Twitter bei Papstmachern hoch im Kurs

21. Februar 2013, 15:12
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Mehrere am Konklave beteiligte Kardinäle versenden regelmäßig ihre Mitteilungen per Kurznachrichtendienst

Twitter erfreut sich bei den Kirchenmännern im Vatikan zunehmender Beliebtheit. Nicht nur der Papst twittert seit Dezember seine Botschaften in die Welt. Neun der 117 Kardinäle, die den Nachfolger des zurückgetretenen Benedikts XVI. wählen werden, nutzen Twitter regelmäßig für Mitteilungen und den Austausch mit den Gläubigen. Der Vatikan legte den Teilnehmern der Papstwahl allerdings ein striktes Twitterverbot während des Konklaves auf.

Mehrmals täglich

Twitter-Star unter den Kardinälen ist der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan (@CardinalDolan) mit mehr als 82.000 Followern. Dolan zwitschert mehrmals täglich, unter anderem Bibelverse und seine Meinung zu den Waffengesetzen in den USA. Die Predigten Dolans, einer der Favoriten im Rennen um Benedikts Nachfolge, können als Videos auf der Website der Erzdiözese New York www.archny.org abgerufen werden. Zweiter nach Dolan ist Kurienkardinal Gianfranco Ravasi (@CardRavasi) mit 38.000 Followern. Ravasi, der aktuell die Fastenexerzitien für den scheidenden Papst und die Kurie hält, sendet auch von dort mindestens stündlich eine Kurzmessage.

Der Kardinal mit der längsten Erfahrung mit Twitter ist der Mailänder Erzbischof Angelo Scola (@angeloscola), der zu den aussichtsreichsten "Papabili" zählt und schon seit 2009 zwitschert. Der Newcomer in der Liste der Twitter-Kardinäle ist Ruben Salazar Gomez aus Kolumbien (@cardenalruben), der wie der Papst seit vergangenem Dezember einen Twitter-Account hat. Auch der Bostoner Kardinal Séan Patrick O'Malley twittert über seinen Account @CardinalSean.

Zitate

Ravasi twittert vor allem Zitate bekannter Persönlichkeiten, Scola bevorzugt Auszüge aus der Bibel. Der Erzbischof von Sao Paulo, Dom Odilo Pedro Scherer (@DomOdiloScherer), unterstützt im Internet mehrere Kampagnen, vor allem gegen die Schwangerschaftsunterbrechung. Der Konklave-Teilnehmer Wilfried Napier aus Südafrika (@CardinalNapier) setzt auf Ironie und appelliert direkt an US-Präsidenten Barack Obama gegen homosexuelle Ehen. Kardinal Luis Martinez Sistach aus Spanien (@sistachcardenal) appelliert per Twitter an die Gläubigen, Initiativen für den Frieden und eine ethische Wirtschaft zu fördern.

Aktiv twittert auch der Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Mahony (@CardinalMahony), für den Anti-Pädophilieverbände den Ausschluss aus dem Konklave verlangen, weil er Vorwürfe des Missbrauchs gegen Priester seiner Diözese vertuscht haben soll. Per Twitter verkündete Mahony, dass er trotz der Proteste keine Absicht habe, auf seine Reise nach Rom zu verzichten. "Ich plane, in Rom zu sein, um den neuen Papst zu wählen", schrieb der Kardinal zuletzt auf seinem Twitter-Account. Seine Kritiker reagierten scharf. "Mahony, please stay at home!", hieß es im Internet.

79 Punkte

Laut dem Social-Media-Dienstleister Klout, der den Einfluss einzelner Personen im Web misst, genießen Kardinäle eine hohe Online-Reputation. Auf einer Skala von 1 bis 100 liegt ihr Ansehen im höheren Segment, Kardinal Ravasi kommt sogar auf 79 Punkte.

Mit Ende seiner Amtszeit wird auch der Twitter-Account von Papst Benedikt XVI. (@pontifex) geschlossen. Nach der Papstwahl wird der neue Petrusnachfolger entscheiden müssen, ob er die noch junge Tradition päpstlicher Twitter-Botschaften fortsetzt. Seit dem 12. Dezember twittert der Papst Botschaften. Benedikt XVI. hat mit seinen neun Sprach-Accounts inzwischen mehr als 2,6 Millionen Follower, darunter allein 1,5 Millionen aus dem englischen Sprachraum. Unter "#pontifex" verschickt er Kurznachrichten auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch. Seit kurzem twittert er auch auf Lateinisch. (APA, 21.02. 2013)

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