Telekom: "Kursdrücken war nicht erkennbar"

21. Februar 2013, 21:30
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Sechster Verhandlungstag: Die FMA-Prüferin sieht keine Attacke auf die Telekom-Aktie und widerspricht den Angeklagten

Wien - Eine Postkarte sorgte am Donnerstagnachmittag im Prozess um Kursmanipulationen und Millionenboni für 95 Führungskräfte der Telekom Austria (TA) für Heiterkeit - und Kopfschütteln. Wiewohl verschlüsselt ist die auf dem Schriftstück spiegelverkehrt und in Blockschrift gekritzelte Botschaft einfach: Sie bringt den kurstreibenden Kauf von TA-Aktien durch Börsenmakler Johann Wanovits' Euro Invest Bank am 26. Februar 2004 in Konnex zu Verkaufsorders der Raiffeisen Centro Bank (RCB) und im speziellen zu einem namentlich genannten "Marketmaker" der RCB.

Einen solchen vermochte die Empfängerin der skurril anmutenden, am 14. Februar gestempelten Sendung, die für die Prüfung der schon damals auffälligen Transaktion zuständige Abteilungsleiterin der Finanzmarktaufsicht FMA freilich nicht herzustellen. RCB sei generell ein aktiver Marktteilnehmer. Anlass für die Prüfung sei das ungewöhnlich große Ordervolumen der Euro Invest just in den letzten drei Handelsminuten gewesen, also der Schlussauktion. Das habe man geprüft. Mit überschaubarem Erfolg und ohne bleibende Konsequenzen, denn: "Bis 2005 war der Tatbestand der Kursmanipulation nicht strafbar", stellte die FMA-Prüferin klar. Indizien für Scheingeschäfte oder Handel zum Schaden Dritter habe man schlicht nicht gefunden.

Der Argumentation der wegen Untreue angeklagten Ex-TA-Chefs Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Heinz Sundt widersprach die FMA-Prüferin aber: "Ein Kursdrücken", wie die TA-Führung beteuert, um 95 TA-Führungskräfte um ihre Erfolgsprämien zu bringen, "war nicht erkennbar." Laut Verteidigung hatte TA durch den Kurssprung keinen Schaden, sondern 35 Mio. Euro Wertzuwachs.

Besonders akribisch waren die FMA-Prüfer bei ihrer Recherche übrigens nicht: Hinweise auf verbotenes "Crossing", also Kauf- und Verkaufsorders von ein- und demselben Händler (um den Kurs zu blockieren, stabil zu halten), wurden gar nicht erst untersucht. Trader ebensowenig befragt wie unschlüssige oder widersprüchliche Auskünfte ausländischer Depotbanken im Auftrag der deutschen FMA-Schwester Bafin nicht weiter hinterfragt. "Es ist meine Erfahrung, dass die Angaben der Bafin stimmen." In dem Fall stammte die Auskunft allerdings nicht von der Bafin, sondern vom schweizerischen Bankhaus Julius Bär, das sich von einer bei Deutsche Bank durchgeführten Transaktion durch einen luxemburgischen Fonds distanzierte.

Ob Richter Michael Tolstiuk heute, Freitag, die Verhandlung mit Urteilen schließt, ist ungewiss. Denn die Liste an Beweisanträgen von Wanovits' Verteidigung ist lang, darunter Sachverständigen-Gutachten von Börsenexperten und Zeugenladungen. Staatsanwalt Hannes Wandl will sich dazu noch äußern. (ung, DER STANDARD, 22.2.2013)

  • Für umfassende Öffentlichkeitsarbeit sorgt der angeklagte frühere Börsenmakler Johann Wanovits (rechts) über PR-Profi Alfred Autischer.
    foto: standard/matthias cremer

    Für umfassende Öffentlichkeitsarbeit sorgt der angeklagte frühere Börsenmakler Johann Wanovits (rechts) über PR-Profi Alfred Autischer.

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