Spanischer Immo-Markt weiterhin rückläufig

22. Februar 2013, 11:23
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Markt für Ferienimmobilien schlägt sich besser als Gesamtmarkt - Mega-Pleite von Reyal Urbis lässt Schlimmes befürchten

Auf dem spanischen Immobilienmarkt wurden im Vorjahr 280.816 Verkaufstransaktionen (ohne sozialen Wohnungsbau) registriert. Der Markt ist damit weiterhin stark rückläufig; laut spanischem Statistikamt INE betrug der Rückgang im Vergleich zum Jahr 2011 rund zehn Prozent.

Nach Verkaufszahlen gemessen ist der spanische Immobilienmarkt damit bereits auf nur noch ein Viertel des Marktvolumens von 2007 geschrumpft – damals war die höchst ungesunde Immobilienblase freilich auf ihrem Höhepunkt.

"Ferien-Immos gehorchen anderen Gesetzen"

Laut einer Aussendung des Franchise-Netzwerks Porta Mondial stellt sich die Situation in den einzelnen spanischen Provinzen allerdings sehr unterschiedlich dar. "Während die Notare in Cantabrien und im Baskenland Rückgänge der Verkaufstransaktionen in Höhe von 27 bzw. 25 Prozent im Vergleich zu 2011 registrierten, konnten sich die Balearen mit Kastilien-La Mancha auf Vorjahresniveau etablieren, und auch die Kanaren verzeichneten mit minus drei Prozent nur einen leichten Rückgang der Immobilienverkäufe."

"Der Ferienimmobilienmarkt gehorcht anderen Gesetzen als der klassische Wohnungsmarkt", erläutert Jessica Jaeger, Geschäftsführerin von Porta Mallorquina Real Estate S.L., die Situation auf Mallorca: "Ganz Europa ist derzeit auf der Suche nach wertstabilen Anlagen."

 

Preise sinken weiter

Die Preise gehen freilich auch auf den Balearen zurück; im Vorjahr sanken sie laut der Immobilienbewertungsgesellschaft Tinsa im Schnitt um 6,6 Prozent. Damit halte die seit 2008 beobachtete Tendenz an, hieß es in einem Bericht der deutschsprachigen "Mallorca Zeitung". Die Preiskorrektur falle auf den Inseln aber immerhin schwächer aus als auf dem spanischen Festland, wo die Preise laut Tinsa im vergangenen Jahr um 11,3 Prozent sanken.

Laut Porta Mondial hat es bei den Transaktionen insbesondere im letzten Quartal 2012 wieder einen Einbruch gegeben, der die Hoffnung auf eine Erholung des spanischen Gesamtmarktes zerstört habe. "Die Zahlen im Oktober und November lagen deutlich unter Vorjahresniveau." Prognosen für die nähere Zukunft will man bei Porta Mondial deshalb keine abgeben.

Krise holt Spanien wieder ein

Nicht zuletzt auch deshalb, weil Spanien in dieser Woche durch eine Mega-Pleite wieder stärker in den Sog der Schuldenkrise gezogen wurde: Der hochverschuldete Immobilienentwickler Reyal Urbis meldete am Dienstag Insolvenz an. Der Fall  könnte sich zum zweitgrößten Pleitefall des Landes auswachsen, das ohnehin tief in der Rezession steckt und unter Milliardenhilfen für den kriselnden Bankensektor ächzt. Die Immobilienfirma hatte sich mit ihren Gläubigern nicht auf eine Umschuldung einigen können.

Reyal steht nicht nur bei gesunden heimischen Großbanken wie Santander und BBVA in der Kreide, sondern auch bei der bereits verstaatlichen Bankia. Damit trifft die Pleite die gerade erst eingerichtete staatliche "Bad Bank".

Bauland massiv überbewertet

Reyal verwaltet nicht nur Immobilien, sondern auch ungenutztes Bauland, das nach den neuen Vorgaben der Regierung radikal abgeschrieben werden muss. Der gesamte Bestand von Reyal wurde Mitte 2012 mit 4,2 Mrd. Euro bewertet, Tendenz sinkend. Dem standen per Ende September Schulden von 3,6 Mrd. gegenüber. Das ist ein vergleichsweise hoher Verschuldungsgrad, bei dem die Geldgeber üblicherweise nervös werden. Erst recht, wenn das Kerngeschäft nicht läuft.

Denn Reyal wurde wie so vielen in der Branche zum Verhängnis, dass die spanischen Häuserpreise seit dem Boomjahr 2007 um 40 Prozent gesunken sind. Und sie fallen weiter, denn die heimische Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Viele Familien können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen und auch der gewerbliche Mietmarkt mit Laden- und Büroflächen in den Großstädten ist längst kein Selbstläufer mehr. Der Leerstand steigt stetig. (red, derStandard.at, 22.2.2013)

  • Der Markt für Ferienwohnungen auf den Balearen ist relativ stabil, die Preise sanken im Vorjahr "nur" um 6,6 Prozent.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Der Markt für Ferienwohnungen auf den Balearen ist relativ stabil, die Preise sanken im Vorjahr "nur" um 6,6 Prozent.

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