gemeinsame die Verdrängung vom ersten Platz ist, sodaß Konkurrenz und Competition mitnichten bereits die Kooperation beinhalten. — Daß Wissenschaft selbst seinen Ursprung nicht in der Konkurrenz, sondern in der Bemühung um Wahrheit (Neugier u. Zweifel) besitzt, habe ich deutlich gemacht. Allerdings wird schon innerhalb der »Gelehrtenrepublik« die Konkurrenz zum Moment der Verbesserung von Theorien. Ich dachte eigentlich, daß Sie diesen Übergang zur ökonomischen Konkurrenz bereits verstanden hätten.

Im Sturm der See ist es oft ganz gut, sich an den Hafen zu erinnern.

Damit haben Sie freilich recht!

Eine Zustimmung im Standard-Forum - das es so etwas gibt !

Enttäuscht?

: )

"Immer, wenn ich gelobt werde, werde ich ganz verlegen ...

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... weil ich glaube, dass es viel zu wenig war !" (Mark Twain)

Warum muß ich bei "Durchbruch"...

... ausgerechnet an eine eitrige Entzündung des Wurmfortsatzes (landläufig "Blinddarm") denken?

Ich bin doch kein Mediziner!

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, Freigeist

Scheint von Eitelkeit getrieben zu sein.

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