Alkohol-ähnliche Substanz gegen essentiellen Tremor

Oktansäure als Medikament gegen Zittern - Bis dato eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten

Wien - Ein Mittel gegen den benignen Haltetremor ohne sonstigen krankheitsbedingten Hintergrund ist erstmals an Menschen getestet worden. Die alkoholähnliche Substanz - die Oktansäure - könnte eventuell ein Therapeutikum für den "Essentiellen Tremor" (ET) darstellen. Das haben Dietrich Haubenberger, von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien am AKH und Co-Autoren in einer Studie mit 19 Patienten belegen können.

"In den USA schätzt man die Zahl der Betroffenen auf rund zehn Millionen Menschen. In Europa haben Studien gezeigt, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung ab 50 von de  essentiellem Tremor betroffen sind. Es handelt sich um eine der häufigsten neurologischen Störungen. Zwei Drittel der Patienten haben eine signifikante Beeinträchtigung des täglichen Lebens", erklärte Haubenberger. So kann die Schrift unleserlich werden. Das Handhaben von Gegenständen wird schwierig.

Die Studie des Experten ist vor kurzem in der Fachzeitschrift "Neurology" erschienen. Die Arbeiten dazu liefen während eines Forschungsaufenthalts des Neurologen in den USA ab. Mittlerweile arbeitet Haubenberger wieder in Wien.

Niedrige Dosierung

Beim "Essentiellen Tremor" kommt es zu Bewegungsstörungen der Hände ohn nachweisbare Ursache. Die Symptome haben nichts mit dem Zittern beim Alkoholkranken im Entzug zu tun, ebenso wenig mit dem Tremor der beim Morbus Parkinson auftritt. Der Neurologe: "Man hat aber beobachtet, dass bei 74 Prozent die Einnahme einer geringen Dosis Alkohol auch den essentiellen Tremor reduziert."

Daraus eine Therapie zu machen, ist nicht wirklich praktikabel. Doch eine alkoholähnliche Substanz - die Oktansäure - könnte offenbar einen gleichwertigen Effekt haben. Die Wissenschaftler untersuchten in einer Phase-1/Phase-2-Studie (Toxizität, Dosisbestimmung, Anm. Red.) im Vergleich zu einem Placebo, ob die Einnahme von vier Milligramm Oktansäure pro Kilogramm Körpergewicht die Symptome verringert. Weil es sich um die erste derartige Studie handelte, wurde auch eine relativ niedrige Dosis verwendet.

Zwar stellte sich der Effekt nicht - wie in dem Studienprotokoll als primäres Ziel festgelegt - nach 80 Minuten ein, jedoch zeigte sich die "beruhigende" Wirkung drei Stunden nach der Einnahme. Die Nebenwirkungsrate unterschied sich zwischen Placebo-Gruppe und Personen, welche wirklich die Substanz erhalten hatten nicht.

"Dies ist die erste Studie, in der dieses Medikament an Patienten mit ET getestet wurde. Die Oktansäure zeigte ein einigen Messparametern eine Überlegenheit zu Placebo. Dies ist eine wichtige Arbeit in der Entwicklung neuer Behandlungsformen des ET, da die therapeutischen Optionen zur Behandlung des Zitterns sehr eingeschränkt sind. Der Großteil der Patienten ist nicht in Behandlung. Die vorhandenen Medikamente haben entweder eine zu geringe Wirkung oder nicht tolerable Neben- oder Wechselwirkungen", fasste der Neurologe die Ergebnisse zusammen. Für eine echte Zulassung der Substanz als Arzneimittel wären aber noch wesentlich größere Studien notwendig. (APA/23.2.2013)

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