Der umweltfreundlichste Wolkenkratzer Australiens

21. Februar 2013, 14:30
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Green-Building-Architekt Ingenhoven erhielt für 1 Bligh Street in Sydney den Internationalen Hochhauspreis

Wien/Sydney - Er ist 30 Stockwerke hoch, oval und vermittelt eine Vorstellung, wie ökologisch durchdachte Hochhäuser in den energieeffizienten Städten der Zukunft aussehen könnten: Der Bürobau 1 Bligh Street an der gleichnamigen Adresse am Hafen Sydneys ist australische Avantgarde in Sachen Umweltfreundlichkeit. Viele sehen das neue Gebäude in der sonst eher monotonen Skyline der Stadt schon als zweites architektonisches Wahrzeichen neben dem berühmten Opernhaus des dänischen Architekten Jørn Utzon.

Australien war dank seiner massiv vorhandenen Kohlevorräte bisher nicht gerade Vorreiter in energieeffizienten Bauweisen. Noch 2009 wurden drei Viertel des elektrischen Stroms in Kohlekraftwerken erzeugt. Doch immer mehr Solarkraftwerke und eine 2012 eingeführte CO2-Steuer für große Energieverbraucher zeugen vom Umdenken in Richtung eines nachhaltigeren Umgangs mit Ressourcen. Mit 1 Bligh Street wurde nun auch der Hafenskyline Sydneys ein weithin sichtbares Zeichen dieses Umdenkens verpasst.

700 m² große Dachterrasse

Der Status eines ökologischen High-End-Baus ist unter anderem durch eine 6-Star-World-Leadership-Zertifizierung des australischen Ökostandards Green Star verbrieft, die davor noch nie vergeben wurde. Eine ganze Reihe an innovativen baulichen Maßnahmen fügen sich bei 1 Bligh Street zum herausragenden Ökokonzept, für das der deutsche Architekt Christoph Ingenhoven und sein australischer Kollege Ray Brown vor kurzem mit dem Internationalen Hochhauspreis 2012 ausgezeichnet wurden.

Solarzellen und eine baumbepflanzte 700 Quadratmeter große Dachterrasse gehören da noch zu den konventionelleren Ökoattributen. Ein Atrium, das sich über die gesamte Gebäudehöhe zieht, sorgt für natürliche Durchlüftung und entlastet die Klimaanlage bei den hohen Temperaturen in Sydney. Die Räume werden mit Wasser, das in den Decken aller Stockwerke zirkuliert, gekühlt.

Kläranlage im Keller

Die vollständige Verglasung des Hochhauses gewährleistet, dass alle Büros Blick auf den Hafen haben. Die doppelschalige Glasfassade - die in Europa schon relativ verbreitete Bauweise wurde bei 1 Bligh Street erstmals in Australien umgesetzt - sorgt für Energieeffizienz. Neben der Solaranlage auf dem Dach wird Energie aus Erdgas herangezogen, um die Temperaturen in dem 139 Meter hohen Bau zu regulieren und die Büros mit Strom zu versorgen.

Das Hochhaus steht zudem auf Stelzen: Das Foyer wurde zugunsten eines öffentlichen Platzes am Fuß des Gebäudes angehoben. Darunter, im Keller, soll eine ganz besondere Einrichtung dem Wassermangel in Sydney entgegenwirken. Eine Kläranlage bereitet dort das Wasser, das im Büroturm verbraucht wird, wieder auf. Und 300 Fahrradabstellplätze laden Mitarbeiter ein, auf dem Weg zur Arbeit ein wenig zu schwitzen. Entsprechend viele Duschen im Büroturm sorgen dafür, dass dadurch der Arbeitsalltag nicht beeinträchtigt wird.

Büro der Premierministerin

Für die Jury des International Highrise Award, die den im Jahr 2011 fertiggestellten Neubau 2012 zum innovativsten Hochhaus der vergangenen Jahre wählte, setzt 1 Bligh Street "auf seinem Kontinent neue Maßstäbe hinsichtlich sozialer, kultureller, stadtplanerischer und nachhaltiger Kriterien".

Der Preis wird alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt vergeben. Preisträger Ingenhoven, der mit seinem Düsseldorfer Büro auch die Pläne für das umstrittene und nach wie vor nicht umgesetzte unterirdische Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 geliefert hat, ist auf Green-Building-Konzepte spezialisiert.

Die Umsetzung seiner Vorstellung von nachhaltiger Bauweise bei 1 Bligh Street erfreut neben den Anwälten, die das Hochhaus mehrheitlich bevölkern, auch Premierministerin Julia Gillard, die dort ein Büro bezogen hat. (pum, DER STANDARD, 21.2.2013)

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    Neuer Ökomaßstab in Sydney: Das 1-Bligh-Street-Hochhaus.

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