Grünes Klein-Manhattan im Norden Mailands

21. Februar 2013, 14:10
1 Posting

Die Finanzmetropole will Grau raus- und mehr Grün reinzwängen. Zu den Schrittmachern zählt die UniCredit, die im Sommer in ein Green Building zieht

Die lombardische Metropole lockt mit Architektur. Der Dom und das Opernhaus La Scala bleiben, aber neue Projekte verändern mit neuem Design und nachhaltigem Baustil das Stadtbild. Im Norden der Stadt, rund um die Stazione Garibaldi, entsteht ein italienisches Klein-Manhattan. Ähnlich wie im Londoner Canary Wharf bildet sich hier die Yuppie-Version des Mailänder Finanzviertels, das ursprünglich im Zentrum um die Piazza Cordusio angesiedelt war.

Höchstes Gebäude Italiens

Zur Speerspitze zählt die Bank-Austria-Mutter UniCredit. Mit ihrem neuen Turmkomplex wirkt sie auch als Schrittmacherin für Green Buildings in Mailand. Inklusive Turmspitze ist die vom argentinischen Architekten Cesár Pelli entworfene UniCredit-Zentrale 231 Meter hoch und damit das derzeit höchste Gebäude Italiens.

Keine fünf Minuten vom ersten vertikalen Waldhaus Mailands entfernt, übersiedeln Anfang dieses Sommers rund 4000 UniCredit-Mitarbeiter in den neuen Unternehmenssitz. Es handelt sich um drei Türme, die mit einer beachtlichen Ressourceneffizienz und einer LEED-Zertifizierung in Gold errichtet wurden.

"Read, Eat, Dream"

Das 31-stöckige Hochhaus wird von zwei etwas niedrigeren Gebäuden umgeben. Im sogenannten UniCredit-Viereck hat die Stadtgemeinde dann noch ein relativ niedriges Handelszentrum mit einem Buchgeschäft, Lebensmittel-Shops und Restaurants angeschlossen. Nicht nur Bankbesucher, auch Touristen und Geschäftsleute sollen sich hier im "Read-, Eat- und Dream-Zentrum" erholen.

Das neue, zwischen Porta Nuova und Porta Garibaldi gelegene Finanzzentrum ist gut ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Die Superschnellbahnverbindung von der Porta Garibaldi (zwei Minuten vom UniCredit-Tower entfernt) bringt etwa Geschäftsreisende in zweieinhalb Stunden nach Rom. Klein-Manhattan, auch "Isola" genannt, ist bestens vernetzt. Unter anderem verbinden die neu eröffnete U-Bahn-Linie M5, die M2 und etliche Straßenbahnen und Buslinien das neue Viertel mit dem Zentrum. Die Stellplätze in der Tiefgarage sind mehrheitlich für Motorrad- und Fahrradhalter reserviert.

Freiräume zur Erholung

Der Unterschied zu dem vom Architekten Stefano Boeri, dem Kulturminister Mailands, entworfenen Baum- oder Waldhaus ist, dass hier die Bäume nicht außen emporranken, sondern sich im Hausinneren befinden. Jeder der Freizeit und Geschäftstreffen vorbehaltenen Freiräume - "open spaces" - wird mit einem riesigen Baum bepflanzt, sodass während der Mittags- und Cappuccino-Pause bei Meetings und Konferenzen die Natur mitspielen kann.

Rund 80 Bäume - drei bis fünf Meter hoch - sollen die Open-Space-Innenräume dekorieren. 30 Prozent der gesamten Bürofläche sind solchen Freiräumen gewidmet. Viel Grün kann aber auch im direkt anschließenden neu errichteten Park (150.000 Quadratmeter) genossen werden.

Mit den Bauarbeiten für das vom US-Immobilienverwerter Hines finanzierte Projekt wurde 2008 begonnen. 2011 war man fertig - für italienische Verhältnisse rekordverdächtig rasch. Die UniCredit-Türme sind auch das erste Green Building, das in dem neuen Zentrum fertiggestellt ist. Die Arbeiten für das renommierte Waldhaus sind noch im Gange.

In drei Jahren amortisiert

Die UniCredit hat rund 50 Millionen Euro für den Innenausbau ausgegeben. Die derzeit in 18 verschiedenen Gebäuden (zum Teil eigene, zum Teil gemietete Bürozentren) in der Stadt untergebrachten Mitarbeiter werden bis Jahresende ins neue Zentrum umgezogen sein. "Innerhalb von drei Jahren rechnet sich der Umzug", ist man bei UniCredit zuversichtlich.

Vor allem was die Nachhaltigkeit betrifft, wird die UniCredit zur Schrittmacherin. Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um rund 30 Prozent verringert werden. In Summe entspricht das einer Reduktion des Schadstoffausstoßes um etwa 5000 Tonnen.

Die Ressourceneffizienz ist auch in den Bereichen Energie und Licht (erneuerbare Energieanlage), Wasser (acht eigene Quellen) und Baustoffe beachtlich. Alles wurde nach LEED zertifiziert, was für "Leadership in Energy and Environmental Design" steht. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 21.2.2013)

  • Das "Baumhaus" im Stadterweiterungsgebiet von Mailand ist im Entstehen, ...
    visualisierung: boeri architetti

    Das "Baumhaus" im Stadterweiterungsgebiet von Mailand ist im Entstehen, ...

  • ... die neue UniCredit-Zentrale wird im Sommer bezogen.
    foto: unicredit

    ... die neue UniCredit-Zentrale wird im Sommer bezogen.

Share if you care.