Warum eine gestörte innere Uhr dick macht

21. Februar 2013, 19:39
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Kommt der Tagesrhythmus bei Mäusen durcheinander, führt das zu Insulinresistenz - Auf Menschen übertragen könnte das heißen: Nachtarbeiter sind anfälliger für Übergewicht und Diabetes

Nashville/Wien - Für das Körpergewicht ist nicht nur wichtig, was man isst, sondern auch wann man isst oder schläft. Die hormonellen Hintergründe für diese Tatsache haben nun US-Forscher an Mäusen erhellt: Im Lauf des Tages verändert sich die Wirkung des Hormons Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Wird diese von der inneren Uhr gesteuerte Tagesrhythmik gestört, entwickeln die Nager eine Insulinresistenz und werden anfällig für Übergewicht und Herzkrankheiten, schreiben die Wissenschafter um Carl Johnson (Vanderbilt University in Nashville) im Fachblatt "Current Biology".

Längst ist auch für den Menschen wissenschaftlich erwiesen, dass Störungen des Schlafrhythmus - etwa durch Nachtarbeit oder Jetlag - das Körpergewicht und den Stoffwechsel beeinflussen. Bekannt ist zudem, dass bestimmte Varianten sogenannter Uhrgene, mit Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung stehen.

Das Neue an der Studie der US-Forscher besteht darin, den rhythmischen Veränderungen des Hormons Insulin systematisch nachzugehen. Konkret konnten sie zeigen, dass nachtaktive Mäuse am Tag am stärksten insulinresistent sind. Infolgedessen ist auch ihr Blutzuckerspiegel in dieser Zeit am höchsten, weil weniger Zucker aus dem Blut transportiert wird.

In der Nacht, wenn die Mäuse und ihr Stoffwechsel hingegen aktiv werden, steigt die Insulinwirkung, der Blutzuckerspiegel sinkt. Genetisch veränderte Mäuse, deren innere Uhr gestört ist, bleiben Tag und Nacht in dieser Phase der Insulinresistenz, so die Wissenschafter. Auch bei Mäusen, die konstant Licht ausgesetzt sind, gehe der biologische Rhythmus verloren.

Hilfe per Diätpläne nach Uhrzeit

Die Forscher gehen davon aus, dass die Berücksichtigung der inneren Uhr eine Möglichkeit sein kann, auch bei Menschen Übergewicht zu behandeln. Diätpläne nach Uhrzeit würden die Übergewichtsepidemie sicher nicht umkehren, so Carl Johnson. "Aber sie könnten möglicherweise bei ihrer Bekämpfung helfen." (tasch, dpa, DER STANDARD, 22.02.2013)

  • Das Bild trügt: Nicht die fette Maus machte den Wecker kaputt - es war genau umgekehrt.
    foto: daniel dubois, vanderbilt university

    Das Bild trügt: Nicht die fette Maus machte den Wecker kaputt - es war genau umgekehrt.

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