Qual der Wahl, Wahl der Qual

21. Februar 2013, 18:04
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Zuerst geht's in der letzten Runde noch um den ersten und den dritten Tabellenplatz. Und hernach dürfen sich die drei Besten die Playoff-Gegner aussuchen

Wien - Na servus, das wird spannend. Der Plan der Verantwortlichen, das Interesse an der Erste Bank Eishockey Liga vor dem Viertelfinale zusätzlich anzukurbeln, geht jedenfalls auf. Am Freitagabend steigen die letzten Partien der Zwischenrunde, und hernach wird nicht wie bisher der Erste den Achten, der Zweite den Siebenten, der Dritte den Sechsten und der Vierte den Fünften treffen. Heuer ist alles anders. Die Besseren dürften sich unter den Schlechteren nämlich ihre Viertelfinalgegner aussuchen, zunächst der Tabellenerste, dann der Zweite, dann der Dritte. Dem Vierten bleibt keine Wahl mehr, sondern jenes Team, das die anderen vermieden haben.

Dieser Modus kann einiges - vor allem kann er in der letzten Runde vor dem Playoff verhindern, dass zwei Teams auf Niederlage spielen, weil beide einem bestimmten Viertelfinalgegner aus dem Weg gehen wollen. Das soll schon vorgekommen sein und ist schon vorgekommen. Und es ist davon auszugehen, dass es andere Duelle geben wird, als es sie früher gegeben hätte. Schließlich steht Red Bull Salzburg von der Platzierung her als vermeintlich leichtester Gegner da. Doch wird sich, wer auch immer die erste Wahl treffen darf, wohl hüten, sie auf Salzburg fallen zu lassen. Schließlich wäre eine gehörige Steigerung der Bullen, die seit 2007 viermal Meister waren, keine Überraschung.

Wer die erste Wahl treffen darf? Nicht einmal das steht fest. Um den ersten Platz streiten in einem Fernduell die führenden Vienna Capitals, die am Freitagabend den KAC empfangen, mit dem Titelverteidiger Black Wings Linz, der Graz empfängt. Der KAC wiederum will den dritten Platz verteidigen, mit dem auch noch Zagreb liebäugelt, das den VSV zu Gast hat. Graz, Villach, Znojmo und Salzburg, das steht jedenfalls fest, haben keine andere Wahl, als sich mit ihrem Viertelfinalgegner einfach abzufinden. Die Grazer haben allerdings noch Chancen auf den vierten Rang, der ihnen wie den ersten Dreien zum Viertelfinal-Auftakt am Sonntag Heimvorteil bringen würde. Fix ist also andererseits, dass Villach, Znojmo und Salzburg am Sonntag mit Auswärtspartien ins Playoff starten. Aber wo?

Servus TV überträgt am Freitag live, und zwar nicht nur die Partie Capitals gegen KAC (19.15 Uhr) Nach einer Zusammenfassung der übrigen Partien treffen Klubvertreter aus Wien, Linz, Klagenfurt und Zagreb im Studio zusammen, drei von ihnen werden bekanntgeben, welchen Gegner sie sich jeweils ausgesucht haben. Für den Klagenfurter oder den Zagreber wird der Weg umsonst gewesen sein, nur weiß er das vorher halt noch nicht.

Man kann natürlich schon auf bestimmte Viertelfinalduelle tippen. Sollte Wien die erste Wahl haben, so wäre alles andere als ein Viertelfinale gegen Znojmo eine echte Überraschung. Die Tschechen, nur 90 Kilometer entfernt, liegen quasi doppelt nahe. In vier Duellen im Grunddurchgang feierten die Capitals vier Siege, drei binnen sechzig Minuten, einen in der Overtime. Ähnlich leichtes Spiel hatte Meister Linz mit Graz - fünf Spiele, fünf Siege. Mit Znojmo hingegen kam Linz gar nicht zurecht, wie drei Niederlagen bei nur einem Sieg verdeutlichen. Capitals gegen Znojmo sowie Linz gegen Graz erscheint also sehr gut möglich.

Kniffliger wird es da schon für den Dritten, also für den KAC oder Zagreb. Die Auswahl ist ja schon überschaubar, wahrscheinlich kommen Salzburg und der VSV als Gegner infrage - das ist eher schon die Wahl der Qual als die Qual der Wahl. Aus Klagenfurter Sicht spricht dennoch einiges für ein Kärntner Derby, Zagreb hingegen könnte vielleicht Salzburg bevorzugen.

Im Semifinale hat's übrigens ein Ende mit der Aussucherei, da trifft das in der Zwischenrunde beste der vier Teams auf das schlechteste. Doch das sollte in den aktuellen Überlegungen noch keine Rolle spielen. Sollte. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 22.2.2013)

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    Der VSV (links Derek Damon) und die Vienna Capitals (rechts Zdenek Blatny) kreuzten in dieser Saison sechsmal die Schläger. Im Viertelfinale tun sie das wohl nicht.

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