Ein Wiener Hausberg als Formenwandler

  • Der Bisamberg bietet einen eimaligen Ausblick über Wien.
    vergrößern 959x640

    Der Bisamberg bietet einen eimaligen Ausblick über Wien.

  • Gesamtgehzeit 3¾ Stunden, Höhendifferenz rund 400 m. Gasthaus Gamshöhe (Mittwoch und Donnerstag Ruhetage), mehrere Heurige in Hagenbrunn. ÖK25V Blatt 5320-West (Wien), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald-Atlas, Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3¾ Stunden, Höhendifferenz rund 400 m. Gasthaus Gamshöhe (Mittwoch und Donnerstag Ruhetage), mehrere Heurige in Hagenbrunn. ÖK25V Blatt 5320-West (Wien), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald-Atlas, Maßstab 1:50.000

Der Bisamberg war stets Veränderungen durch die Hauptstädter ausgesetzt. Nur der schöne Ausblick wurde nie angetastet

Bis zum 18. Jahrhundert, so vermelden die Chronisten, war der Bisamberg vollständig bewaldet, erst dann begannen Rodungen in größerem Ausmaß, um Platz für den Weinbau zu schaffen. Am Beginn des Ersten Weltkrieges wurden riesige Flächen gerodet, auf denen man Schanzen und Befestigungen anlegte, um die Haupt- und Residenzstadt Wien bei einem Angriff aus dem Norden verteidigen zu können. Damals war der Bisamberg streng abgeschirmtes militärisches Sperrgebiet; das Besteigen der Kirchtürme in der Umgebung blieb strikt untersagt, um Spionen einen Einblick in das Gelände zu verwehren. Nun ist man dabei, wesentliche Bestände des wiederaufgeforsteten Areals unter Schutz zu stellen, um den früheren Zustand der Vegetation anzustreben.

Nur relativ wenige Bäume dürfte die Erhebung im Norden Wiens im Altertum aufgewiesen haben, denn in der Stein- und Bronzezeit siedelten Menschen auf der Hochfläche, wie zahlreiche Bodenfunde bewiesen haben. Die Altvorderen schätzten einen unbehinderten Rundblick, um anrückende Feinde früh auszumachen.

Rasch an Höhe gewonnen

Die letzte bedeutende Veränderung seiner Silhouette musste der Bisamberg am 24. Februar 2010 hinnehmen, als man die beiden Sendemaste des ORF sprengte. Bis dahin war der große Mast mit einer Höhe von 265 Metern das höchste Bauwerk der österreichischen Bundeshauptstadt, jetzt ist der 252 Meter hohe Donauturm an die erste Stelle dieser Rangliste gerückt. So oder so kommen immer noch jene auf ihre Rechnung, die einen schönen Ausblick schätzen.

Von der Elisabethhöhe mit der am 11. Juni 1899 errichteten Gedenksäule genießt man eine herrliche Aussicht ins Donautal und zum Wienerwald, beim Abstieg nach Hagenbrunn zeigen sich weite Teile des südlichen Weinviertels. Von der Eichendorffhöhe wiederum überschaut man Wien und einen Teil des Marchfeldes.

Die Tour ist wenig anstrengend und weist keine Schwierigkeiten auf, lediglich der Nordwienersteig kann bei Vereisung etwas unangenehm, da rutschig, sein.

Die Wanderroute: Bei der Schnellbahnstation Langenzersdorf wählt man die rote Markierung, die an den Fuß des Bisambergs führt. Dann geht es auf dem Nordwienersteig - zuerst etwas steil, dann gemächlich - zur Elisabethhöhe und weiter zum Gasthof Gamshöhe. Gehzeit etwa eine Stunde. Zuerst fast eben, dann im leichten Abstieg geht es weiter auf einer roten Markierung nach Hagenbrunn. Gehzeit ab Gamshöhe eine Stunde.

Nun geht es auf der Anstiegsroute zurück, später zweigt man nach links auf die rot-grüne Markierung ab, um vorbei an den alten Schanzen zum Falkenberg und - parallel zum Waldrand - zur Eichendorffhöhe zu gelangen. In Richtung Gamshöhe wandert man dann bis zur Bildereiche, hält sich dort links und steigt - rot-grün markiert - nach Langenzersdorf zum Bahnhof ab. Gehzeit ab Hagenbrunn 1¾ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 23.2.2013)

Share if you care