Wer sagen soll, dass es genug ist

Karin Bauer
22. Februar 2013, 17:03

Banker in der EU erwartet der gesetzliche Bonusdeckel. Die Debatte über Abcasher und ihre Zähmung kocht erneut hoch

Selbst der mächtige Finanzplatz London kann es nicht mehr verhindern: In der EU steht eine gesetzliche Deckelung der Bonuszahlungen für Banker zwecks systemischer Risikominimierung bevor. Sie soll mit der verschobenen schärferen Eigenkapitalregelung nach Basel III schon 2014 gültig werden. Gestritten wird lediglich noch um die erlaubte Bonushöhe - ein Grundgehalt oder zwei bei Zustimmung der Aktionäre.

In Deutschland fordert die Corporate-Governance-Kommission die Festlegung von Gehalts- und Bonusobergrenzen für die Vorstände börsennotierter Unternehmen. Für Befeuerung der Debatte sorgen Medienberichte, wonach etwa VW-Chef Martin Winterkorn demnächst 14 Millionen Euro Gage auf seinen Konten wiederfinden werde. Ein goldener Fallschirm für den 59-jährigen Architekten und langjährigen Boss des Pharmariesen Novartis, Daniel Vasella, in Höhe von umgerechnet 58 Millionen hatte in den vergangenen Tagen die Schweiz derart erschüttert, dass Vasella in dieser Woche " verzichten" musste.

Eine in puncto Entlohnung abgehobene Elite steht wieder, wie schon so oft, im Rampenlicht, und angesichts des gesamtwirtschaftlichen Umfelds und der politischen Führungsherausforderungen wird die Forderung nach gesetzlicher Zähmung der exorbitanten Gagen wohl nicht verstummen. Ein Zeichen darf sein, dass der VW-Konzern nun von sich aus ein Vergütungssystem zur Gagenbegrenzung vorstellt. Dies, nachdem in Großbritannien, aber auch in Deutschland die Aktionäre rebellischer geworden sind.

Gegen Gesetze bei Gagen

Eine "proaktive Aufnahme von Caps in Vorstandsverträgen" würde zur Beruhigung der Stakeholder und der Öffentlichkeit beitragen, erwartet Führungskräfteberater Günther Tengel (Amrop Jenewein). Jeder Eingriff der Politik aber gefährde Wettbewerbsfähigkeit und Standort. Von einem "grundsätzlich falschen Signal" spricht Markus Schwarz, Boss des Executive-Searchers Egon Zehnder in Wien. Anlassgesetzgebung habe sich noch nie als nachhaltig erwiesen. Statt Gehälterlimitierung seien Gratifikationssysteme auf Basis bestehender Vorschriften so zu erneuern, dass gestaltungswillige Persönlichkeiten Verantwortung übernehmen wollen.

Und auch Personalberater Florens Eblinger ist gegen Gesetze bei Gagen. Gute Manager könnten durchaus mit dem Kunstmarkt verglichen werden - Preisgestaltung laut Angebot und Nachfrage. Allerdings sei die Kombination der Kennzahlen für den Bonus ausschlaggebend, also keinesfalls in Orientierung am Aktienkurs. Als "überflüssig, ja sogar kontraproduktiv" sieht Viktoria Kickinger, Gründerin der heimischen Aufsichtsräte-Plattform Inara, gesetzliche Gagenlimits. Es habe der Aufsichtsrat für Angemessenheit zu sorgen, zudem gebe es ja Mechanismen wie Claw-back-Regeln, die Rückforderung bei Misserfolg verlangten.

"Angriff auf das Leistungsprinzip"

"Die Debatte auf EU-Ebene über Höchstgrenzen für Bonifikationen von Bankmanagern wird zunehmend aktionistisch zum Thema gemacht", so Edith Hlawati, Partnerin bei Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati und in Aufsichtsfunktionen tätig. Es solle nicht gesetzlich in privatrechtlich geregelte Organkompetenzen eingegriffen werden, so Hlawati, die bestehende neue Gestaltungen in Richtung Nachhaltigkeit für Boni und mehr Verantwortung für die Vergütungsausschüsse ins Treffen führt. Seit 2012 etwa müssen 60 Prozent der Banker-Boni gestaffelt ausgezahlt werden, wenn die Summe 100 Prozent des Grundgehalts übersteigt.

Das Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) kann sich für heimische Staatsbetriebe unter Erfolgsaspekten gesetzliche Limitierung vorstellen. Sonst sieht das WdF dies als "Angriff auf das Leistungsprinzip". Laut Finanzmarktaufsicht verdienten im Vorjahr zwölf Bankenchefs in Österreich mehr als eine Million Euro. Durchschnittlich beträgt das Jahresbruttogehalt von Geschäftsführern in Österreich etwa 200.000 Euro, erhob Gehaltsexperte Conrad Pramböck vom Personalberater Pedersen und Partners. Das Durchschnittseinkommen in den europäischen Vorstandssesseln liegt demnach bei rund 1,3 Mio. Euro, wobei der variable Anteil etwas höher ist als das Grundgehalt. Allerdings sind die Vorstandsgrundgehälter in den vergangenen zehn Jahren doppelt so viel gestiegen wie die "normalen" Einkommen.

"Gut gemeint, zahnlos"

Nicht überraschend ist auch Pramböck gegen Gesetzesdeckel als "gut gemeinten Versuch, der ins Leere geht" und attestiert in Österreich "99 Prozent der Unternehmen ein weitgehend ausgewogenes Verhältnis zwischen Vergütung der Mitarbeiter und der Chefs". Die Rüge der Ausreißer gehe an die Aufsichtsgremien. Und: Pläne für Umgehungen etwaiger großflächigerer Regelungen lägen bereits in den Schubladen. So argumentiert auch Sabine Aigner, internationale Beraterin bei Spencer Stuart: Die Energie, die dann für Umgehungen aufgebracht werde, solle wohl besser ins Business fließen.

Trotzdem, so Berater Markus Brenner (Brenner & Company), habe Peter Drucker recht, der einem CEO nicht mehr als das 20-Fache eines Arbeiters zugesteht. WU-Professor Wolfgang Mayrhofer stellt die zentrale Frage: " Die Debatte blendet die Grundfragen bequemerweise aus - wo wollen wir alle hin? Wer soll wie viel verdienen? Ein mittelmäßiger Fußballspieler x-mal mehr als eine Volksschullehrerin?" (Karin Bauer, DER STANDARD, 23./24.2.2013)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Vasella - Schweizer Unmut

Die Erschütterung der Schweizer über die hohe "Abgangsentschädigung" von Daniel Vasella lag vor allem auch daran, dass am 3.März eine Initiative gegen ebenjene Boni zur Abstimmung ansteht (letzte Meinungsumfragen prognostizieren dieser Initiative eine 2/3 Zustimmung).

Die Regierung (inclusive SVP) hat eine Gegeninitiative lanciert, die die Forderungen abmilder soll, um den Wirtschaftsstandort Schweiz zu sichern. Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften (zuletzt eben Vasella) hat diese Gegeninitiative aber wenig Chancen an der Urne.

Sicher ist, wer NICHT sagt wann es genug ist

die "selbstregulierenden" Märkte. Die sind stumm wie der Mond.

Wenn schon, wären die Eigentümer (Aktionäre) zuständig - und die Gesetze müssten so gestaltet sein dass die Eigentümer dies auch können. Derzeit scheint das nicht der Fall zu sein!

Wieso regt man sich über diesen wirklich unglaublichen Missstand nicht auf, sondern leiert nur irgendwas von Wettbewerbsfähigkeit herum? Als ob es nur noch um den Wettbewerb um die Manager ginge und nicht um den Wettbewerb um die Kunden... Dieses gierige egoistische Blablabla der Manager-Kaste ist unerträglich!

ein mittelmässiger

fussballer verdient i.d. regel nix.

Gestritten wird lediglich noch um die erlaubte Bonushöhe - ein Grundgehalt oder zwei

Und was verhindert dass der Grundgehalt dann entsprechend angehoben wird? Irgenwie muessen die Bankster ja zu ihrem Geld kommen.

so manche Bankster verdienen vor alllem....

ein paar Jahre unbedingt....

Abgesang auf den Leistungsgedanken

Die können ja unter gewissen Rahmenbedingungen (Pleite wem Pleite gebührt) sich ja gerne Millionen und Milliarden auszahlen, wenn es sie glücklich macht. Nur wenn solche Firmen dann Verluste machen und immer noch kräftig Boni auszahlen, so geht das auf keine auch noch so neoliberale Kuhaut mehr. Immerhin ist da immer die Rede von leistungsabhängigen Gehältern. Bei Gewinnen positiv - aber bei Verlusten? Zahlen die dann wieder was zurück? Glaube ich nicht. Also alles Gewäsch.

diese abkassierer sind die wirklich asozialen

und gerade die mittelschichtverlierer machen sich auch noch stark für die

Mehr Transparenz

Wenn Unternehmen wieder pleite gehen können weil man sie nicht mehr "zu groß zum Scheitern" werden lässt, so wird sich viel von selbst erledigen. Darüber hinaus ist Transparenz gefragt. Denn es gibt sozial engagierte BürgerInnen, die nur bei sozial verantwortungsbewussten Unternehmen einkaufen wollen. Und wer Produkte kauft, deren Erlös nur irgendwelche Reichen noch reicher macht, der soll dies auch erfahren dürfen.

Neid!

Neid, was sonst, grauslich.

Wenn eine Person/Firma A einer Person /Firma B Hundertmilliarden Euro geben will für Wurschtwas, kann mich das zwar neidig machen, aber wieso sollte das moralisch in irgendeiner Form verwerflich sein oder sogar gesetzlich geregelt werden?

Vom Neid zerfressen die Leut.

Privatsache?

Wenn es um irgendwelche Spaßkonzerne geht, die nachher nicht die Hand aufhalten, um sie durch die öffentliche Hand wieder füllen zu lassen, dann gibt es kein Problem. Die gehen dann verdienter Weise ohnehin den Bach runter - oder arbeiten so gut, dass sie sich ihre Boni leisten können. Und was Banken anbelangt - denen muss noch ein Riegel dergestalt vorgeschoben werden, dass sie nie mehr zu gross zum Scheitern werden können. Auch dann kann wieder gelten - stark genug zum Protzen - oder ab in die Pleite. Der Gesetzgeger hat nur die Pflicht dafür zu sorgen dass normalverdienende NormalbürgerInnen von dem Wahnsinn nicht betroffen sind.

Bin völlig ihrer Meinung!

Prämien- und Bonifikationsbeschränkungen

Prämien / Bonis haben mE „konditionierende“ Steuerungseffekte auf Mitarbeiter und Management.

Dies führt logisch zwingend dazu, dass Risken „außen Acht gelassen“, negative externe Effekte (z.B. Verschuldung von KonsumentInnen mit hohem Risiko) nicht ausreichend berücksichtigt, schlimmstenfalls auch (Straf)gesetze missachtet werden.

Daher sollte es in jenen Branchen, in denen "prämienbedingte Risikokumulationen" zu negativen volkswirtschaftliche Auswirkungen (z.B. Finanzwirtschaft) oder zu einer erhöhten Risikoneigung für Leben und Gesundheit führen (z.B. Atomkraftwerke) eingeschränkt werden.

Je höher die "Risikogeneigtheit", je größer die "negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen" desto restriktiver die Einschränkung.

Die Verbindungen von Politik und Zocker-Bankern müssen endlich offengelegt werden

Das ist leicht

Ohne Banken kann kein Staat mehr die bestehenden Staatsschulden bei Endfälligkeit umschichten. Ich rede nicht von neuen Schulden oder Tilgung - nur Ersetzen einer endfälligen Staatsanleihe durch Rollover in eine Neuemission. 1.500.000.000.000 Euro sind es nur bei den EU-Staaten dieses Jahr.

Wenn nur eine Tilgung schiefgeht weil der Rollover nicht funktioniert ist der Staat sofort Zahlungsunfähig. Und ohne Geld zum verteilen die Politiker sofort ohne Job.

Das kommt davon, wenn man so hoch verschuldet ist, daß man gerade mal die Zinsen zahlen kann.

Sie unterschlagen nur die Tatsache,

dass die Staatsschulden in letzter Zeit vor allem deswegen gewachsen sind, weil marode Banken vor der Pleite gerettet werden mussten. Natürlich muss das Geld dafür dann wieder von Banken aufgenommen werden (einfach mehr Geld drucken geht ja in Zeiten des Euro nicht).

Nix unterschlagen. Alle Fakten auf den Tisch:

Wenn eine RZB 1,75 Milliarden und eine Erste Bank 800 Mio Partizipationskapital bekommen (Betrag bitte nachgooglen, ist schon spät) und dafür 8%....

ACHT Prozent !!!!

... Zinsen an den Finanzminister bezahlen, dann ist das ein sehr teures Geschäft für die Banken. Und ein sehr gutes für die Finanzminsterin.

Dafür kann man sich schon mal um weniger 2% Zinsen ein bisserl extra verschulden...

Und die Hype Alpe Adria?

HAA und Kommunalkredit sind sehr ähnliche Fälle... Aber das sind keine Banken. Das waren immer schon Spielwiesen für Politiker, deren arbeitslose Verwandschaft und das dazu passende halbkriminelle Umfeld.

Die HAA hat kein Partizipationskapital bekommen, sondern dubiose Haftungen von unserem blau/braun/orangen südlichen Bundesland. Dann eine Notverstaatlichung, damit Kärnten nicht krachen geht.

Die Kommunalkredit war irgendein staatliches Gemeindevehikel, kompetent besetzt durch die Patronanz unserer Politiker.

Auch in diesen Fällen müssen also wir alle über unsere Arbeit und Steuern die Pfründe unserer Politiker füttern...

FALSCH

ohne staat keine banken - einfach mal für einen tag den polizeischutz aufheben, dann siehst du was eine bank ohne staat ist.

Das haben Sie in Ihrem jugendlichen Enthusiasmus nicht wirklich genau durchdacht...

Wachleute arbeiten für Geld. Und je mehr Geld man hat, desto größere Kanonen kann man kaufen. Problem gelöst.

Aber als Menschenfreund dachten Sie wahrscheinlich mehr an die Durchsetzung von abgeschlossenen Verträgen als an das abfackeln von Gebäuden...

aha

das schau ich mir aber an wie ihre "wachleute" das regeln wenn es keine polizei mehr gibt.

Da sehe ich grosso modo nur drei Möglichkeiten: Entweder hat die Finanzoligarchie durch Wahlkampfspenden schon im Vorfeld dafür gesorgt, daß diejenigen Politiker gewählt werden, die ihr Programm durchziehen, oder es wird die Politik mit dem Hinweis auf den Markt und der »Scheuheit« des Kapitals erpresst. Im Notfall wird bestochen oder Rufmord per Medienkampagnen betrieben.

Ich habe natürlich keine ahnung unter welchen voraussetzungen boni vergeben werdem, meiner meinung nach sollte es aber auch einen passus betreffend mitarbeiterverantwortung geben. Ist schon klar wenn ich von 10 leuten 9 entlasse, dass die aufwendungen anders aussehen - aber sonst hat sich nix geändert. Aber das interessiert keinen die eine bonuszahlung bekommen, denen geht es ja nur ums eigene geldbörsel.

Das kommt davon, wenn ein eindimensionales System alles der Profitmaximierungsthese unterordnet. Dann hat man auch nur mehr »Persönlichkeiten, die gestalten wollen«, die sich allein von noch mehr Geld, als der andere verdient, motivieren lassen. Die heute gepflogene Form der Ökonomisierung der Gesellschaft rechnet nicht die sozialen und ökologischen Folgen ein, und ist somit völlig irrational. — Eine Kultur, welche die Gier zum zentralen Selektionsprinzip erhoben hat, ist zerstörerisch und wird sich letztlich selbst zerstöreri.

der in Ungnade gefallene Daniel Vasella (Novartis) ist nicht Architekt, sondern gelernter Arzt...!!

Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.