Turbulenzen in der Wahlkampf-Schlussphase

22. Februar 2013, 07:10
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Premier Monti in Nöten - Grillo weiter zuversichtlich - Giannino fälschte Lebenslauf

Im Endspurt des italienischen Wahlkampfs hat Premier Mario Monti mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Das deutsche Bundeskanzleramt in Berlin dementierte eine Äußerung Montis, wonach Angela Merkel dezidiert gegen eine vom linken Partito Democratico gestellte Regierung sei. Parteichef Pier Luigi Bersani sprach von einer "unangebrachten Entgleisung". Vergangene Woche hatte Monti erklärt, er fürchte besonders einen Erfolg der Protestbewegung des Komikers Beppe Grillo, weil die Parlamentsparteien eine dringende Wahlrechtsreform verschleppt hätten.

Davon völlig ungerührt beendet Grillo seinen "Tsunami-Wahlkampf" am heutigen Freitagabend mit einer Großkundgebung in Rom. Der Komiker, der persönlich nicht zur Wahl antritt, forderte die Kandidaten aller anderen Parteien in jener Region auf, sich öffentlich zur geplanten Verwendung der Fraktionsgelder von insgesamt 35 Millionen Euro zu äußern. "Wir werden dieses Geld jedenfalls wie schon in Sizilien, Piemont und Emilia-Romagna in den Kassen der Region belassen."

Gefälschter Lebenslauf

Turbulent verlaufen die letzten Tage vor den Wahlen am Sonntag und Montag auch für den Gründer der wirtschaftsliberalen Partei Fare per Fermare il Declino (Etwas tun, um den Niedergang aufzuhalten): Er musste sein Parteiamt niederlegen, nachdem sich mehrere in seinem Lebenslauf angeführte akademische Titel als erfunden herausgestellt hatten. "Ich habe einen Fehler begangen und ziehe die Konsequenzen daraus", erklärte der Wirtschaftsjournalist Oscar Giannino. Sollte er dennoch gewählt werden - seine Kandidatur zu den Wahlen konnte er nicht mehr stornieren -, so werde er der Partei seinen Sitz überlassen. Neue Parteichefin ist die 36-jährige Anwältin Silvia Enrico.

Giannino genoss als Berlusconi-Kritiker zuletzt große Popularität. Auf der Liste der Partei kandidieren namhafte Ökonomen, darunter auch der in Chicago lehrende Luigi Zingales, der Gianninos erfundenen Master-Titel publik machte, wobei die Gründe vorerst unklar blieben.

Seitenhieb auf Berlusconi

Hilfe bekam Giannino hingegen vom ebenfalls in den USA tätigen Ökonomen Michele Boldrin: "Oscar hat zwar einen Fehler begangen, aber wenigstens steht nicht Mubaraks Enkelin in seinem Curriculum." Ein Seitenhieb auf Karima al-Mahroug alias "Ruby" - eine zentrale Figur im "Bunga Bunga" -Skandal um Silvio Berlusconi. Dieser hatte sie seinerzeit mit dem Argument aus dem Polizeigewahrsam geholt, sie sei eine Enkelin des damaligen ägyptischen Präsidenten. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 22.2.2013)

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    Mario Monti gerät immer mehr unter Druck.

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