Rechtsextremismus an Ungarns Unis: Hoffähig gemacht

Kommentar21. Februar 2013, 20:25
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Als Hauptursache für den Rechtsextremismus an Ungarns Hochschulen sehen Politologen den Frust über die herrschenden Eliten

Ein ganzes Drittel der ungarischen Studenten - 33 Prozent - würden derzeit die rechtsextreme Partei Jobbik mit ihrer rassistischen und antisemitischen Ideologie wählen. Das hat eine neue repräsentative Umfrage ergeben. Dahinter folgen mit 29 Prozent die Grünen und erst an dritter Stelle die rechtsnationale Fidesz-Partei von Premier Viktor Orbán. Ebenfalls 33 Prozent der Studenten sagen, Diktatur sei besser als Demokratie (2008: 18 Prozent).

Vor diesem Hintergrund kann der jetzt aufgeflogene Skandal um rassistische Aktivitäten von Studentenvertretern an einer Budapester Universität nicht verwundern. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass es sich um einen Einzelfall handelt.

Als Hauptursache dieser Entwicklung sehen Politologen nicht die Wirtschaftskrise, sondern Frust über die herrschenden Eliten. Zugleich vermittelt das soziale Netzwerk, das Jobbik via Internet, Diskussionsforen und Jugendlager aufgebaut hat, vielen verunsicherten jungen Menschen offenbar so etwas wie Geborgenheit.

Das kann aber nicht alles erklären. Seit seiner Wende vom Liberalen zum Nationalpopulisten hat Orbán eine scharfe Abgrenzung gegenüber rechts außen vermieden. Bei Fidesz heißt es, man dürfe dieses Segment nicht Jobbik überlassen. Tatsächlich aber trägt dies nur dazu bei, Rechtsextremismus hoffähig zu machen. Wenn dafür besonders die künftigen Eliten anfällig sind, können sich die gegenwärtigen über ihr Scheitern nicht mehr hinweglügen. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 22.2.2013)

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